Rütihard

Naturschutz-Streit um Salzabbau in Muttenz: Jetzt schreitet die Fondation Franz Weber ein

Drohnenaufnahme von der Rütihard.

Dank der Fondation Franz Weber hat die IG «Rettet die Rütihard» ein neues Kampfmittel: Das Verbandsbeschwerderecht.

«Ich bin überzeugt, dass man den Salzabbau auf der Rütihard stoppen kann.» Julia Fischer ist nach ihren ersten Eindrücken vom Kampf gegen den Salzabbau am Infoabend der Interessensgemeinschaft «Rettet die Rütihard» zuversichtlich. Die nationale Kampagnenleiterin der Fondation Franz Weber hat eine «engagierte Interessensgemeinschaft» angetroffen und im mit rund 150 Personen voll besetzten Pfarreiheim einen «grossen Willen» gespürt.

Dass rund ein Drittel der Anwesenden als Bürger von Muttenz über einen möglichen Dienstbarkeitsvertrag zwischen der landbesitzenden Bürgergemeinde und den Schweizer Salinen befinden kann, stimmte Fischer zusätzlich optimistisch. Die IG hatte per Mail die Fondation Franz Weber um Unterstützung angefragt. Die Antwort kam rasch und war deutlich: «Wir unterstützen den Kampf der IG ‹Rettet die Rütihard› für den Erhalt dieses wertvollen Naherholungsgebiets und werden falls notwendig auch von unserem Verbandsbeschwerderecht Gebrauch machen», schrieb Präsidentin Vera Weber zurück.

Der Tipp: Zur Finanzierung eine Stiftung gründen

Damit erhält der Kampf gegen den Salzabbau neuen Schwung. Als Verband hat die Fondation nicht zuletzt dank dem Verbandsbeschwerderecht einen grösseren Handlungsspielraum als die IG alleine.

Doch zuerst will die Fondation der IG beratend zur Seite stehen, betonte Julia Fischer. «Wir wollen primär unsere Kampagnenerfahrung einbringen und helfen zu prüfen, wo politische Hebel anzusetzen sind, und wenn notwendig Einsprachen platzieren.»

Nach einem Augenschein schwärmt Fischer von der Abgeschiedenheit der Rütihard. «Sie ist eine kleine Oase, die man so in und um Basel nur sehr wenig vorfindet. Man ist erstaunlich schnell in einer eigenen Welt.» Fondation-Kommunikationsleiter Matthias Mast stimmte in Fischers Zuversicht ein: «Wir lassen Muttenz nicht versalzen. Ich bin überzeugt, die Rütihard bleibt, was sie ist.» Sein Tipp an die Abbaugegner: «Gründet eine Stiftung Rütihard, verlangt 25 Franken pro Nase und Jahr, und die Rütihard gehört euch und es kommt kein Salzrohr dahin.»

Die Fondation Franz Weber machte sich schweizweit einen Namen, als sie die Zweitwohnungsinitiative lancierte und 2012 an der Urne erfolgreich durchbrachte. Zuletzt sorgte sie mit einer offensiven Kampagne dafür, dass das Basler Stimmvolk das Ozeanium ablehnte. Vor allem für bürgerliche Kräfte ist die Fondation ein rotes Tuch. Bei den Muttenzer Salzabbaugegnern gab es hingegen kräftigen Applaus.

Bevor die prominente Unterstützung mitgeteilt wurde, referierte der Biologe, Chemiker und ehemalige Gymnasiallehrer Thomas Abel über die Gefahren des Salzabbaus auf der Rütihard. Die Schweizer Salinen würden Alternativen gar nicht erst ins Auge fassen, kritisierte Abel.

Warnungen vor Salzmangel sind «Fake News»

Weil über die Hälfte des gewonnenen Salzes für den Winterdienst verwendet werde, lasse sich dort am meisten einsparen, in dem man grundsätzlich den Einsatz des Auftausalzes minimiere, vorhandene Alternativen anstelle des Salzes verwende und intelligente Streufahrzeuge einsetze. «Man muss es nur sehen und wollen», sagte Abel in Richtung Schweizer Salinen. Zudem werde das staatliche Salzmonopol der Salinen «früher oder später» fallen. Abel fordert die Schweiz auf, vermehrt Salz zu importieren, das erst noch ökologischer hergestellt werde. «Die Schweizer Salinen können sehr gut auf die Rütihard verzichten – wir Muttenzerinnen und Muttenzer nicht.»

Die Warnungen vor einem möglichen Salzmangel bezeichnete der Ex-Lehrer als «Fake News». Die vorhandenen Salzvorkommen seien verhältnismässig klein. Zudem exportieren die Schweizer Salinen ein Vielfaches des Salzes, das sie importieren, so IG-Mitglied Thomas Abel.

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