Die Baselland Transport AG (BLT) ist mit einer delikaten Frage konfrontiert. 2022 müssen die aktuellen Wagen der Waldenburgerbahn (WB) weg. Im Rahmen der umfassenden Erneuerung der WB samt Umspurung müssen sie Platz machen für eine neue Generation Züge. Doch wohin mit den aktuellen rot-weissen Zügen?

Fürs Museum sind die Züge mit Baujahr 1986 (noch) nicht attraktiv, gesucht sind in erster Linie Dampfloks und Züge aus der Pionierzeit der elektrischen Eisenbahn. Im Vergleich zu neuen Zügen können die Wagen aus den 80er-Jahren in puncto Komfort und technischen Raffinessen nicht mithalten.

Mit 75 Zentimetern Spurweite ist das Waldenburgerli ein Exot. In Europa gibt es nur wenige Bahnen mit dieser Spurbreite, viele von ihnen sind touristische Nostalgiebahnen. Wohin mit den Zügen, die nicht alt und zugleich nicht neu genug sind?

Eine Umrüstung auf Diesel wäre nötig

Bisher habe die BLT fünf Anfragen von Interessenten auf dem Tisch, sagt Alfred Schödler, stellvertretender BL-T-Direktor, auf Anfrage der bz. Wichtig sei dem Unternehmen, dass die Fahrzeuge sinnvoll weiterverwendet werden können. Die Bedingung sei, dass der BLT dadurch keine Kosten entstehen.

Wie viel die BLT für die alten Fahrzeuge verlangen wird, ist noch unklar. Das Transportunternehmen wird erst im Verlauf des nächsten Jahres über den Verkauf der Fahrzeuge entscheiden. Dann wird sie auch in konkrete Verhandlungen eintreten, sagt Schödler weiter.

Ein weiterer Knackpunkt: Von den wenigen Bahnen, die von der Spurbreite her passen würden, befinden sich viele in Ostdeutschland. Dort ist allerdings der Dieselantrieb gang und gäbe, viele Bahnen verfügen über keine Oberleitung. Schödler bezweifelt, dass sich eine Umrüstung der WB-Züge auf Diesel lohnen würde. Im Vordergrund stehe eine Lösung, bei der keine Umrüstung auf Diesel nötig sei. Diese Bedingung schränkt die Auswahl möglicher neuer Besitzer der WB-Züge zusätzlich ein.

Ausstellungsort gesucht

Eine der wenigen Bahnen, die mit der WB die 75-Zentimeter-Spurweite teilen und die für eine Verwendung der Baselbieter Züge infrage kämen, ist die Murtalbahn in Österreich. Sie verkehrt auf einer Streckenlänge von gut 76 Kilometern in den Bundesländern Steiermark und Salzburg. Diese Bahn verfügte bisher allerdings über einen dünnen Fahrplan mit einem Zug alle zwei Stunden. Ihre Existenz wurde immer wieder infrage gestellt.

Wie Recherchen der bz zeigen, hat sich das geändert. Das Bundesland Salzburg hat sich verpflichtet, sich für die Verbesserung der Infrastruktur und Elektrifizierung der Murtalbahn einzusetzen. Lokale Politiker forderten ausserdem, dass auf die Normalspur von 143 Zentimetern gewechselt werden soll. Dies ist den Verantwortlichen aber zu teuer. Das Projekt soll bis 2023 umgesetzt werden, heisst es. Perfekte Voraussetzungen also, dass das Waldenburgerli in Zukunft durch die Steiermark rattert.

Klar ist: Seitens BLT ist nicht geplant, eines der Fahrzeuge für Ausstellungszwecke in der Region zu erhalten, wie Schödler bestätigt. Das hat Lorenz Degen, BLT-Beirat und Bahnexperte, erwartet. Deswegen steht er schon länger mit Gemeinden im Waldenburgertal im Austausch. «Es war ein Fehler, die Vorgängerversion der heutigen Waldenburgerbahn einfach so wegzugeben ohne ein Ausstellungsstück zu behalten», meint er.

Deswegen will er eine Möglichkeit finden, ein Exemplar der aktuellen Bähnli aus den 1980ern zu erhalten. Zu Beginn seien die Gemeinden seiner Idee abwehrend gegenübergestanden. Inzwischen habe er aber Hoffnung, dass sich eine Gemeinde findet, die ein Exemplar des Zuges ausstellt.