Duggingen

Niemand will verantwortlich sein – Wer zahlt die Sanierung der undichten Abfalldeponie?

Bei der Dugginger Abfalldeponie geht es nun ums Geld. Die frühere Müllgrube ist sanierungsbedürftig. Klar ist, dass zumindest die Abfälle, die durch die brüchige Deckschicht wieder an die Oberfläche gelangen, entfernt und entsorgt werden müssen.

In Duggingen ist die Verwunderung gross. Dass die frühere Abfalldeponie am Länzberg leckt, war nicht bekannt, jedenfalls wusste niemand auf der Gemeindeverwaltung vom Missstand, und der Gemeinderat war ebenfalls nicht im Bilde. Erst ein Anruf des Kantons habe das geändert, sagt Gemeindeverwalter Christian Friedli. Der Kanton wiederum war von Marco Agostini aufgeschreckt worden, dem Pfeffinger, der seit einiger Zeit freiwillig Sammeltouren unternimmt, um die Wälder im Gebiet Angenstein von Müll zu befreien. Agostini hatte am Länzberg an einer Stelle auffällig viele Gegenstände entdeckt, die dort nicht hingehören: Gitter und gröbere Stangen aus Metall, mehrere Pneus, einen Ski und einen alten Fernseher.

In der Standortgemeinde ist man überzeugt: Nicht sie, sondern der Besitzer des betroffenen Waldstücks muss die Kosten fürs Aufräumen übernehmen. Christian Friedli: «Die Verpflichtung zur Sanierung der Deponie lastet aus unserer Sicht primär auf dem Grundeigentümer.»

Kanton schweigt sich aus

Der Wald, in dem die Deponie liegt, gehört der Bürgergemeinde Aesch. Bei ihr wiederum ist man ganz anderer Meinung als im Nachbardorf: Nicht die Waldbesitzerin müsse für den Schaden aufkommen, sondern die Verursacher, in erster Linie also die Betreiber der einst legalen Deponie. Matthias Preiswerk, der Präsident der Aescher Bürgergemeinde, sagt: «Es handelt sich um eine damals bewilligte Abfalldeponie, die von Aesch und Pfeffingen, eventuell auch von weiteren Gemeinden benutzt wurde. Sie wären als verantwortliche Betreiber laut unserem Rechtsverständnis für die Sanierung zuständig.»

Der Kanton ist daran, herauszufinden, wer welches Material in der Grube abgeladen hat. Bereits am Dienstag teilte das zuständige Amt für Umwelt und Energie (AUE) mit: «Die Voruntersuchung steht an und gliedert sich in eine historische Untersuchung sowie in eine technische Untersuchung.» Nach Abschluss dieser Abklärungen könnten Verursacher- und Betreiberfragen beantwortet werden – soweit sei man aber noch nicht.

Als nächsten Schritt hat das AUE ein Treffen anberaumt. Teilnehmen werden die Standortgemeinde Duggingen, die Bürgergemeinde Aesch sowie weitere Betroffene. Den erweiterten Adressatenkreis gibt das AUE nicht bekannt – es will kein Präjudiz schaffen. Wie das Amt am Dienstag verlauten liess, wird wahrscheinlich verfügt, dass der Müll abgetragen und fachgerecht entsorgt werden muss, zumindest die oberen Schichten.

Diente auch als illegale Deponie

Im Baselbiet gibt es laut AUE eine weitere frühere Abfall-Deponie, wo abgelagertes Material wieder an die Erdoberfläche gelangt. Ein Blick auf das Kataster belasteter Standorte des Kantons Baselland zeigt: Deponien wie jene im Gebiet Länzberg/Lätte existieren im Landkanton dutzende. In fast jedem Ort gab es Stellen, an denen Siedlungsabfälle, Sperrgut und Bauschutt abgeladen wurden.

Das Kataster führt alleine für die Gemeinden im Bezirk Arlesheim drei Dutzend Flächen auf, die zur selben Kategorie gehören wie die lecke Grube in Duggingen: «Ablagerungsstandort, belastet und untersuchungsbedürftig». Ein beliebter Ort zum Müllabladen waren Flussufer. Nur schon in Reinach finden sich fünf Flächen im Uferbereich der Birs.

Matthias Preiswerk sagt, Ablagerungsstandorte könne man in der Regel am Ende von befestigten Strassen finden, die in den Wald hineinführen und abrupt enden – das sei nicht nur in unserer Region so, sondern in der ganzen Schweiz. Er selber habe von der Deponie Länzberg/Lätte gewusst. Der Bürgerpräsident von Aesch erinnert sich: Als er in den späten 80er-Jahren zugezogen sei, habe es an der entsprechenden Stelle im Wald noch geraucht und gerochen. «Die älteren Einwohner von Aesch und Duggingen kennen den Ort. Es galt früher als üblich, Abfall so zu entsorgen – heute denkt man zum Glück anders.»

Diente auch als illegale Deponie

Christian Friedli schreibt, dass die Gemeinde mittlerweile weitere Details recherchiert habe. So reiche die Deponiesohle nicht ins Grundwasser. Am Ende der Benutzungsdauer, im Jahr 1979, sei die Deponie abgedichtet und abgesperrt worden. «Nach der offiziellen Schliessung wurde sie offensichtlich rund ein Jahr als wilde Deponie weiterbenutzt.»

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