Kino

Noch trotzen die Baselbieter Kinos der Krise – die Zukunft ist aber ungewiss

Das Kino «Sputnik» in Liestal muss nicht um die Zukunft bangen.

Das Kino «Sputnik» in Liestal muss nicht um die Zukunft bangen.

Während in Basel die Auslastung der Säle immer weiter sinkt, trotzen die Baselbieter Kinos der Krise. Trotzdem stehen auch die Baselbieter Kinos vor einer ungewissen Zukunft: Die Digitalisierung zwingt sie zu hohen Investitionen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Basler gehen immer seltener ins Kino. Alleine in den vergangenen zehn Jahren sank die Auslastung der Säle um über einen Drittel, 2011 strömten noch knapp 800 000 Gäste in die 23 Säle. Zwar hat das kantonale statistische Amt die Zahlen fürs vergangene Jahr noch nicht veröffentlicht, mit einer Trendumkehr ist aber nicht zu rechnen.

Es gibt aber auch Kinos im Kanton Baselland. Vier sind es an der Zahl: Das Sissacher «Palace», das «Oris» und das «Sputnik» in Liestal sowie das «Marabu» in Gelterkinden, welches jedoch nur sporadisch geöffnet hat. An ihnen ist die Krise offenbar spurlos vorbei gegangen: «Das letzte Jahr war für uns das erfolgreichste seit unserem Bestehen», sagt Jonathan Maurice, Betreiber des «Sputnik». Auch bei seinem Kollegen in Sissach herrscht alles andere als schlechte Stimmung: «Wir sind mit der Auslastung zufrieden», bestätigt Oscar Schönenberger vom «Palace» - seine 107 Plätze seien «gut ausgelastet».

Stammkunden füllen die Säle

Warum geht die Landbevölkerung fleissiger ins Kino als die Städter? Liegt es am kleineren Unterhaltungsangebot - sprich: es ist sonst wenig los? Oder ist es ihnen unangenehm, Filme illegal aus dem Netz zu laden? Dazu wollen die Kinobetreiber im Baselbiet keine Mutmassungen anstellen. Sie glauben eher, dass es mit der gestiegenen Qualität der Filme zu tun hat. Gerade im vergangenen Jahr hätten zwei Streifen wieder für volle Säle gesorgt. Die französische Komödie «Intouchables» und - eher erstaunlich - «More than Honey», ein Dokumentarfilm aus der Schweiz.

Diese beiden Kassenschlager liefen aber auch in der Stadt - sie alleine können den Zuspruch, den die Landkinos geniessen, nicht erklären. Maurice nennt denn auch die Stammkundschaft als wichtige Säule des Erfolgs: Sie würden rund die Hälfte der 62 Plätze füllen, der Rest bestehe aus der typischen Laufkundschaft.

Die Landkinos können also auf treue Kinofans zählen. Doch auch sie blicken in eine ungewisse Zukunft. Die Digitalisierung zwingt ihnen hohe Investitionen auf. Vorführungen mit 3D-Technik und in Zukunft mit dem 3D-HFR-Format (siehe Kasten) bedingen neue technische Geräte, die teuer sind - und bei denen gerade kleine Betriebe Mühe bekunden, sie zu finanzieren.

Technische Erneuerungen

Das «Sputnik» hatte in dieser Hinsicht Glück. Ihm kamen zwei Geldgeber zu Hilfe: Das Kinoförderprogramm des Bundesamts für Kultur und der kantonale Lotteriefonds. «Die 100 000 Franken für einen neuen Projektor hätten wir sonst nicht aufbringen können», sagt Maurice. Das «Palace» dagegen hatte weniger Glück. «Wir investierten im Jahr 2010 rund 150 000 Franken in die Technik», sagt Schönenberger. Da es damals noch kein Förderungsprogramm, gab mussten die Sissacher den Betrag alleine schultern.

Trotz der finanziellen Investitionen glauben die Baselbieter Cineasten an die Zukunft ihres Mediums. Ihr Optimismus ist nicht unberechtigt, schliesslich wurde dem Kino schon mehrfach der rasche Niedergang prophezeit, etwa beim Aufkommen des Fernsehens, des Video-Recorders - oder zuletzt des Internets.

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