Marketing

Neues bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank: Die Ära Beat Oberlin wird entsorgt

Der grosse Coup mit der BKB ist dem BLKB-Chef John Häfelfinger nicht geglückt.

BLKB-Chef John Häfelfinger ist auf der Suche nach der richtigen Strategie und bricht mit der Vergangenheit.

John Häfelfinger war ein erfolgreicher Banker der Credit Suisse. Seit Anfang 2017 ist er Direktor der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Der gesellschaftliche Aufstieg kompensierte den finanziellen Verzicht. Sein Anspruch ist es, die Kantonalbank zu prägen. Darüber kommuniziert er intensiv nach allen Seiten. Selbst das Logo der Staatsbank soll künftig in Form einer Sprechblase gehalten sein.

Doch nicht immer kommt Häfelfinger mit seinen Botschaften an. Gegen das neue Logo hat jedenfalls der Verband Schweizerischer Kantonalbanken beim Markenregister Beschwerde eingereicht. Die unkonventionelle Umrandung verstosse gegen die Designvorschriften, berichtete die «Handelszeitung».

Die BLKB verkauft ihre Swissquote-Beteiligung

Mit der Präsentation des neuen Markenbildes hätte der Machtwechsel an der Spitze der Kantonalbank für alle sichtbar werden sollen. Denn noch immer schwebt der Geist des langjährigen Direktors Beat Oberlin über der Bank. Dass die Restanzen entsorgt werden, zeigt sich an einem anderen Beispiel: Die BLKB stösst ihre Beteiligung am Finanzdienstleister Swissquote ab. Dies bestätigt die Bank auf Anfrage. Sie habe «ihre Finanzbeteiligung strategisch neu beurteilt» und den Entscheid gefällt, diese zu veräussern. Aktenkundig wurde dies lediglich, als der BLKB-Anteil auf 2,99 Prozent und damit unter die meldepflichtige 3-Prozent-Marke fiel.

Dabei galt das Swissquote-Engagement vor acht Jahren als Meilenstein. Es sollte nicht nur den Markt überregional öffnen, sondern auch Einstieg in die digitale Welt sein. Der Deal: Die BLKB beteiligt sich und ist dafür exklusiver Hypotheken-Partner. Hausbesitzer, die bei Swissquote eine Online-Hypothek aushandeln, landen bei der BLKB. In den ersten fünf Jahren konnte die Kantonalbank auf diesem Weg 860 Millionen Franken an Neuhypotheken generieren. Seither ist das Wachstum abgeflacht, obwohl die Bank weitere Vertriebswege für E-Hypotheken öffnete. Dreiviertel der Abschlüsse erfolgten ausserhalb der eigenen Region.

Auch der Wissenstransfer blieb überschaubar. Oberlin stieg 2016 zwar in den Swissquote-Verwaltungsrat auf, wurde aber nicht von Häfelfinger abgelöst, als dieser BLKB-Chef wurde. Das Amt sei an die Person Oberlin gebunden, sagt die BLKB nun auf Anfrage.

Die Beteiligung hatte jedoch zwei Väter: Beat Oberlin und Klaus Kirchmayr, grüner Landrat und Partner bei der Beratungsfirma Millennium Associates. Die Bankspezialistin hat in der Person von Kirchmayr verschiedentlich für die BLKB gearbeitet. Dies war einerseits kein Geheimnis, andererseits wollen es viele Landräte nicht gewusst haben.

Zwei Entwicklungen sind nun zeitlich zusammengefallen: Während die BLKB ihre kommunikativen Neuerfindung vorbereitete, inszenierte der Finanzpolitiker Kirchmayr kurz vor der Sommerpause im Landrat den grossen Auftritt und warnte vor einem schleichenden Abstieg der Kantonalbank. Er möchte die Strategie der Bank in der Finanzkommission diskutiert wissen. Der Attacke folgte der Gegenschlag: Kirchmayr kritisiere die Bank nur, weil er keine Aufträge mehr erhalte, wurde Journalisten zugeflüstert. Gravierender: Kirchmayr habe seinen Interessenskonflikt als BLKB-Berater und Finanzpolitiker verheimlicht. Mittlerweile ist die Affäre im Büro des Landrats gelandet.

Das Fusionsprojekt mit der BKB war vorangeschritten

Häfelfinger mag sich den Wandel der BLKB von der grundseriös-langweiligen Oberlin-Bank zur perspektivenreichen Häfelfinger-Bank auch anders vorgestellt haben. Doch sein grosses Projekt ist gescheitert: die Annäherung an die Basler Kantonalbank (BKB).

Was der Branchendienst «Inside Paradeplatz» vor Jahresfrist kolportierte, bestätigen nun Bankinsider: Das Projekt, die rückwärtigen Dienste der Finanzinstitute in einer Firma zu bündeln, sei weit vorangeschritten gewesen. Es hätte die Vorgeschichte zu einer vollständigen Zusammenlegung der sich gut ergänzenden Kantonalbanken werden können. Während Häfelfinger die Rückendeckung gehabt habe, sei sein damaliges BKB-Pendant Guy Lachapelle in einer späten Phase aber zurückgepfiffen worden. Was blieb, war ein Scherbenhaufen. Statt wie vorgesehen im Team führt Häfelfinger nun allein das Präsidium der Basler Bankiervereinigung.

Die Basler Kantonalbank reagierte mit einer forcierten Integration der Bank Cler in ihre Konzernstruktur. Häfelfinger bleiben vorerst nur die kleinen Schritte: Das Versicherungsgeschäft hat er zum Versuchsfeld erkoren. Provokant, aber ohne weitere Bedeutung ist die BLKB-Filiale, die im Herzen der Stadt eröffnet wird. Der verordnete interne Kulturwandel gipfelt in der Abschaffung der Krawattenpflicht. Er setzt auf Marketing, ein neues Logo und auf viel Kommunikation. Auch wenn die Botschaften nicht immer ankommen.

Autor

Christian Mensch

Meistgesehen

Artboard 1