Verbot

Nicht ohne mein Handy: Schule testet Smartphone-Verbot in Sommerlager

Weg damit: In den Baselbieter Schulen ist man zunehmend gewillt, strengere Regeln im Umgang mit den Handys einzuführen.

Weg damit: In den Baselbieter Schulen ist man zunehmend gewillt, strengere Regeln im Umgang mit den Handys einzuführen.

Sie können nicht mehr ohne – nun werden die Zwingner Sekschüler auf die Probe gestellt: Ein ganzes Lager ohne Handy. Allgemein: Schulen tendieren immer mehr dazu, den Handy-Konsum einzuschränken. Nicht zuletzt zum Schutz der Schüler.

Die 100 Gramm leichte Entbehrung wird den Zwingner Sekundarschülern schwerfallen: Wenn sie in zwei Wochen ins Sommerlager nach Fiesch und Lenk reisen, müssen sie ihr Smartphone zu Hause lassen. Das bedeutet in der heutigen Zeit faktisch: nicht mehr telefonieren, nicht mehr Musik hören und nicht mehr fotografieren.

«Es gibt immer mehr Schüler, die können sich von den Smartphones kaum trennen. Sie müssen dauernd kontrollieren, was gerade kommentiert wird – darum haben wir jetzt mal zum Mittel des Verbots gegriffen», sagt Werner Rickhaus, Schulleiter der Sekundarschule in Zwingen.

Auch Rickhaus ist sich bewusst, dass ein Handyverbot je länger, je mehr mit einem generellen Verbot von elektronischen Geräten gleichzusetzen ist. Längst sind die Jugendlichen nicht mehr im Besitz von Walk- oder Discmen; Fotoapparate sind ebenfalls durch die digitalen Alleskönner ersetzt worden.

Daher hat die Sekundarschule in Zwingen für Ersatz gesorgt. Die Lehrer nehmen Transistorradios und Musik mit, welche die Schüler im Vorfeld des Lagers auswählen können. Zudem werden Reportageteams zusammengestellt, welche das Sommerlager in den Bergen auf Fotoapparaten festhalten.

Auch Laufen überlegt sich Verbot

Die Sekundarschule Zwingen statuiert mit der strengen Handyregelung ein Exempel. «So streng sind die wenigsten Schulen», sagt Roland Plattner, Generalsekretär der Baselbieter Bildungsdirektion. Zu einem derart einschneidenden Verbot sehen sich auch die meisten Basler Schulen noch nicht veranlasst. Zumindest ist Hans Georg Signer, Leiter Bildung beim Basler Erziehungsdepartement, bisher kein solches Beispiel bekannt. Er zweifelt ohnehin, ob der verordnete Natel-Entzug sinnvoll ist: «Wenn lokal Probleme bestehen, dann könnten Verbote sinnvoll sein, aber ein generalisiertes, flächendeckendes Verbot macht aus Sicht des Erziehungsdepartements nicht Sinn», sagt Signer.

Weder Baselland noch Basel-Stadt kennen eine kantonale Weisung, was den Umgang mit Handys in Schulen angeht. Doch viele Schulleiter klagen: Eine liberale Handhabe sei heute fast nicht mehr möglich, insbesondere bei den Sekundarschülern fehle die Selbstverantwortung. Den Lehrern macht dabei einerseits Bauchweh, dass die Teenies sich ohne Smartphone kaum mehr zu unterhalten wissen. Und auf der anderen Seite bereitet ihnen das Mobbing Sorgen, das sich zunehmend ins Internet verlagert. Dieses sogenannte Cybermobbing wird gerade in den Schullagern oft extensiv betrieben.

Auch die Sekundarschule in Laufen musste sich dem Problem des Cybermobbings stellen. «Bis vor zwei Jahren hatten wir kaum eine Handyregelung», sagt Schulleiter Guido Rabaglio. Verschiedene Fälle von Cybermobbing, die auf dem Schulareal über den Nachrichtendienst Whatsapp verübt worden waren, hätten die Schule aber zum Handeln veranlasst.

Heute kennt die Sek Laufen wie die meisten Schulen ein Handyverbot auf dem Schulareal und natürlich in den Klassenzimmern – in den Lagern hat sich das generelle Verbot noch nicht durchgesetzt. Bisher sind in einzelnen Lagern die Handys nachts eingesammelt worden. Rabaglio will sich aber offen halten, ebenfalls strengere Regeln einzuführen. «Auch wenn ich persönlich immer von Verboten absehe, wenn sie nicht nötig sind: Ich schliesse nicht aus, dass wir im nächsten Schullager im September auch ein solches generelles Handyverbot aussprechen werden.»

Wenn nun der zunehmende Handykonsum immer mehr Regeln nach sich zieht, dann wächst nicht nur der Widerstand der Schüler, sondern auch der Eltern. «Viele fühlen sich nur sicher, wenn sie ihre Kinder jederzeit erreichen können», sagt Rabaglio. Er ist hingegen der Überzeugung, dass viel eher die Handys mit ihrem Zugang zu Pornoseiten und Bildern für die Sekundarschüler selbst eine Gefahr darstellten (siehe Box, unten).

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