Individualsport boomt

Neue Studie zeigt: Das Baselbiet ist so sportlich wie nie zuvor

Studienleiter Markus Lamprecht, Sportamtleiter Thomas Beugger und die Baselbieter Sportdirektorin Monica Gschwind stellen im Landratssaal in Liestal die Ergebnisse der Sportstudie 2020 vor. Die meisten Ergebnisse sind überaus erfreulich.

Studienleiter Markus Lamprecht, Sportamtleiter Thomas Beugger und die Baselbieter Sportdirektorin Monica Gschwind stellen im Landratssaal in Liestal die Ergebnisse der Sportstudie 2020 vor. Die meisten Ergebnisse sind überaus erfreulich.

Eine neue Studie weist einen Boom bei den Individualsportarten aus, zeigt aber auch verschiedene Problemfelder auf.

Vieles mag eher gesellschaftlichen Trends als spezifischen kantonalen Bemühungen geschuldet sein. In vielem unterscheidet sich die Entwicklung im Baselbiet kaum vom gesamtschweizerischen Bild. Dennoch sind die Ergebnisse der am Montag präsentierten Studie «Sport im Kanton Basel-Landschaft 2020» erfreulich. Erfreulich und zudem eine schöne Bestätigung für die Arbeit des überdurchschnittlich engagierten Teams rund um Sportamtsleiter Thomas Beugger.

«Die Sportbegeisterung der Bevölkerung im Baselbiet ist gross», bringt Studienleiter Markus Lamprecht vom Schweizer Sportobservatorium die übergeordnete Erkenntnis auf den Punkt. 85 Prozent der über 15-Jährigen treiben zumindest ab und zu Sport. Mehr als die Hälfte der Baselbieterinnen und Baselbieter investiert sogar wöchentlich über drei Stunden in sportliche Bewegung. Jene Gruppe mit 15 Prozent, die gar keinen Sport treibt, hat im Vergleich zur Studie von 2014 um 9 Prozentpunkte abgenommen.

Grundpfeiler dieser Sportbegeisterung ist der Gesundheits- und Fitnessgedanke

Nur ein Fünftel der Baselbieter Sportlerinnen und Sportler nimmt an Wettkämpfen und Meisterschaften teil, für den überwiegenden Rest ist das Naturerlebnis wichtiger. Gute Noten erhalten die kantonalen Sportangebote und die Sportförderung.

Basis dieser Schlüsse ist eine Telefon- und Onlineumfrage im vergangenen Jahr, an der sich in Baselland 856 Personen zwischen 15 und 74 Jahren beteiligt haben. Die Angaben gelten als repräsentativ, wenngleich sie den Zustand vor der Coronapandemie zeichnen, wie Studienleiter Lamprecht bei der Vorstellung im Landratssaal in Liestal betont. Weitere Punkte, die auffallen, sind folgende:

Beliebteste Sportarten

Zuoberst auf der Baselbieter Hitliste stehen (Berg-)Wandern, Radfahren (ohne Mountainbike), Schwimmen, Skifahren und Jogging/Laufen. Diese Individualsportarten werden von zwischen 54 und 26 Prozent aller sportlich Aktiven betrieben. Wobei Aktive im Durchschnitt 4,4 unterschiedliche Sportarten ausüben und somit ausgesprochen polysportiv sind. Mit diesen sportlichen Vorlieben folgt Baselland exakt dem gesamtschweizerischen Trend. Studienleiter Lamprecht nennt diese beliebtesten Sportarten darum scherzhaft den «helveti-
schen Fünfkampf».

Aufsteiger ...

Im Vergleich zu 2014 hat Wandern an Beliebtheit sogar zugenommen (+6,5 Prozentpunkte). Weitere Aufsteiger unter den beliebtesten Sportarten sind Yoga (13,8%/+5,0), Krafttraining (13,3%/+7) und Tanzen (12,9%/+4,9). «Lifetime-Sportarten sind besonders beliebt», folgert Lamprecht.

... und Absteiger

Nur wenige Sportarten haben im Vergleich zur Umfrage von 2014 signifikant an Beliebtheit verloren. Trotz Sportboom werden Turnen und Gymnastik «nur» noch von 11,0 Prozent (–2,0 Prozentpunkte) und (Nordic) Walking von 7,6 Prozent (–3,5) der Baselbieter Bevölkerung ausgeübt. Gleichwohl gehören beide Sportarten zu den 12 beliebtesten Aktivitäten im Landkanton.

Besonderheiten

Wo weicht das sportliche Baselbiet vom gesamtschweizerischen Trend ab? Für Sportdirektorin Monica Gschwind «besonders erfreulich» ist, dass die Frauen in den vergangenen Jahren in allen Altersgruppen deutlich aktiver geworden sind und nun sogar die Männer überholt haben. 53 Prozent aller Baselbieterinnen treiben mehr als drei Stunden wöchentlich Sport, 19 Prozent mindestens während zwei Stunden. Bei den Männern sind es 50 respektive 21 Prozent. Besonders sportlich sind die jungen Baselbieterinnen zwischen 15 und 29 Jahren.

Vereine

Eine weitere, ebenso positive Ausnahme zur Restschweiz ist im Baselbiet die anhaltend hohe Verbundenheit zu den Vereinen. Zwar ist die Aktivmitgliedschaft im Verein im Vergleich zu 2014 von 21 auf 18 Prozent gesunken, dafür die gleichzeitige Mitgliedschaft in Verein und Fitnesscenter von 4 auf 7 Prozent gestiegen.

Unter dem Strich ist ein Viertel der Baselbieter Bevölkerung in einem Sportverein aktiv. Nicht minder beeindruckend ist das ehrenamtliche Engagement: Jedes dritte Vereinsmitglied übernimmt ein «Ämtli» im Verein, auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet sind das 10 Prozent. Sportamtsleiter Thomas Beugger macht dafür insbesondere die hohe gesellschaftliche Verankerung von Dorfvereinen und ihre Bedeutung für das soziale Leben verantwortlich.

Teamsportarten

Die Individualsportarten boomen, doch was ist mit den traditionellen Teamsportarten? Diese haben es bei den über 15-Jährigen deutlich schwerer, auch im Vergleich zu den ländlichen Turnvereinen. Selbst Fussball, mit 8,3 Prozent Aktiven der beliebteste Teamsport, musste gegenüber 2014 einen leichten Rückgang verbuchen (–0,7 Prozentpunkte).

3,5 Prozent geben (Beach-) Volleyball als ihren Sport an (–0,3), 2,7 Prozent Basketball (+0,4), 1,4 Prozent Unihockey (–0,3), 1,1 Prozent Handball (+0,1) und 0,6 Prozent Eishockey (–0,4). Zu den grössten Alltagsproblemen dieser Sportarten zählen der hohe Bedarf und die Rekrutierung ausgebildeter Trainerinnen und Trainer.

Nichtsportler

Mit je 25 Prozent stellen die ausländische Wohnbevölkerung und Geringverdiener den grössten Anteil jener, die nie Sport treiben. Zwischen 30 und 44 Lebensjahren lässt die sportliche Aktivität am stärksten nach, um danach wieder anzusteigen. Dieses Nachlassen ist meist auf Familiengründungen und die berufliche Belastung zurückzuführen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1