Pionierarbeit

Neue Idee: Kollektoren in Basler Strassen sollen Energie liefern

In den Niederlanden gibt es bereits Radwege mit eingebauten Kollektoren.

In beiden Basler Halbkantonen soll geprüft werden, ob «heisse Strassen» machbar sind – sie hätten nationalen Vorbildcharakter. Je nach Jahreszeit könnten die Strassen so auch gekühlt oder gewärmt werden.

Ein technologisches «Entwicklungsland» sei die Schweiz, sagte Gemeinderat Jürg Niederhauser vor zwei Jahren. Damals lehnte die Zürcher Gemeinde Wallisellen nur haarscharf ein Pilotprojekt zum Einbau von Asphaltkollektoren in Gemeindestrassen ab. Es hätte ein Vorzeigeprojekt mit nationaler Ausstrahlung werden können.

Mit der gewonnenen Energie sollen die Strassen im Sommer gekühlt und im Winter geheizt werden. In den Niederlanden, wo seit Jahren solche Systeme bestehen, werden damit auch die an die Strassen angrenzenden Häuser geheizt.

Nun erhält die Idee, mit heissem Asphalt Energie zu gewinnen, neuen Aufwind. In den beiden Basel werden diese Woche zwei identische Vorstösse zur Machbarkeit eines hiesigen Pilotprojekts eingereicht.

Er strebe ein «innovatives Pilotprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung» an, sagt der Baselbieter SP-Landrat Jan Kirchmayr, der den Vorstoss einreichen wird. Wahrscheinlich würde sich eine Baselbieter Strasse aufgrund der Bodenbeschaffung besser eignen als eine auf Basler Stadtgebiet, so Kirchmayr.

Innovation begrüsst: Bund zeigt Interesse

Dennoch zieht seine Basler Parteikollegin Lisa Mathys beim Projekt mit. «Wir sollten bei neuen Technologien mit grossem Potenzial über die Kantonsgrenze hinweg denken», sagt sie. «Alle wollen mehr Innovation. Wir sollten dem Projekt eine Chance geben, um mehr Praxis zu sammeln.» Vorbild der Basler Koproduktion ist ein Vorstoss aus Zürich.

Das gleiche Anliegen portierte vor zwei Wochen der SP-Kantonsrat Felix Hoesch in die dortige Regierung. Die Projektidee stösst auf nationaler Ebene auf offene Ohren. «Wir sind gespannt, welche Ergebnisse ein derartiges Pilotprojekt liefern würde», sagt Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra), «es ist eine bestechende Idee, Wärme in Energie umzuwandeln.»

Der Bund begrüsse ein kantonales Pilotprojekt und verfolge dieses mit Interesse: «Eventuell könnte man das Projekt dann auf die Autobahnen ausweiten.» Für ein Pilotprojekt brauche es vorab aber entsprechende Überlegungen zur praktischen Umsetzung.

So funktioniert die Wärmegewinnung über eine feine Leitung unterhalb der Strasse, durch die Wasser fliesst. Um diese zu verlegen, seien wohl tiefe Grabungen nötig, so Rohrbach. «Es würde sich um einen grossen Aufwand handeln.»

Hohe Kosten befürchtet: Basel bleibt skeptisch

In den betroffenen Kantonen ist die Skepsis gross. Die Anforderungen an den Untergrund seien hoch, im Strassenbelag zudem häufig Werkleitungen vorhanden, schreibt Catia Allemann, Sprecherin der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion.

Durch die hohen Investitions- und Betriebskosten sei nicht an eine wirtschaftliche Energiegewinnung zu denken. «Grundsätzlich steht das Tiefbauamt neuen Ideen positiv gegenüber, sofern diese sinnvoll und wirtschaftlich tragbar sind», schreibt Allemann.

Ähnlich klingt es in der Stadt. Die Kosten seien «vermutlich nicht gering», schreibt Matthias Nabholz vom Amt für Umwelt. Auch die Speicherung der Energie im Grundwasser dürfte hier schwieriger sein als in den Niederlanden, die weitgehend unter dem Meeresspiegel liegen. Zurzeit sei die Idee wirtschaftlich wohl schwierig umzusetzen.

Eine Einschätzung, der Kirchmayr widerspricht. «Das System lohnt sich finanziell bereits deswegen, weil der Strassenbelag rund 40 statt 20 Jahre lang hält, weil er im Sommer nicht weich und im Winter nicht spröde wird», schreibt er in seinem Postulat.

Er geht von Mehrkosten von 15 Prozent aus. Von den Kosten abgesehen wäre der Stadtkanton denn auch offen: «Grundsätzlich begrüssen wir zukunftsorientierte Gedanken», so Nabholz. «Wer weiss, was technisch noch alles möglich sein wird ...»

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