Einmal schaffte Daniela Schneeberger seit ihrer Wahl im Herbst in den Nationalrat den Sprung in die nationalen Medien. Jedoch unfreiwillig. Als die Liste der Zutrittsberechtigungen des National- und Ständerates erstmals veröffentlicht wurde. Darauf ist nachzulesen, an welche zwei Personen die Mitglieder der eidgenössischen Räte Zutrittsbadges für das Bundeshaus vergeben. Bei Schneeberger waren der designierte Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser und der Vizedirektor Markus Meier angegeben. Als «persönliche Mitarbeiter» und nicht als Interessenvertreter der Wirtschaftskammer Baselland. Kritik wurde laut: Die Angaben seien unsauber.

Bedeutung unterschätzt

Schneeberger schüttelt noch heute den Kopf darüber. Gesteht aber ein: Sie habe die Bedeutung dieser Liste wohl etwas unterschätzt. Die beiden Lobbyisten und die Angaben dazu habe sie einfach von ihrem Vorgänger Hans Rudolf Gysin (FDP) übernommen – damals, so ganz neu. Jetzt kommt es zu einem Wechsel bei den «persönlichen Mitarbeitern»: Wie Schneeberger gegenüber dem «Sonntag» sagt, will sie dem SVP-Mitglied Markus Meier den Badge entziehen, um jemand anderem Zutritt zu gewähren. Wem, lässt sie offen. Begründung: Sobald sie sich in Bern eingearbeitet habe, wolle sie die Möglichkeit nutzen, einen eigenen persönlichen Mitarbeiter einzusetzen. Schneeberger bestreitet, dass sie den Entscheid getroffen habe, weil sie unter Druck gekommen sei. Gysin habe sie auch nicht dazu gedrängt.

«Alles ist bereits in die Wege geleitet», sagt Schneeberger. Meier bestätigt das. «Der Wechsel ist arrangiert». Sein Zugang zum Bundeshaus über einen anderen Parlamentarier sei bereits gesichert. Über die Namen der Akteure und des oder der Auserwählten mag er nicht sprechen. Unstimmigkeiten gab es laut Meier nicht, auch nicht wegen seiner Parteizugehörigkeit.

Wirtschaftskammer bleibt präsent

Die Wirtschaftskammer bleibt also stark präsent. Christoph Buser wird auch in Zukunft mit Schneebergers Segen im Bundeshaus lobbyieren. Und Noch-Wirtschaftskammer-Direktor Gysin macht von seinem Zutrittsrecht zum Parlament als alt Nationalrat offensichtlich rege Gebrauch. Auch nach seinem Rücktritt tauchte er an jeder Session auf. Zum Beispiel am vergangenen Montag, als sein Lieblingsthema Bausparen im Nationalrat traktandiert war.

Mit Schneeberger hat sich zudem die einzige Nationalratskandidatin im Wahlkampf durchgesetzt, die von der mächtigen Wirtschaftskammer unterstützt wurde. Gysins Plan ging auf. Schneeberger als Marionette Gysins und der Wirtschaftskammer in Bundesbern? Die Treuhänderin aus Thürnen bestreitet das natürlich. Zu Gysin habe sie ein gutes Verhältnis, er habe sie eingeführt in Bern. Mehr nicht. «Ich bin durchaus anders, eigenständig, vertrete eine neue Generation», sagt die Tochter vonalt Landrat Robert Schneeberger. «Ich brauche mich gar nicht zu emanzipieren.»

Die Qual der Wahl

Wie sie sich indes auf nationaler Ebene ein eigenes Profil schaffen will, bleibt nach wie vor unklar. Die grösste Herausforderung im Vergleich zum Kantonsparlament sei für sie, zu lernen, auf welche Geschäfte sie sich in der Flut von Dokumenten konzentrieren solle, sagt die ehemalige Landrätin. Da müsse sie sich nun einarbeiten. Auch an den Lärmpegel und das ständige Hin und Her im Ratssaal habe sie sich zuerst gewöhnen müssen. Von ihrer langjährigen Erfahrung im Kantonsparlament könne sie dabei aber stark profitieren. Damit stichelt sie in Richtung ihres ehemaligen Listengefährten bei den Nationalratswahlen, den Medien- und Wirtschaftsanwalt Martin Wagner, der sich als politischer Quereinsteiger zu profilieren versuchte.

beträchtlichen Aufwand dürfte Schneeberger auch die wichtige Kommissionsarbeit in Bern kosten. Die Finanzpolitikerin wurde der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit zugeteilt. Nicht gerade ihre Kernkompetenzen. Darauf angesprochen, lächelt Schneeberger etwas gequält. Es sei keine der Kommissionen, die sie favorisiert habe. «Insbesondere Gesundheitspolitik ist für mich Neuland», sagt sie. Sie wolle sich jetzt aber intensiv einarbeiten.

Bis zum Ende der Legislatur bleiben ihr noch dreieinhalb Jahre, sich an Lobbyistenlisten, Lärm, Aktenberge und Gesundheitspolitik zu gewöhnen. Und vor allem: sich in Bern zu profilieren. Chancen bieten sich wieder ab morgen, nachdem Schneeberger aus dem verlängerten – aktenfreiem – Skiwochenende zurückgekehrt ist. Und auf neue persönliche Unterstützung sollte die Nationalrätin ja auch bald zählen können.