Die goldene Mitte. Zwar kein progymnasialer Streber, aber trotzdem eine bessere Ausbildung als die «allgemeinen Anforderungen», die das Niveau A der Sekundarschule laut Definition erfüllt: Der mittlere E-Zug auf Sekundarebene war im Baselbiet jahrzehntelang der bestbesuchte der drei Sek-Varianten; doch der progymnasiale Zug holte auf (siehe Grafik).

Und hat die Ausbildung mit «erweiterten Anforderungen» (E) in diesem Schuljahr sogar erstmals überholt. «Eine Verschiebung hat stattgefunden. Wir können jedoch noch nicht sagen, ob dies eine Tendenz ist oder eine Ausnahme», sagt Beat Lüthy, Leiter des Amts für Volksschulen. «Wir werden die Veränderung weiterhin beobachten.»

Schülerzahlen

In der Bildungskommission des Landrats waren die Schülerzahlen der einzelnen Sek-Niveaus bisher kein Thema. «Diese Entwicklung ist mir neu, aber es ist erfreulich, dass mehr Schülerinnen und Schüler den Eintritt ins P-Niveau schaffen als in früheren Jahren», sagt Kommissionspräsident und SP-Landrat Christoph Hänggi. Ein bildungspolitisches Ziel dazu gebe es nicht, Ziel sei es jedoch, dass «eine möglichst hohe Anzahl Schülerinnen und Schüler einen Abschluss auf der Sekundarstufe I – also beispielsweise einen Lehrabschluss oder die Maturität – erreichen», sagt Hänggi. Auf welchem Weg dieses Ziel erreicht wird – über Niveau E oder P – sei nicht relevant. «Wenn es mehr P-Schüler gibt, dann wäre es allerdings auch wünschenswert, dass einige dieser Schülerinnen und Schüler sich den Antritt einer attraktiven Lehrstelle überlegen und nicht alle ans Gymnasium wechseln.»

Paul Hofer, ebenfalls Mitglied der landrätlichen Bildungskommission, sagt: «Am wichtigsten wäre, dass alle Schülerinnen und Schüler im Niveau sind, das ihnen am besten entspricht. Es bringt nichts, auf Druck der Eltern ein höheres Niveau zu besuchen, nur um dann im ersten Studienjahr die Universität wieder zu verlassen», sagt der FDP-Politiker. Wenn aber eine verbesserte pädagogische Ausbildung der Lehrpersonen dazu führe, dass immer mehr Kinder die Leistungen für das P-Niveau erbringen können, dann sei dies erfreulich. «Das zeigt dann, dass unser Bildungssystem in Baselland gut funktioniert», sagt er. Ob die Umstellung auf ein sechstes Primarjahr eine Auswirkung auf die höheren P-Niveau-Schülerzahlen hat, das kann derzeit noch nicht ausgewertet werden. Die Datengrundlage dafür ist zu klein, es könnte ein statistischer Ausreisser sein. Die Annäherung der Schülerzahlen der beiden Niveaus hingegen zeichnet sich seit 2012 ab und wurde zumindest nicht unterbrochen durch das sechste Primarjahr.

Sind die Schüler einfach klüger?

Im Kanton Basel-Stadt war die Hoffnung, dass durch die Einführung der Sekundarschule die Anzahl Gymnasiasten verkleinert werden kann. Darauf deutet aber derzeit nichts hin. Im aktuellen Schuljahr nahmen 44 Prozent Sek-Schülerinnen und -Schüler Platz in einer P-Klasse, im Jahr zuvor waren es sogar 47 Prozent. Von der laut Bildungsbericht angestrebten gleichmässigen Verteilung auf die drei Niveaus ist man weit entfernt.

Die einfachste Erklärung, weshalb die P-Niveau-Schülerzahlen von Jahr zu Jahr zunehmen, wäre: Es sitzen immer schlauere Schüler in den Baselbieter Primarschul-Klassenzimmern. Und tatsächlich gibt es einen Hinweis darauf, dass dies so sein könnte. Denn seit die Universität Zürich für den Bildungsraum Nordwestschweiz jährliche Leistungstests durchführt, lässt sich die Leistungsfähigkeit der Baselbieter Schüler mathematisch vergleichen. Und wären die Schüler Wein, würde man bei den letztjährigen Sechstklässlern von einem guten Jahrgang sprechen: In den Fächern Deutsch und Mathematik haben sie besser abgeschnitten als ihre Jahrgangs-Vorgänger, in Französisch sowie im Bereich «Natur und Technik» zumindest gleich gut. Der aktuelle Leistungscheck wird übrigens derzeit durchgeführt, wie das Uni-Institut auf Anfrage sagt. Dann wird sich zeigen, ob die Baselbieter Sek-Schulen für nächstes Jahr weitere Pulte in die P-Klassenzimmer stellen müssen; oder doch wieder zurück ins E-Klassenzimmer.