Pünktlich zum Start des Carl Spitteler-Jubiläumsjahrs (bz vom 16. Januar) meldet sich einer in der Öffentlichkeit zurück, den man in diesem Zusammenhang nicht unbedingt erwartet hätte: Toni Eglin (81), der Sohn des bekannten Baselbieter Künstlers Walter Eglin. Und wenn sich Eglin junior meldet, dann geht es in der Regel um ein bedrohtes oder verschwundenes Werk seines Vaters. So auch jetzt. Er erzählt: «Mein Vater hat drei Werke im Zusammenhang mit Carl Spitteler gemacht. Zwei Holzschnitte im Auftrag der Regierung, die im Walter Eglin-Museum in Känerkinden hängen, und das Sgraffito ‹Weltenbaum›, das sich hinter einer Gipswand im KV Liestal befindet.»

KV verweist auf Abmachung

Eglins Forderung heisst jetzt im Spitteler-Jubiläumsjahr: «Das wäre die Gelegenheit, den ‹Weltenbaum› zu befreien.» Die beste Lösung ist für Eglin, die Gipswand um das Bild freizulegen und das Bild mit Plexiglas abzudecken, sodass das Sgraffito sichtbar und gleichzeitig geschützt wäre. Der «Weltenbaum» stammt aus Spittelers Epos «Der olympische Frühling», dem Werk, für das der Dichter 1919 den Literaturnobelpreis erhielt.

Die Kombination KV Liestal und zugegipstes Walter Eglin-Werk ist nicht neu. Bereits 2013 gab es einen grossen Wirbel um das Mosaik «Sphinx», das hinter einer Wand am KV Liestal verschwunden war. Dieses Werk war aber im Unterschied zum «Weltenbaum» eine Leihgabe des Kantons. Es wurde befreit und 2014 ins Walter Eglin-Museum transferiert.

Schon damals wusste man, dass im KV auch noch der «Weltenbaum» hinter einer Wand ruht. Wer dieses 1955 geschaffene Sgraffito in Auftrag gegeben hat, ist nicht nachgewiesen. Eglin vermutet, dass es der KV Liestal selbst war. Aber weil die «Sphinx» für Eglin junior künstlerisch die grössere Bedeutung hat, konzentrierte er seine Kräfte auf deren Freilegung. Jetzt, im Spitteler-Jubiläumsjahr, kommt ihm das «Weltenbaum»-Schicksal wieder auf. Deshalb sein Vorstoss.

Doch damit stösst er beim Präsidenten des KV Baselland auf taube Ohren. Daniel Loetscher, seit 20 Jahren in dieser Funktion, sagt: «Es bleibt, wie es ist. Wir haben das 2014 mit Toni Eglin so vereinbart.» Die Abmachung sei bei einem guten Gespräch auf einem Museumsrundgang in Känerkinden nach der «Sphinx»-Übergabe erfolgt. Grund dafür seien die hohen Kosten, die eine Freilegung verursache. Man habe das damals abklären lassen, den Preis könne er nicht mehr sagen.

Loetscher: «Ich verstehe nicht, dass man das jetzt wieder aufwärmt.» Man habe seitens des KV Baselland damals nach dem Wirbel dem «Freundeskreis Walter Eglin» als Schlusspunkt auch eine Spende zukommen lassen. Aber wenn jemand jetzt das notwendige Geld aufwerfen wolle, könne man den «Weltenbaum» hervorholen und nach Känerkinden schaffen, ergänzt Loetscher. Eglin entgegnet: «Ja, das Sgraffito aus der Wand zu schneiden, wäre zu teuer. Deshalb mein Vorschlag mit der Freilegung und dem Plexiglas.»