Liestal

Neue Grossbaustelle: Liestal sieht kaum ein Ende der Bauarbeiten

Alle Strassen im Bild werden erneuert. Unten ist der «Rebgarten» mit dem Tertianum, in der Mitte die Überbauung «Weierweg» zu sehen.

Alle Strassen im Bild werden erneuert. Unten ist der «Rebgarten» mit dem Tertianum, in der Mitte die Überbauung «Weierweg» zu sehen.

Im Zentrum werden drei stark befahrene Strassen verbreitert, die neu dem Kanton gehören. Die Folge: Behinderungen bis nächsten Juni.

Gäbe es im Baselbiet eine Auszeichnung in der Art «Der beste Maulwurf», Liestal wäre Kronfavorit. Im Kantonshauptort wird seit Jahren sowohl von Privaten wie von der öffentlichen Hand intensiv gegraben, seit dieser Woche noch etwas intensiver: Kanton und Stadt haben die Baustelle «Strassennetz Zentrum Nord» eröffnet.

Eine Baustelle, die den Verkehrsteilnehmern Geduld abverlangt, weil es mitten in Liestal auf einem ohnehin stark belasteten Streckenabschnitt über elf Monate zu Behinderungen mit Einbahnregime und Umleitungen kommt. Konkret: In der ersten Etappe, die bis Juni 2021 dauert, werden Rebgasse, Weierweg und Gasstrasse auf mindestens sieben Meter verbreitert. Gleichzeitig gibt es beidseits durchgehend zwei Meter breite Trottoirs.

Eine der am stärksten befahrenen Innerortsstrecken

Projektleiter Ralf Wassmer vom kantonalen Tiefbauamt und der Liestaler Stadtbaumeister Thomas Noack sprechen übereinstimmend von einer logistischen Herausforderung. Das, weil dieser Bereich täglich von 8000 bis 10000 Fahrzeugen passiert wird, was im Baselbiet einem der am stärksten befahrenen Innerortsabschnitte entspricht.

Zudem ist die Rebgasse Teil der Durchgangsstrecke für Ausnahmetransporte von bis zu 480 Tonnen. Was Konsequenzen hat, wie Wassmer erläutert: «Solche Transporte, die vor allem von und zu den Rheinhäfen erfolgen, müssen während der Bauzeit 48 Stunden zuvor angemeldet werden. So können wir Hindernisse im Baustellenbereich aus dem Weg räumen.»

Planungssicherheit für Überbauungs-Investoren

Hintergrund für die jetzigen Strassenanpassungen sind drei Quartierüberbauungen – «Weierweg» und «Rebgarten» sind bereits bezogen, «Aurisa» auf dem ehemaligen Konrad Peter-Areal ist im Bau und sollte im ersten Halbjahr 2022 fertig sein.

Wassmer weist darauf hin, dass der Kanton den Weierweg und einen Teil der Gasstrasse sowie weitere Strassen von der Stadt Liestal übernommen habe. Diese genügten aber bezüglich Ausbaustandard nicht den Normen für Kantonsstrassen und seien sanierungsbedürftig. Wassmer: «Deshalb gaben wir mit dem Strassenausbau-Projekt den Investoren der Überbauungen Planungssicherheit.»

Auch werde dank der Normbreiten der Verkehrsfluss besser. Und die Anwohner dürften, wenn dann nächsten Sommer alles fertig ist, auch etwas aufatmen: Die Strassen erhalten einen lärmmindernden Belag.

Lieber zweimal an gleicher Stelle graben als Kollaps

Den Kanton kostet die erste Etappe des Projekts «Strassennetz Zentrum Nord» 2,3 Millionen Franken, die Stadt Liestal die Instandsetzung ihres Teils der Gasstrasse zudem knapp 900000 Franken. Wobei die Stadt das letzte Stück – abgestimmt auf den «Aurisa»-Bau –erst im zweiten Halbjahr 2022 vollendet.

Bereits vor zwei Jahren grub die Stadt Liestal im gleichen Geviert intensiv und erneuerte das Leitungsnetz. Das ebenfalls mit entsprechenden Verkehrsbehinderungen. Die grosse Frage lautet deswegen: Wieso haben Stadt und Kanton ihre beiden Projekte nicht zusammengelegt?

Wassmer sagt: «Normalerweise machen wir solche Arbeiten gleichzeitig. Doch das ist in diesem Fall wegen der intensiven Bautätigkeit in Liestal mit unter anderem Vierspurausbau der SBB, Erneuerung der Waldenburgerbahn und Grosswärmeverbund der Elektra Baselland nicht möglich gewesen.»

Kanton und Stadt hätten deshalb gemeinsam und in Koordination mit diesen Grossprojekten beschlossen, die umfangreichen Werkleitungsarbeiten losgelöst und vorgängig des Projekts «Strassennetz Zentrum Nord» zu realisieren und das jetzige, kleinere Zeitfenster für die Strassenerneuerung zu nutzen, so Wassmer.

2025 zweite Etappe in Liestal Nord

Tröstlich ist für das verkehrsgeplagte Liestal dafür, dass voraussichtlich ab 7. September die Oristalunterführung wieder beidseits befahrbar ist, wie die SBB mitteilen.

Thomas Noack, Liestaler Stadtbaumeister

«Die Baustellen in Liestal sind auch Zeichen des Fortschritts.»

«Die Baustellen in Liestal sind auch Zeichen des Fortschritts.»

Frühestens ab 2025 folgt in Liestal Nord die zweite Etappe: Die Gerberstrasse – die Fortsetzung der Rebgasse – und die anschliessende Gestadeck-Kreuzung werden saniert. Dieses Projekt sei aber noch nicht rechtskräftig, sagt Wassmer. Und Stadtbaumeister Noack meint: «Die Baustellen werden in Liestal nicht so schnell verschwinden. Sie sind auch Zeichen des Fortschritts und der Stadtentwicklung.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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