Landwirtschaft

Noch verträgt der Boden die heissen Temperaturen - Mais und Kühe leiden

Wald und Flur sind derzeit sehr trocken: Die Bauern müssen um die Ernte fürchten. Feuer in Waldnähe sind verboten – eventuell auch Feuerwerke am 1. August.

Wald und Flur sind derzeit sehr trocken: Die Bauern müssen um die Ernte fürchten. Feuer in Waldnähe sind verboten – eventuell auch Feuerwerke am 1. August.

Der Sommer ist endlich in der Schweiz angekommen. Doch die heissen Temperaturen freuen nicht alle. Während es dem Raps noch gut geht und der Grundwasserspiegel stimmt, leiden sowohl Kühe als auch der Mais unter der Hitze.

Grundsätzlich froh über die Schönwetterperiode sind laut Werner Mahrer, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain, jene, die am Ernten sind. Das betrifft in diesen Tagen vor allem die Bauern mit Kirschen und Raps: Die Kirschen müssen nach dem Pflücken schnell in die Kühle, da sie sonst unter der Hitze verderben. Dem Raps dagegen kann die Hitze nichts anhaben – im Gegensatz zu einem Gewitterregen, der die Schoten zum Aufspringen bringt.

Weniger Freude an der Hitzewelle haben Landwirte mit Maiskulturen. Denn der Mais, der im Frühjahr schon unter der Kälte litt, brauche periodische Feuchtigkeitsschübe, sagt Mahrer. Andernfalls bleibe er klein und reife nicht aus: «Noch eine Woche Trockenheit ist keine Katastrophe; dann sollte es aber langsam regnen.» Ähnlich verhält es sich mit frisch gemähten Wiesen, deren Wachstum bei lang anhaltender Trockenheit ganz zum Stillstand kommt.

Ozon betrifft auch die Tiere

Zu den Leidtragenden der Hitze gehören auch die Milchbauern. Laut Mahrer geben die Kühe «derzeit klar weniger Milch, weil sie Energie für die eigene Abkühlung brauchen, die bei der Milchproduktion fehlt». Die Kühe und andere Säugetiere sind übrigens genauso anfällig für hohe Ozonwerte wie die Menschen.

Laut Andrea von Känel vom Lufthygieneamt beider Basel zeigen sie dieselben Symptome: Kratzen in Hals und Augen, bei längerer Belastung Atemprobleme. In den vergangenen Tagen lagen die Ozonwerte laut von Känel mit Spitzenwerten bis 170 Mikrogramm pro Kubikmeter deutlich über dem Grenzwert von 120. Mit der kommenden Hitze rechnet von Känel mit bis zu 180 Mikrogramm. Gewitter und kühler Wind zerstreuten hingegen die Ozonkonzentration.

Keine Gefahr für das Grundwasser

Wald und Nutzpflanzen reagierten hingegen viel träger auf Ozon. Zwar gebe es bei starker Belastung Verbrennungserscheinungen auf den Blättern, die Ozonbelastung müsste aber schon über einen Sommer oder mehrere Jahre konstant sehr hoch sein, um Wachstum und Fruchtbarkeit der Pflanzen zu beeinträchtigen.

Trockene Pflanzen sind aber in jedem Fall eine Gefahr bei Feuer. Für den 1. August hat der Kantonale Krisenstab im Gegensatz zu anderen Kantonen noch keine Verbote für Feuerwerk ausgesprochen. Die Situation werde aber am Montag neu beurteilt, wie die Polizei mitteilte.

Entwarnung gibt es hingegen beim Grundwasser. «Der Spiegel liegt leicht über dem Mittelwert», berichtet Achim Benthaus, im Amt für Umweltschutz zuständig für die Wasserversorgung.

Nach dem Tiefstand im Herbst 2011 habe sich der Grundwasserspeicher im nassen Jahr 2012 und in der ersten Hälfte dieses Jahres «vollständig erholt». So sollten selbst zwei, drei Wochen der angekündigten Hitzewelle für das Grundwasser im Flachland kein Problem darstellen.

Die ersten, die Probleme mit der Wasserversorgung bekommen könnten, sind laut Benthaus allerdings die höher gelegenen Gemeinden im karstigen Jura, die ihr Trinkwasser nur aus Quellen beziehen, «wenn diese ein kleines Einzugsgebiet und wenig Speicher haben».

In Waldenburg zum Beispiel macht sich Gemeindeverwalter Markus Meyer aber noch keine Sorgen: «Unsere Quellen sind lange ergiebig; das wissen wir aus den vergangenen Hitzesommern.»

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