Coronavirus

Noch 50 Besucher erlaubt: Baselbieter Kirchen dürfen Gottesdienste abhalten - müssen aber Einlass kontrollieren

Wie während dem Lockdown gibt es in Oberwil Gottesdienste per Livestream. (Symbolbild)

Wie während dem Lockdown gibt es in Oberwil Gottesdienste per Livestream. (Symbolbild)

Trotz verschärfter Corona-Massnahmen dürfen die reformierten und katholischen Kirchen im Baselbiet weiterhin Gottesdienste abhalten. Es gelten aber strenge Regeln: Maximal 50 Besucher, Maskenpflicht und Abstand halten. Auch gesungen wird nicht.

Mit den steigenden Corona-Fallzahlen und den damit verbundenen Einschränkungen steigt auch das Bedürfnis nach Seelsorge. Zugleich zählen viele ältere Kirchgänger zur Risikogruppe und benötigen besonderen Schutz. Eine Gratwanderung für Kirchen und Gläubige. Nach dem Bundesratsentscheid vom Mittwoch gilt für die Kirchen im Baselbiet die 50er-Regel: Im Gegensatz zum Lockdown im Frühling sind Gottesdienste weiterhin erlaubt, dies mit maximal 50 Besuchern, Maskenpflicht und 1,5 Metern Abstand. Kirchenchöre dürfen nicht auftreten, einzelne Musiker schon.

Dass die Gottesdienstbesucher selbst singen, ist nicht explizit verboten, macht aber mit Maske wenig Spass und ist aufwändig, da die Gesangsbücher desinfiziert werden müssten. Für Kommunion respektive Abendmahl gelten komplizierte Hygieneregeln.

«Für einige ist es gerade in dieser schwierigen Zeit wichtig, den Austausch und die Gemeinschaft zu erleben», sagt Stephanie Krieger, Sprecherin der evangelisch-reformierten Landeskirche. Deshalb begrüssten es die Kirchgemeinden, dass sie physische Gottesdienste anbieten könnten. Gleichzeitig sei klar, dass man nicht auf Biegen und Brechen Veranstaltungen durchführen werde. «Keine Kirchgemeinde will ihre Mitglieder gefährden», stellt sie klar.

Problematisch vor allem bei Beerdigungen

Angesichts der schwindenden Mitgliederzahlen der Landeskirchen stellt die 50er-Regel für den gewöhnlichen Sonntagsgottesdienst in kleinen Gemeinden kein Problem dar. Bei Reformierten und Katholiken werden Gottesdienste in grösseren Gemeinden aber oft von wesentlich mehr Menschen besucht. Dies gilt insbesondere für Abdankungsfeiern. Aus Erfahrung mit den restriktiven Regeln im Frühling weiss Krieger: «Beschränkungen der Personenzahl bei Abdankungen sind für die Angehörigen sehr einschneidend.»

Dennoch werden die Kirchen in den kommenden Wochen gezwungen sein, den Einlass durch ihr Personal zu kontrollieren, wie Dominik Prétôt, Sprecher der römisch-katholischen Landeskirche, ausführt. Dass Gläubige vor Ort abgewiesen werden müssen, soll wenn möglich vermieden werden. Schliesslich seien Gottesdienste für alle da, betont er. In den Pfarreien ist Kreativität gefragt.

Ein wichtiger Test folgt bereits am Wochenende: Die Katholiken feiern Allerheiligen und Allerseelen. Die Totengedenkfeiern und Gräberbesuche ziehen in gewöhnlichen Jahren neben den Mitgliedern der örtlichen Kirchgemeinde auch auswärtige Angehörige an. Auf den Friedhöfen gilt nun – wie in den Kirchen – die 50er-Regel und Maskenpflicht.

Gottesdienst als Livestream

In Oberwil prüft die Pfarrei, den Gottesdienst via Bildschirm ins Pfarreiheim zu übertragen. Dieser wird wie während des Lockdowns zudem auf der Website der Pfarrei gestreamt. Demgegenüber hat der Seelsorgeverband Angenstein mit den Pfarreien Aesch, Pfeffingen und Duggingen die Totenfeier abgesagt. Sie werden aber die Grabkerzen für die im vergangenen Jahr Verstorbenen anzünden und diese auf Wunsch den Angehörigen überreichen. Prétôt empfiehlt den Gläubigen, sich bei ihrer Pfarrei über die Aktivitäten zu erkundigen.

«Gottesdienste im Freien oder im Wald»

Die Reformierten gedenken ihrer Toten am Ewigkeitssonntag am 22. November. Dann folgen die Adventswochen. Sowohl in reformierten als auch katholischen Gemeinden macht man sich bereits Gedanken zu dieser für viele Gläubige wichtigsten Zeit des Jahres. «Denkbar ist, Gottesdienste im Freien oder gar im Wald zu feiern», sagt Prétôt.

Planen müsse man, aber angesichts des unsicheren Verlaufs der Pandemie sei unklar, in welchem Rahmen Weihnachten gefeiert werden könne. Derzeit ist nur eines mit grosser Wahrscheinlichkeit gewiss: Die Kirchen selbst, sowohl die katholischen als auch die reformierten, werden für ein Innehalten oder ein stilles Gebet offen bleiben.

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