Laufental

Nötige Umplatzierungen und hoher Zeitaufwand: Die Feuerwehr kapituliert vor Wespennestern

Ende letzter Woche gab die Feuerwehr bekannt, das Bekämpfen von Insektennestern einzustellen. (Symbolbild)

Ende letzter Woche gab die Feuerwehr bekannt, das Bekämpfen von Insektennestern einzustellen. (Symbolbild)

Die Stützpunktfeuerwehr Laufental entfernt ab sofort keine Insektennester mehr – aus guten Gründen. Sie ist bei weitem nicht die Einzige.

Die Website der Stützpunktfeuerwehr Laufental ist in drei Hauptrubriken unterteilt: «Einsätze», «Jugendfeuerwehr» und «Insektennester». Ab sofort sind es nur noch zwei: Ende letzter Woche gab die Feuerwehr bekannt, das Bekämpfen von Insektennestern einzustellen.

Gründe dafür gibt es einige, wie Major Markus Burger verrät. Der Kommandant der Laufner Feuerwehr nennt beispielsweise, dass diverse Insektenarten, deren Nester entfernt werden müssen, geschützt sind. In solchen Fällen sei eine aufwendige Umplatzierung notwendig. Zudem braucht es für die Schädlingsbekämpfung einen eidgenössischen Fähigkeitsausweis – «und den hat bei uns niemand». Abgesehen davon gebe es private Unternehmungen, die solche Dienstleistungen anbieten. Burger: «Diese wollen wir nicht konkurrenzieren, denn eigentlich sollten wir lediglich das tun, was nur die Feuerwehr kann.»

Wichtigster Punkt aber sei, dass die Bekämpfung ziemlich zeitaufwendig sei. «Ich könnte den ganzen Tag zwei Leute für die Entfernung von Insektennestern abstellen», seufzt Burger und zählt gleich zehn Fälle auf, um die man sich von Montag bis Mittwoch letzter Woche gekümmert habe. Denn seit rund zwei Monaten halten die Wespen die Feuerwehren in Atem. Doch der Entscheid sei «kein Kurzschluss» gewesen, hält Burger fest. Das Thema sei immer wieder bei der Feuerwehrkommission thematisiert worden, «nun haben wir die Notbremse gezogen». Er weist zudem auf die Empfehlung des Schweizer Feuerwehrverbands hin, auf die Bekämpfung von Insektennestern zu verzichten.

Andere kommen, wenn es um Leib und Leben geht

Eine Feuerwehr in der Region, die weiterhin Insektennester entfernt, ist jene in Sissach. Kommandant Adrian Schaub schränkt jedoch ein: «Wir sind keine Kammerjäger. Wir werden nur aktiv, wenn Leib und Leben bedroht sind.» Als Beispiele nennt er Wespennester in Kinderzimmern oder in Räumen, in denen sich Personen mit schweren Allergien aufhalten. Und er ergänzt: «Alles, was draussen ist, fassen wir nicht an – das ist Natur.» Die Stützpunktfeuerwehr Sissach differenziert auch bezüglich Insektenart. «Wir entfernen nur Wespennester. Bienen und Hornissen hingegen sind geschützt, die rühren wir nicht an», sagt Schaub.

Beim Feuerwehr-Inspektorat beider Basel gibt man keine Empfehlung ab, ob eine Feuerwehr Insektennester bekämpfen soll. «Es liegt in der Autonomie der Gemeinden. In Basel-Stadt macht man es, in Baselland machen es viele nicht», erklärt Daniel Weisskopf. Von einem Trend will der stellvertretende Baselbieter Feuerwehr-Inspektor nicht sprechen. Zahlen von Einsätzen würden zwar gesammelt, doch eine Auswertung sei erst im Dezember vorgesehen. Weisskopf verweist auch darauf, dass es für Hilfe bei Insektennestern einen «freien Markt der Schädlingsbekämpfer» gebe.

Allerdings vernichten private Schädlingsbekämpfer in der Regel Nester, statt sie umzusiedeln. Wer das nicht möchte, kann sich an Pro Natura wenden. Zwar weilen bei der ältesten Naturschutzorganisation des Landes momentan die Experten für diese Fälle in den Ferien, doch Thomas Fabbro, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, verweist auf die Internetseite Faltenwespe. Deren Betreiber hätten sich auf das Umsiedeln von Bienen-, Wespen-, Hummel- und Hornissennestern spezialisiert. «Damit haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Viele Leute haben sich hinterher bei uns bedankt, weil alles so schnell und reibungslos gelaufen ist», freut sich Fabbro.

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