Strafgericht

Neun Jahre Gefängnis für den K.o.-Tropfen-Räuber

Der Räuber betäubte seine Opfer, indem er K.o-Tropfen in ire Getränke schüttete.

Der Räuber betäubte seine Opfer, indem er K.o-Tropfen in ire Getränke schüttete.

Wegen mehrfachen Raubes muss ein 39-jähriger Mann für neun Jahre ins Gefängnis. Er hatte mehrere Männer mit K.o.-Tropfen betäubt und beraubt. 2010 ist eines der Opfer in Oberwil dabei gestorben. Vom Mordvorwurf wollte das Gericht hingegen nichts wissen.

Keine Tötungsabsichten, kein Eventualvorsatz: Die fünf Richter stutzten im Fall des Mannes mit den K.o.-Tropfen (die bz berichtete) den Antrag der Staatsanwaltschaft gewaltig herunter: Diese hatte eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren wegen Mordes verlangt.

Auch eine Verurteilung wegen eines besonders schweren Falles des Raubes lehnte das Gericht ab: Das Bundesgericht habe die Schranken für diesen sogenannten qualifizierten Tatbestand sehr hoch gelegt, erläuerte Gerichtspräsident Adrian Jent gestern.

Dass eines seiner Opfer sterben werde, habe der Angeklagte nicht vorhersehen können, befand das Gericht. Der Tod war eingetreten, weil das 46-jährige Opfer bereits über zwei Promille Blutalkohol intus hatte, an den Nachwirkungen einer Lungenentzündung litt und der Angeklagte ihm einige Tropfen des Benzodiazepins «Dormicum» ins Bier geschüttet hatte.

Kein Mord, nur fahrlässige Tötung

Der Fall hatte an Weihnachten 2010 für Aufsehen gesorgt, weil es sich beim Opfer um den in Sportkreisen bekannten Daniel Bättig des SC Binningen handelte. Der Angeklagte wurde nach seiner Flucht in Tschechien verhaftet und schliesslich in die Schweiz ausgeliefert. Bereits zuvor hatte er einen Wirt in Zürich betäubt und ausgeraubt, dieser kam nach einigen Stunden wieder zu sich.

Das Strafgfericht kam zu einer Verurteilung wegen mehrfachen Raubes sowie einer fahrlässiger Tötung. «Der Verurteilte betätigt sich offenbar sie Jahren international als eigentlicher Berufsverbrecher, sofern er nicht gerade im Strafvollzug sitzt», resümierte Adrian Jent. Er mache sich regelmässig im Homosexuellenmilieu an seine Opfer heran, um sie zu betäuben und dann auszurauben. Die erhöhte Risikobereitschaft und Leichtfertigkeit in diesem Milieu führte laut Jent allerdings auch zu einer leichten Strafmilderung für den Angeklagten, auch diese Logik sei vom Bundesgericht vorgegeben.

Indizienkette nicht geschlossen

Unklar blieb, weshalb das Opfer mit dem Kissen auf dem Kopf aufgefunden worden war. Dass der 39-Jährige sein betäubtes Opfer in Oberwil mit dem Kissen erstickt habe, sei möglich, aber die Indizienkette sei nicht geschlossen. «Somit bleibt es bei Spekulationen, und diese haben im Strafrecht nichts zu suchen», meinte Jent.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Allerdings muss sich der Mann früher oder später noch in Österreich verantworten, er hatte bereits zugegeben, in Linz einen Wirt betäubt zu haben. Sollte er künftig weitere Raubtaten begehen, droht ihm die Verwahrung.

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