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Nicht nur Politiker, auch die Fasnacht hat ein «Gnuusch»

In Allschwil ist der Waggis in einer Chaise unterwegs. bz-Archiv

In Allschwil ist der Waggis in einer Chaise unterwegs. bz-Archiv

Die Fasnachtslandschaft in beiden Basel ist kompliziert. Die einen feiern zum katholischen Datum, die anderen zum reformierten. Das Chaos der Termine spielt bei der Sujetwahl keine Rolle. Hier sind der Originalität keine Grenzen gesetzt.

Die Herren sind den Bauern voraus mit Festen – das jedenfalls suggerieren die Fasnachtstermine in der Region. Während die Herrenfasnacht am Schmutzigen Donnerstag beginnt, hängt die Bauernfasnacht hintendrein. Das hat jedoch nichts mit unterschiedlicher Festfreude zu tun, sondern damit, dass die einen den katholischen Termin beachten, die anderen hingegen den reformierten.

Auf die Region gemünzt bedeutet das grob gesagt: Alle Gebiete im Kanton Baselland, die historisch zum Fürstbistum Basel gehörten, feiern Fasnacht zum katholischen Termin, also Birseck, Leimental und Laufental, hinzu kommen die solothurnischen Bezirke Dorneck und Thierstein. Der Fasnachtstermin ist in den Tagen vor Aschermittwoch, heuer der 5. März.

Viele politische Sujets

Die anderen Gemeinden des Kantons Baselland hingegen waren Untertanengebiet der reformierten Stadt Basel, und deswegen findet die Fasnacht im oberen Kantonsteil zu einem späteren Termin statt, nämlich nach Aschermittwoch.

Noch verwirrender ist, dass die Basler Fasnacht am Montag nach Aschermittwoch beginnt – und deswegen ironischerweise nicht zur Herrenfasnacht gehört, wie das aus historischer Sicht durchaus logisch wäre, sondern zur Bauernfasnacht.

Keine Rolle spielen die Fasnachtstermine bei den Sujets in diesem Jahr, wie eine kleine Auswahl zeigt. Bei den Abzeichen sticht auf jeden Fall Ettingen heraus. Es nimmt sich auf humorvolle Weise den Honorar-Affären in den beiden Basel an. «Mir hän ä Gnuusch», lautet das Motto. Gemeint sind aber nicht nur Regierungsräte und ihre Probleme mit Honoraren, sondern auch die «niederen» Leute, die den ganz normalen Wahnsinn des Alltags bewältigen müssen – und dabei hoffentlich den Humor nicht verlieren. Hergestellt haben die «Gnuusch»-Abzeichen wie immer freiwillige Helferinnen in aufwändiger Handarbeit. «Wir sind froh, diese Tradition weiterführen zu können. So lange es möglich ist, wollen wir daran festhalten», teilt die Präsidentin des Fasnachts-Komitees, Claudia Thüring, mit.

Ebenfalls politisch ist das Sujet der Laufner Fasnacht 2014 zu verstehen. Auf der Plakette – wiederum ist sie aus Ton gebrannt – ist ein Waggis zu sehen, der hinter schwedischen Gardinen schmort. Der Kanton hat im vergangenen Sommer das Bezirksgefängnis wieder aktiviert. Elf Plätze hat der Knast auf Zeit – aber «nur» für Kriminaltouristen. Für Ausnüchterungen wird er nicht genutzt. Alle Fasnächtler, die ab und an über die Stränge schlagen, können also beruhigt sein.

Witterswil hebt ab

Nicht in einer Zelle, sondern über den Wolken befindet sich das Fasnachts-Komitee Witterswil. Das Motto «Miir heebe au ab!» bezieht sich auf den ehemaligen Witterswiler Flugplatz. «Jetzt erscht Rächt!», sagen sich die Fasnächtler in Reinach. Das Komitee ging lange davon aus, dass die Fasnacht verkleinert werden muss, da die Hauptstrasse umgebaut wird. Das ist jedoch nicht der Fall – der Umzug findet im gewohnten Rahmen statt. Auf der Plakette hält sich ein Waggis an einer Bagger-Schaufel fest. Zwar werden auch am Umzug ein paar Abschrankungen zu sehen sein – der Fasnachts-Laune einen Abbruch tun wird das aber nicht.

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