Gemeindeversammlung

Neues Quartier: Laufen will im Zentrum wachsen

Das Gebiet Nau an bester Lage mitten in Laufen liegt brach. Das soll sich ändern. Kurt Hamann

Das Gebiet Nau an bester Lage mitten in Laufen liegt brach. Das soll sich ändern. Kurt Hamann

Laufen nimmt das grösste Entwicklungsprojekt seiner jüngeren Geschichte in Angriff: Im Gebiet Nau – direkt an der Birs, unweit von Altstadt und Bahnhof – soll in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren ein neues Quartier mit 230 Einwohnern und 170 neuen Arbeitsplätzen entstehen.

Die Gemeindeversammlung hat am Donnerstagabend mit ihrem Ja zu Änderungen an Strassennetzplan, Zonenplan und Zonenreglement sowie zum Projektierungskredit von 450000 Franken den Startschuss gegeben. An der von über 300 Stimmberechtigten besuchten Gmeini war gar von einem «Jahrhundertprojekt» für das 5500-Einwohner-Städtchen die Rede.

Zoff wegen Brücken-Verlegung

Dass das grösstenteils brachliegende Gebiet in Wert gesetzt werden soll, ist in Laufen grundsätzlich kaum bestritten. Dennoch wurde an der Gmeini Widerstand gegen die Pläne des Stadtrates laut. Grund ist die Verlegung der Naubrücke einige Dutzend Meter birsabwärts. Die bestehende Brücke muss wegen Hochwasserschutzmassnahmen ersetzt werden. Mit der Verlegung von Brücke und Zufahrt kann das Planungsgebiet besser arrondiert werden. Wegen der neuen Verkehrsführung entlang des Bahndamms (siehe Illustration rechts), ergibt sich an der Baslerstrasse eine neue Kreuzungssituation. Etliche Anwohner befürchten eine Zunahme des Verkehrs und des Lärms.

Das neue Wohn- und Arbeitsgebiet Nau (weiss) zwischen Amthaus, Altem Schlachthaus und Eishalle soll das Stedtli (links) funktional ergänzen.

Das neue Wohn- und Arbeitsgebiet Nau (weiss) zwischen Amthaus, Altem Schlachthaus und Eishalle soll das Stedtli (links) funktional ergänzen.

«Bauen wir die neue Brücke doch am alten Standort, dann gibt es keine Verlierer», forderte eine Anwohnerin. Stadtpräsident Alex Imhof (CVP) hielt entgegen, dass die Verkehrsbelastung gleich gross sei – egal, wo die neue Brücke zu liegen komme. Auch FDP-Landrat Rolf Richterich sprach sich für eine Verlegung aus. Eine neue Verkehrsführung sei im Hinblick auf die Kernumfahrung die bessere, für die Stadt verträglichere Variante. Die Stimmberechtigten genehmigten die Änderungen des Strassennetzplans mit 184 zu 117 Stimmen letztlich relativ deutlich. Noch eindeutiger fiel das Verdikt zu Zonenplan und -reglement und zum Projektierungskredit aus.

Bau- und Planungskommissionspräsident Peter Jäckle verwies zuvor darauf, dass die schwierige Topografie Laufen wenige Möglichkeiten zur Erweiterung des Wohnraums lasse. Eine der letzten sei das Gebiet Nau. Imhof betonte, dass das neue Quartier keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zum Stedtli darstellen werde. So sind in dem Gebiet etwa keine Läden vorgesehen, Büroflächen hingegen schon. Auch Richterich, der die Politik des Stadtrates oft kritisiert, lobte die zukunftsgerichtete und massstäbliche Planung. Im Wohn- und Arbeitsgebiet sollen nirgends höher als fünfgeschossig gebaut werden. Nichtstun sei keine Option, sagte der ehemalige Gemeindeversammlungspräsident Martin Tschan. «Es hat niemand eine Alternative präsentiert.» Bei einem Nein gingen für die Stadt Millionen verloren.

Verkauf brächte 17 Millionen

Damit meinte Tschan: Die Stadt ist Eigentümerin von 10'000 Quadratmeter Land auf dem Areal des ehemaligen Baugeschäfts Steiner, das heute weitgehend brach liegt. 5 Millionen Franken investierte Laufen vor zehn Jahren in den Kauf des Areals, um dort öffentliche Einrichtungen zu bauen. Dazu kam es nicht. Ein Verkauf dieses Areals sowie weiterer Flächen brächte Einnahmen von 17 Millionen, rechnete Imhof vor. Wird das Land behalten und im Baurecht abgegeben, so resultieren jährliche Einnahmen von 450 000 Franken, das entspricht drei Steuerprozenten. Zudem soll alleine die erste Etappe zwischen Kulturzentrum Schlachthaus und Eishalle zusätzliche Steuereinnahmen von 240 000 Franken pro Jahr generieren. Damit wäre Laufen die gröbsten Sorgen los.

Zunächst muss Laufen allerdings investieren: 12.85 Millionen Franken sind veranschlagt, um die Naustrasse zu verlegen, zwei neue Brücken zu bauen, die Bahnunterführung Schliffweg zu verbessern und Parkplätze zu erstellen. Neben dem Ersatz für die Naubrücke gibt es einen neuen Birsübergang für Fussgänger und Velofahrer, der das Alte Schlachthaus mit dem Stedtli verbindet. Vom erwähnten Betrag trägt die Stadt 8.45 Millionen, der Rest kommt vom Kanton und vom Agglomerationsprogramm des Bundes. Sämtliche Ausführungskredite sowie die Quartierpläne müssen nochmals vor die Gemeindeversammlung. Kommentar rechts

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1