Wie kann das Läufelfingerli attraktiver und so die Fahrgastzahl erhöht werden? Nach dem deutlichen Nein des Baselbieter Volks zur Stilllegung der Bahnlinie durchs Homburgertal steht diese Frage im Zentrum. Die Bau- und Verkehrsdirektorin Sabine Pegoraro erklärte sich nach verlorener Abstimmung im Interview kurzerhand für nicht zuständig. «Ist das meine Aufgabe?», antwortete sie auf die Frage der bz, was sie nun zur Attraktivitätssteigerung der S-Bahnlinie 9 tun werde.

Das Verhalten der FDP-Magistratin sorgt bei den Gegnern der Stilllegung für Empörung: «Es geht nicht an, dass sich die Hauptverantwortliche des Geschäfts so äussert», sagt Läufelfingens Gemeindepräsident Dieter Forter. Die Gemeinden im Homburgertal würden gerne mithelfen, nun Lösungen zu erarbeiten. «Aber das ist nicht allein unsere Pflicht. Die Chefin muss mit an Bord», sagt Forter. Der Buckter Gemeindepräsident Peter Riebli (SVP) hat sich in der Läufelfingerli-Debatte stets moderat verhalten. An die Adresse Pegoraros sagt er: «Ich erwarte von ihr zumindest, dass sie nun unsere Anregungen für den künftigen Betrieb der S 9 aufnimmt.»

Anregungen gibt es auf Seite der Gegner zuhauf. Sie wollen nun Druck machen beim Kanton. Gleich sieben Vorstösse für ein besser genutztes Läufelfingerli wird die SP am Donnerstag im Landrat einreichen. Die Buckter Landrätin Sandra Strüby fordert mit einer Motion – dem verbindlichsten Instrument im Ratsbetrieb –, dass der Geltungsbereich des U-Abos auf der S9-Linie bis Olten ausgedehnt wird. Damit würde die Fahrt über die heutige Grenze des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) für Pendler und jene, die nach Olten zum Einkaufen fahren, wesentlich günstiger. Strüby rechnet mit einem starken Zuwachs bei den U-Abo-Verkäufen im Homburgertal. Gleichzeitig würde der Kostendeckungsgrad der S 9 «massiv verbessert». Das ist bitter nötig: Dieser liegt aktuell bei 20 Prozent; fällt er nur um einen Prozentpunkt, so droht der Kanton Bundesbeiträge von 730 000 Franken pro Jahr zu verlieren.

S 9 bis Basel durchbinden

Bereits am Abstimmungssonntag diskutiert wurde eine bessere Einbindung der S 9 ins S-Bahnnetz. Der Gelterkinder SP-Landrat Martin Rüegg verleiht dieser Forderung nun mit einem Postulat Nachdruck. Demnach soll der Kanton prüfen, die S 9 bis nach Basel durchzubinden; denkbar wäre laut Rüegg auch, die Linie über Olten hinaus Richtung Zofingen oder in den Raum Solothurn zu verlängern. Für eine solche Durchbindung wären allerdings bauliche Anpassungen in Sissach und wohl auch in Olten nötig. Dasselbe fordert die Birsfelder EVP-Landrätin Sara Fritz in einem Postulat, wie sie auf Anfrage verrät. Regierungsrätin Pegoraro betonte am Sonntag, dass der Bund entsprechende Investitionen kaum in den Bahnausbauschritt Step 2030/ 2035 aufnehmen werde.

Grünen-Landrätin Florence Brenzikofer gibt zu bedenken, dass die Forderung nach einer Durchbindung der S 9 nach Basel einst von den Nordwestschweizer Kantonen selbst – darunter Baselland – beim Bund deponiert worden sei. Dass dieser das Begehren angesichts der unsicheren Zukunft der S 9 nicht in seinen Entwurf für den Step 2030/ 2035 aufgenommen habe, erstaune wenig. Der Bundesbeschluss befinde sich noch bis im Januar in der Vernehmlassung, gibt Brenzikofer zu bedenken. Der Kanton könnte gegenüber dem Bund zumindest manifestieren, dass Investitionen zugunsten der S 9 gewünscht sind.

Zur Attraktivitätssteigerung fordert Landrätin Strüby ferner eine Änderung der Abfahrtszeiten in Sissach und Olten. Derzeit fahren die Züge jede Stunde um :31 in Sissach und :02 in Olten ab. Dies hat zur Folge, dass ein Pendler mit dem Schnellzug von Basel kommend das Läufelfingerli in Sissach um zwei Minuten verpasst. Mit einer Umkehr des Takts um je eine halbe Stunde könnten die Anschlüsse stark verbessert werden, argumentiert Strüby.

Takt mitten im Tag kehren

Es gibt im heutigen Fahrplan für die S 9 noch ein weiteres Problem: Dieser garantiert am Morgen für die Pendler aus dem Oberbaselbiet Richtung Mittelland in Olten gute Anschlüsse; am Abend auf dem Nachhauseweg sind die Verbindungen hingegen schlecht. Peter Riebli bringt einen fast schon revolutionären Vorschlag ins Spiel: den asymmetrischen Fahrplan. Demnach sollen am Nachmittag die Takte auf der S 9 umgestellt und den Bedürfnissen der Pendler in der Hauptrichtung angepasst werden. Auf der S 9 sei es nicht zwingend, dass die Züge von morgens bis spätabends zur selben Zeit abfahren, sagt Riebli.

Bei der Ausgestaltung des öV-Angebots wird der Landrat nochmals über das Läufelfingerli debattieren, Dabei wird’s auch darum gehen, jene, welche die S 9 stilllegen wollten, zu überzeugen. Gefragt sind auch Kompromisse. Peter Riebli, der für die SVP im Landrat politisiert, könnte sich vorstellen, auch über eine Ausdünnung des Fahrplans an Wochenenden oder zu Randzeiten zu diskutieren, um Kosten zu sparen. «Wir müssen nun alles dafür tun, dass das Bähnli eine Zukunft hat», sagt er.