Museum.BL

Niemand weiss, wozu sie dienten: Das Rätsel der Mondhörner

Nackenstütze? Firstziegel? Feuerbock? Das Mondhorn gibt seinen Zweck nicht preis.

Nackenstütze? Firstziegel? Feuerbock? Das Mondhorn gibt seinen Zweck nicht preis.

Das Museum.BL widmet sich Mondhörnern, von denen man immer noch nicht weiss, wozu sie genau dienten.

«Eine Ausstellung mit viel hätte, könnte, sollte», lacht Kurator Andreas Fischer, als er auf dem Rundgang die letzte Vitrine erklärt. Und tatsächlich: Die Sonderausstellung «Mondhörner. Rätselhafte Kultobjekte der Bronzezeit» zeigt etliche spannende Details über Objekte und deren Fundorte – aber die zentrale Frage, wozu Mondhörner verwendet wurden, kann auch die Ausstellung nicht beantworten. Auch nach über 160 Jahren Forschung ist noch nicht bekannt, welchen Zweck Mondhörner in der Spätbronzezeit zwischen 1000 und 800 vor Christus erfüllten. Dazu fehlen schriftliche und mündliche Überlieferungen. Die meisten von ihnen sind aus Ton, wenige aus Stein. Mondhörner sind selbst für Archäologen ein Rätsel. Und weil gemäss Andreas Fischer in der Archäologie das Motto gilt, «was ich mir nicht erklären kann, schaue ich mir als kultig an», werden Mondhörner als Kultobjekte angesehen.

Den Namen haben Mondhörner von ihrer Sichelmond-ähnlichen Grundform und den zwei Hornspitzen, die an Tierhörner erinnern. Die Vielfalt in Grösse, Form und Verzierungen unter den gefundenen Mondhörnern ist beträchtlich. Auch deshalb und weil sonstige Spuren fehlen und die Mondhörner aufgrund ihrer wohl kurzen Brennzeit nicht sehr stabil waren, sind die wenigen Verwendungszwecke, die sich Archäologen hätten vorstellen können, mittlerweile ausgeschlossen worden. «Sie sind wohl weder Nackenstützen für den Schlaf, Firstziegel fürs Dach noch Feuerböcke zum Holz trennen oder Drahtspriesse drüberlegen», erklärt Andreas Fischer. Forscher nehmen aber an, dass der Aberglaube und die Spiritualität beim Einsatz von Mondhörnern eine Rolle gespielt haben könnten. «Wir können uns vorstellen, dass Mondhörner zur Abwehr von bösen Geistern und Seuchen aufgestellt oder aufgehängt worden sind.» Für die Besucherinnen und Besucher wird durch das Unbekannte die Ausstellung zum steten Suchen und Rätseln. Für einmal sind die Archäologen den Laien nicht weit voraus.

Das Mondhorn aus Reinach lag in einer Grube

Die Sonderausstellung arrangierte das Museum.BL in Liestal gemeinsam mit Museen und Kantonsarchäologen in Biel, Zug, Lenzburg und Thurgau. Der Grund, warum sich die fünf Parteien den eigentlich unbekannten Kultobjekten widmen, sind mehrere bedeutende Funde in den vergangenen Jahren. Dazu zählt auch ein sehr gut erhaltenes Mondhorn, das 2018 am Rainenweg in Reinach gefunden wurde.

Weil in Reinach immer wieder historische Gräber entdeckt werden, überrascht es nicht, dass auch das Mondhorn in einer Grube lag und gemäss Kurator Andreas Fischer fast schon «eingebettet, ja beerdigt» schien. Ist dies möglicherweise auch ein Hinweis darauf, dass Mondhörner für die Menschen in der Spätbronzezeit blosse Kultobjekte waren? In der Ausstellung wird das in Reinach entdeckte Mondhorn erstmals öffentlich gezeigt. Mit der abgebrochenen Hornspitze zeigt es eine Spezifität, die bei Mondhörnern immer wieder vorkommt. Haben sie ihre Funktion erfüllt, wurden sie oft zerschlagen oder eine Hornspitze wurde absichtlich abgetrennt.

Ein Grossteil der in der Schweiz und generell im Alpenraum gefundenen Mondhörner wurde in der Nähe von Seen entdeckt, an denen es in der Spätbronzezeit noch Pfahlbauten gab. Doch der Fund in Reinach und auch jener in Sissach am Stadelmattweg von vor wenigen Jahren zeigen, dass Mondhörner auch in Landsiedlungen verbreitet waren.

Das Museum.BL begibt sich so von morgen Sonntag bis am 22. November auf die Spuren eines Rätsels der Urzeit.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1