Eric Nussbaumer ist keine Frau - und trotzdem ist er nun Ständeratskandidat der Baselbieter SP. Die Genossen nominierten den 58-jährigen Nationalrat am Samstag zu ihrem Kandidaten für die Ausmarchung vom 20. Oktober um den einzigen Baselbieter Sitz im Ständerat. Nussbaumer tritt gegen Maya Graf (Grüne), Daniela Schneeberger (FDP) und Elisabeth Augstburger (EVP) an.

Die Geschlechterfrage ist vor den Ständeratswahlen ein grosses Thema; der Frauenanteil liegt in der kleinen Kammer bei nur 13 Prozent, das Baselbiet hatte noch nie eine weibliche Vertreterin im Stöckli. Die SP befinde sich in einem Dilemma, sagte die Liestaler Stadträtin Regula Nebiker vor den SP-Delegierten in Arlesheim. «Wir können nicht darüber hinweg schauen, dass die Grünen eine Nationalrätin aufstellen, die gleich bekannt ist wie Eric und bis weit ins bürgerliche Lager Stimmen holen kann.» Nebiker warb dafür, dass die SP «aus einer Position der Stärke» auf eine Ständeratskandidatur verzichte.

«Nicht das Gleiche machen wie die Männer»

Dass die Nomination Nussbaumers nicht ohne Nebengeräusche bleiben würde, war im Vorfeld erwartet worden. Allerdings blieb es dann bei dieser einen kritischen Wortmeldung. Alle anderen Votantinnen und Votanten warben in teils leidenschaftlichen Voten für Nussbaumer. «Wir müssen aufpassen, dass wir als Frauen jetzt nicht das Gleiche machen wie vorher über Jahrhunderte die Männer», nahm die Liestaler Einwohnerrätin Marianne Quensel ihre Geschlechtsgenossinnen in die Pflicht.

Von links: Sabine Asprion, Sandra Strüby, Eric Nussbaumer, Samira Marti, Miriam Locher und Désirée Jaun. Der siebte Kandidat Andreas Bammatter war abwesend und fehlt daher auf dem Bild.

Von links: Sabine Asprion, Sandra Strüby, Eric Nussbaumer, Samira Marti, Miriam Locher und Désirée Jaun. Der siebte Kandidat Andreas Bammatter war abwesend und fehlt daher auf dem Bild.

Pascale Meschberger, die Co-Präsidentin der Liestaler SP, führte einen wahltaktischen Grund an: Der Ständeratswahlkampf werde zusätzliche Stimmen für die SP-Nationalratsliste bringen; alleine deswegen wäre ein Verzicht unklug. Annemarie Spinnler brachte mit einem persönlichen Statement zum Ausdruck, was wohl viele SPler im Saal dachten.

Eric Nussbaumer ist Götti einer ihrer beiden Söhne - Maya Graf Gotte des anderen. «Dennoch ist für mich klar, wen ich unterstütze: Eric Nussbaumer», sagte Spinnler. Bereits vor der Diskussion um die Nomination hatte Gastredner Roger Nordmann, SP-Fraktionschef im Bundeshaus, empfohlen, «unbedingt» Nussbaumer in den Ständerat zu wählen. «Ansonsten haben wir dort bald keine Energieexperten mehr.»

Geschlechterquote ausser Kraft

In der Abstimmung ging die Nomination Nussbaumers dann mit grossem Mehr bei zwei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen überraschend schlank durch. Dem möglichen Vorwurf im Wahlkampf, es mit der Frauenförderung im Ernstfall doch nicht so ernst zu nehmen, beugten die Genossen mit ihrer Liste für die Nationalratswahlen vor: Sie nominierten fünf Frauen und zwei Männer. Dazu wurde auf Antrag der Geschäftsleitung die in den Statuten festgehaltene Geschlechterquote von 33 Prozent ausser Kraft gesetzt.

Angesichts von insgesamt zehn Bewerbungen für die sieben Listenplätze empfahl die Geschäftsleitung zudem, neben dem bisherigen Nationalrat Eric Nussbaumer den zweiten männlichen Bewerber, den Allschwiler Landrat Andreas Bammatter, auf die Liste zu setzen.

Für die anderen fünf Listenplätze wählten die SP-Delegierten Nationalrätin Samira Marti (Liestal), die Laufner Stadträtin Sabine Asprion, die Birsfelder Landrätin Désirée Jaun, die Münchensteiner Landrätin und Fraktionschefin Miriam Locher sowie die Buckter Landrätin Sandra Strüby. Auf der Strecke blieben in der Wahl Lucia Mikeler Knaack (Bottmingen), Annemarie Spinnler (Gelterkinden) und Patrizia Tamborrini (Muttenz).