Umwelt

Niemand weiss, was der Kampf gegen Müll bringt

Rund um dieses Plakat in Pratteln ist kein Abfall zu sehen. Doch der Erfolg der Anti-Littering-Kampagnen der Gemeinden bleibt weitgehend unklar, weil er sich nicht objektiv bewerten lässt.

Rund um dieses Plakat in Pratteln ist kein Abfall zu sehen. Doch der Erfolg der Anti-Littering-Kampagnen der Gemeinden bleibt weitgehend unklar, weil er sich nicht objektiv bewerten lässt.

Pratteln hats getan und Birsfelden auch: Inzwischen hat fast jede unterbaselbieter Gemeinde eine Kampagnen gegen Littering geführt. Doch was sie damit erreichen, ist kaum messbar.

«Sauber ist tip-top», heisst es neuerdings auf den öffentlichen Abfalleimern in Pratteln. Und auch Birsfelden weist jetzt mit Plakaten darauf hin, dass Abfall liegen lassen nicht nur unschön, sondern auch strafbar ist. Inzwischen hat oder hatte fast jede Gemeinde im Unterbaselbiet eine Kampagne, die für weniger herumliegenden Müll sorgen soll. Meist kommt eine ganze Palette von Massnahmen zur Anwendung: Plakate im öffentlichen Raum, Broschüren, Artikel in den Lokalblättern, aber auch Sensibilisierungsaktionen durch Lehrer und Sozialarbeiter. Einige Gemeinden drohen mit Bussen.

Ob der öffentliche Raum sauberer geworden ist, ist allerdings eine andere Frage. Die Verantwortlichen in den Gemeinden weisen nämlich darauf hin, dass Erfolge in der Littering-Bekämpfung nur in wenigen Bereichen klar quantifizierbar sind. So setzt Muttenz Zivildienstleistende ein, die mit potenziellen Abfallverursachern sprechen. Die Menge des eingesammelten Abfalls sei «stetig kleiner» geworden, schrieb der Gemeinderat letzten Herbst – und wertet das als Erfolg. Und in Binningen gab es schon Überlegungen, den Grad der Verschmutzung des öffentlichen Raums zu erfassen, etwa aufgrund fotografischer Vergleiche mit Standardbildern. «Aber ob es einen Nutzen hat, herumliegende Flaschen und Zigarettenkippen abzubilden, ist stark anzuzweifeln», sagt Daniel Egli, bei der Gemeinde Ressortleiter Umwelt.

«Natürlich können unsere Putzequipen sagen, ob sie mehr oder weniger Abfall auflesen», sagt der Birsfelder Gemeinderat Jürg Wiedemann (Grüne). Doch die Wirkung von Kampagnen zeige sich nicht nur in der Menge des Drecks. So sei zum Beispiel Sauberkeit ein Beitrag zum subjektiven Sicherheitsempfinden der Bürger. Der Prattler Gemeindeverwalter Bernhard Stöcklin nennt ein ähnliches Beispiel: «Wenn Kinder sich beim Spielen nicht verletzen, weil weniger Scherben herumliegen – wie wollen Sie das als Erfolg einer Kampagne bewerten?» Deshalb ist in Pratteln keine systematische Evaluation von «Sauber ist tip-top» geplant. «Es sind eben subjektive Sachen, die den Erfolg ausmachen, und die sind nun mal nicht erhebbar.» Und es sei nicht messbar, wenn die Leute langfristig für Littering sensibilisiert würden.

Wirkung und Kosten unklar

Darauf weist auch Daniel Egli hin, der Ressortleiter Umwelt in Binningen. Seit mehreren Jahren werden dort die Primar- und Sekundarschüler über Fragen rund um Verpackungen, Abfall und Recycling aufgeklärt. Das, so die Hoffnung, werde sie später dazu bringen, ihre Umwelt sauber zu halten. Eine sofortige Wirkung auf den öffentlichen Raum hat das nicht, das weiss man auch in Binningen — erst recht, wenn die Kinder älter werden und ihren Aktionsradius erweitern. Das macht es fast unmöglich, Präventionsarbeit zu bewerten.

«Sie kriegen aber eine Beziehung zur Natur», sagt Egli, für den Littering vor allem eins ist: der Ausdruck einer Werthaltung. Deshalb hält er eine Kosten-Nutzen-Analyse im Littering-Bereich nur bei konkreter Fragestellung für angebracht. Das sieht der Birsfelder Wiedemann anders. Er ist überzeugt, dass sich die Ausgaben gegen Littering auch finanziell lohnen.

Die Gemeinden bewegen sich also mit ihren Anti-Littering-Massnahmen in einem weitgehend unquantifizierbaren Bereich. Und oft ist nicht mal klar, wie viel die Gemeinden dafür ausgeben. In Birsfelden hat sich der Gemeinderat eine Obergrenze von tausend Franken für Plakate gegeben, die laut Wiedemann vermutlich nicht erreicht wird. Dazu kämen einige personelle Mehrkosten in der Verwaltung. Und Stöcklin erklärt, in Pratteln seien die Massnahmen auf verschiedene Ressorts verteilt. Deshalb kann er die genauen Kosten von «Sauber ist tip-top» nur schätzen, auf einen Betrag «im höheren vierstelligen oder tiefen fünfstelligen Bereich».

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