Regionalfeuerwehr

Nun kommt der gerupfte «Florian» – der Feuerwehrverbund musste Federn lassen

Dass die Stützpunktfeuerwehr Liestal ihr Handwerk versteht, zeigt sie auch an publikumsträchtigen Übungen. Jetzt wird sie noch aufgewertet.

Dass die Stützpunktfeuerwehr Liestal ihr Handwerk versteht, zeigt sie auch an publikumsträchtigen Übungen. Jetzt wird sie noch aufgewertet.

Der neue Feuerwehrverbund umfasst sechs Gemeinden rund um Liestal. Nächstes Jahr startet er mit vier Profis.

Der ambitionierte «Florian» hat nicht nur Federn, sondern auch seinen Namen verloren. Aus dem ambitionierten Feuerwehrverbund mit elf Gemeinden zwischen Arisdorf und Bretzwil, wie er vor zweieinhalb Jahren von Feuerwehrkreisen euphorisch angekündigt wurde, ist ein Rumpfgebilde namens Stützpunkt- und Regionalfeuerwehr Liestal mit sechs beteiligten Gemeinden geworden. Von «Florian» will niemand mehr reden.

Der entscheidende Vorteil dieser Regionalfeuerwehr: Sie hebt bereits am 1. Januar 2020 ab. Darüber informierten gestern der künftige Kommandant Roger Salathe, der bisher schon die Liestaler Stützpunktfeuerwehr befehligte, der Präsident der Betriebskommission und Lupsinger Gemeinderat Sascha Schob sowie Projektleiter Daniel Goepfert. Zwar haben die Feuerwehrleute aus den Gemeinden Arisdorf, Büren, Hersberg, Liestal, Lupsingen und Seltisberg schon in diesem Jahr 139 Einsätze gemeinsam geleistet, doch ab nächstem Jahr machen sie das mit einer professionelleren Struktur: Statt 115 Miliz-Feuerwehrleuten und zwei Profis wirken ab 2020 100 Milizler und vier Profis. Goepfert unterstrich: «Ohne Miliz geht es nicht.»

Politische Kraft von Feuerwehren unterschätzt

Profis sind der Feuerwehrkommandant sowie die drei Bereichsleiter Administration, Ausbildung und Technik. Ihre Einsätze leistet die neue Regionalfeuerwehr von der Hauptwache in Liestal und einer Nebenwache in Büren aus. Auf diese beiden Standorte sind denn auch die Materialien und Fahrzeuge der aufgelösten Feuerwehren der beteiligten Gemeinden, soweit noch brauchbar, verteilt worden.

Hintergrund für die Neuorganisation sind die bekannten Probleme: Durch die Trennung von Arbeits- und Wohnort sind in etlichen Gemeinden tagsüber zu wenig Feuerwehrleute verfügbar. Die Vorgabe heisst bei einem Einsatz, dass innerhalb von zehn Minuten nach der Alarmierung acht Personen mit einem Tanklöschfahrzeug vor Ort einsetzbar sein müssen, wie Salathe in Erinnerung rief. Dazu komme, dass der zunehmende Verkehr Einsätze erschwere. Und die viele Elektronik wie Solaranlagen oder elektrische Fahrzeuge mache sie komplexer, sagte Goepfert.

Der neue, teilprofessionalisierte Zweckverband mit sechs Gemeinden und zwei Wachen ist aber alles andere als eine endgültige Lösung. Das betonte auch Kommandant Salathe: «Wir sind sehr offen für neue Gemeinden.» Je nach Distanzen seien auch zusätzliche Aussenwachen denkbar.

Wieso aber ist «Florian» gescheitert? Goepfert, Salathe und Schob wollen die Frage nicht beantworten und weisen weiter an den kantonalen Feuerwehrinspektor Werner Stampfli, einen der Väter von «Florian». Dieser streut Asche auf sein Haupt: «Wir, allen voran auch ich, haben die politische Kraft von Feuerwehren unterschätzt.» Wenn eine Ortsfeuerwehr die Einsatz-Vorgaben erfülle, gebe es keine Handhabe, sie zu einem Beitritt in einen Verbund zu zwingen. Stampfli: «‹Florian› braucht länger, als ich gedacht habe. Aber die Idee ist nach wie vor bestechend.» Toll sei, dass die Stützpunkt- und Regionalfeuerwehr Liestal jetzt mit sechs Gemeinden starte. Kein anderer Verbund im Kanton zähle so viele Profis in seinen Reihen.

Die Feuerwehr-Landschaft sieht im Baselbiet laut Stampfli momentan wie folgt aus: Es gibt 54 Feuerwehr-Organisationen. Zwölf davon sind Betriebsfeuerwehren (Firmen, Spitäler sowie als einzige professionelle die Industriefeuerwehr Regio Basel), 22 Verbünde und 20 Ortsfeuerwehren.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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