Dass die Regionale Musikschule Liestal (RML) ihre neue Heimat seit ein paar Wochen in einem Neubau an der Kasernenstrasse hat, ist einem Zufall zu verdanken. Das Gelände war letztes Jahr just ausgehoben für ein Wohnhausprojekt, als die Verantwortlichen der RML die Bauherrschaft des Vorhabens kontaktierten und ihren Fuss hineinsetzten. «Die Investoren fingen Feuer von unserem Gedanken», erzählt Roland Recher, einer der Leiter der RML.

Diese war unter Zugzwang. Die Musikschule suchte laut ihrem zweiten Leiter Frank Josephs schon «seit Jahrzehnten» eine dauerhafte Bleibe, weil die Infrastruktur im Provisorium im Rosenzentrum nicht befriedigte. «Es wurden immer wieder Optionen geprüft, aber wieder verworfen.» Nun benötigt die Stadt Liestal die Räumlichkeiten des Rosenzentrums für Primarschulklassen und hat deshalb der RML eine Auszugsfrist bis Januar 2018 gesetzt. Das habe Dynamik ins Dossier gebracht, sagt Josephs.

«Alles ist sehr gut gelungen»

Wie Tag und Nacht kommt der Vergleich daher zwischen den neuen und alten RML-Lokalitäten. Die Bauherrschaft des neuen RML-Domizils ging auf die Wünsche der Musikschule ein. An der Kasernenstrasse sind für Wände, Böden und Akustik teils spezielle Materialen verwendet worden, die Räume sind getrennt, das Gebäude gegen aussen akustisch abgeschottet. «Das alles ist sehr gut gelungen», meint Recher. Zudem können fast alle Lektionen unter einem Dach abgehalten werden. So können sich Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler untereinander austauschen und zusammen musizieren. Neu gibt es Räume für Ensemble und Schülerkonzerte. Abgeschlossen wurde ein Mietvertrag über 25 Jahre. «Wir haben einen Mietpreis ausgehandelt, den wir für diese Fläche und diesen Standort als vernünftig betrachten», betont Roland Recher.

Ganz anders im Rosenzentrum. «Dieses Gebäude war nicht an die Bedürfnisse einer Musikschule angepasst», berichtet Recher und schmunzelt: «Aber das hatte auch einen gewissen Charme.» Im Schulhaus Burg waren die Räumlichkeiten zwar zufriedenstellend, bot jedoch zu wenig Platz. Die RML war verteilt auf verschiedene Schulhäuser. Heute gibts nur noch zwei permanente «Aussenstationen» – in Frenkendorf und Füllinsdorf, was historisch begründet sei, so Frank Josephs.

Zunehmend schwieriger

Weil sich die Musikschule nach dem obligatorischen Schulunterricht richten muss, wird es für die RML-Lehrkräfte zunehmend schwieriger, ihren Stundenplan zu gestalten. Als Josephs noch Lektionen erteilte, bekam er schon den Eindruck, dass es von Jahr zu Jahr komplexer wird, weil viele Aktivitäten dazukommen. «Alles muss unter einen Hut gebracht werden.»
Durchschnittlich besucht jede fünfte Schülerin und jeder fünfte Schüler der Primar- und Sekundarstufe der neun angeschlossenen Gemeinden die RML. Zwischen 2008 und 2012 war ein starker Zuwachs zu verzeichnen, seither gingen die Schülerzahlen zurück. Nun sei wieder ein Anstieg zu beobachten, weiss Frank Josephs. Am beliebtesten sind die bekannten klassischen Instrumente Klavier, akustische und elektrische Gitarre sowie Schlagzeug.

Die RML kooperiert mit Musikvereinen, Orchestern sowie Chören und pflegt mit ihnen einen regen Austausch. Wie viele RML-Absolventen sich auch später noch der Musik widmen, darüber führt die Musikschule keine Statistik. «Das messen wir nicht. Wir sehen jedoch, wenn Kinder und Jugendliche in Musikvereinen weiter musizieren oder wenn sie in einem Ensemble bleiben», sagt Roland Recher. Die Berufslehre sei eine Stufe, in welcher es ziemlich abnehme.

Die Leitung der Regionalen Musikschule Liestal kann sich nun wieder stärker aufs Tagesgeschäft konzentrieren, nachdem sie in den letzten Monaten der Umzug gefordert hat.

Recher dazu: «Wir waren eineinhalb Jahre am Denken und viel auf der Baustelle.» Sie seien froh gewesen, dass in der Musikschule viele Abläufe standardisiert sind. Mit dem vollzogenen Umzug kehrt nun allmählich wieder der Alltag ein.

Grosses Schulfest am Samstag, 16. September (ab 12 Uhr), auf dem Areal des neuen Schulgebäudes an der Kasernenstrasse 68 in Liestal.