Podiumsdiskussion

Nichtangriffspakt zwischen Janiak und Buser im Engel zu Liestal

Am bz-Podium von Donnerstagabend attackierten sich die Ständeratskandidaten Christoph Buser, Hans Furer und Claude Janiak (v.l.) nur selten direkt.

Am bz-Podium von Donnerstagabend attackierten sich die Ständeratskandidaten Christoph Buser, Hans Furer und Claude Janiak (v.l.) nur selten direkt.

Beim Schlagabtausch der Baselbieter Ständeratskandidaten hielt sich Christoph Buser auffällig zurück. Den Umbau des Bruderholzspitals in eine Tagesklinik schätzt er jedoch ganz offen als problematisch ein. Janiak dagegen ignoriert die Kantonspolitik.

Es gab sie durchaus, die direkten Angriffe an diesem Abend in Liestal: «Wenn ich Claude Janiak zuhöre, haben wir in Baselland gar keine Probleme», sagte Christoph Buser etwa bei der Diskussion um den täglichen Stau auf den Baselbieter Strassen und warf seinem Kontrahenten vor, blind zu vertrauen, dass alle beim Bund eingereichten Verkehrsprojekte auch so realisiert würden.

Und Janiak störte sich, dass sich die FDP erdreistet, nach zwei Regierungsratssitzen auch noch den Ständeratssitz zu beanspruchen: «Ich wundere mich, dass dies die SVP zulässt.» Ausserdem zweifelte der amtierende Baselbieter Ständerat Busers Erfahrung als Unternehmer an – und griff den freisinnigen Direktor der Wirtschaftskammer damit in seiner vermeintlichen Kernkompetenz an: «Ich bin auch Unternehmer, habe den Apple-Vertreter Ingenodata gegründet und stand mehr im Wettbewerb als Christoph Buser mit der Wirtschaftskammer.»

Dieser reagierte demonstrativ gelangweilt auf Janiaks Schlüsselargument, im Gegensatz zu Buser unabhängig von Interessenvertretern zu sein: «Ich schäme mich nicht, für was ich mich in der Wirtschaftskammer einsetze. Ich bin aber nicht, wie suggeriert wird, jemand, der Partikularinteressen von irgendwelchen Firmen vertritt. Der Versuch von Herrn Janiak, mich in dieses ‹Abhängigen-Lager› zu tun, wird mit jeder Wiederholung weniger gut.»

Buser wählt Widmer-Schlumpf

Doch diese Zusammenstellung täuscht. Am Ständerats-Podium der bz und des «SRF Regionaljournals» vom Donnerstagabend im Liestaler Hotel Engel präsentierten sich die beiden Spitzenkandidaten Janiak (SP, bisher) und Buser (FDP) grösstenteils erstaunlich handzahm. Am provokativsten war der dritte im Bunde, der Grünliberale Hans Furer. Im Wissen, am 18. Oktober wohl chancenlos zu sein, schreckte er auch nicht vor unpopulären Vorschlägen zurück: «Was soll der Pendlerabzug? Es bräuchte einen Pendlerzuschlag. Ich bin für eine Verteuerung des Verkehrs in der Schweiz.»

Wahrscheinlich war dieser Auftritt eben gerade bezeichnend für den Baselbieter Ständeratswahlkampf 2015. Zeitweise machte es den Eindruck, als ob Janiak und Buser einen Nichtangriffspakt geschlossen hätten. Mehrmals stimmte der Herausforderer der Bürgerlichen Allianz von FDP, SVP und CVP dem Sozialdemokraten explizit zu. Etwa als Janiak darauf hinwies, dass die Schweiz auf auswärtige Pflegekräfte angewiesen sei: «Es ist eine Illusion, dass sich die Schweiz völlig isoliert bewegen kann. Sie soll ein offenes Land sein. Da teile ich die Meinung von Herrn Janiak.»

Buser hat eine Strategie, das ist offensichtlich. Er möchte nicht als bürgerlicher Hardliner dastehen. Unter diesem Licht muss auch die Aussage zur anstehenden Bundesratswahl verstanden werden: «Für mich ist es ein Unding, dass man Bundesräte abwählt», sagte Buser auf die Frage, ob er die von den Bürgerlichen unter Beschuss stehende BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf wiederwählen würde, sollte er im Dezember in Bern sitzen. Er beliess es zwar bei dieser indirekten Antwort, doch die Botschaft war klar.

In ihrer Deutlichkeit dann wieder überraschend war Busers Einschätzung zu den steigenden Gesundheitskosten. Hier äusserte er sich erstmals kritisch zum von den Regierungen beider Basel geplanten Umbau des Bruderholzspitals in eine Tagesklinik: «Wird dies so umgesetzt, dürfte es Probleme geben, sobald die Betten im Basler Unispital voll sind.» Damit stützt er das Bild der letzten Tage, dass sich vor allem die FDP auf das Projekt von SVP-Gesundheitsdirektor Thomas Weber eingeschossen hat.

Janiak ignoriert Kantonspolitik

Janiak dagegen konnte sich in seine Komfortzone zurückziehen und wirkte teilweise uninspiriert. Sogar genervt reagierte er, als er etwas zur Baselbieter Finanzmisere hätte sagen sollen: «In Bern behandeln wir die Baselbieter Finanzpolitik nicht», so sein mehrfacher Hinweis. Am Ende des Abends im Engel bleibt ein Eindruck haften: Buser forderte Janiak nicht wirklich heraus. Ob dies für die Wachablösung im Stöckli reicht, ist fraglich, aber vielleicht ist es die richtige Taktik, um dafür sicher in den Nationalrat gewählt zu werden.

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