Die Zukunft zu gestalten, gelingt nicht immer auf Anhieb: Zuerst wollte die Basler Regierung das Logistikprojekt Cargo Sous Terrain nicht finanziell unterstützen. Dann publizierte der Logistikcluster Region Basel ein befürwortendes Positionspapier. Und nun überlegt’s sich die Basler Regierung nochmals.

Der Förderverein Cargo Sous Terrain (CST) hat der Basler Regierung sein Projekt einer Schweizer Güter-Metro präsentiert. Palettweise sollen die Güter unterirdisch auf selbstfahrenden Wägelchen durchs Schweizer Mittelland und später auf einem Seitenast nach Basel zuckeln. Anstatt wie mit 40-Tönnern stossweise, sollen die Waren zwar langsam, aber kontinuierlich ihren Ziel-Hub erreichen. Dort werden sie durch einen Schacht nach oben befördert und in die Auslieferfahrzeuge der City-Logistik umgeladen.

«Cargo sous terrain» – so soll der unterirdische Gütertransport funktionieren.

Neu ist weniger die Technologie als vielmehr das Konzept dahinter: Sind die Detailhändler, die einen grossen Teil der Kunden des CST ausmachen werden, an der Verkaufsfront zwar Konkurrenten, so sollen sie in Zukunft bezüglich Logistik viel mehr zusammenspannen.

Es geht nur um Binnenverkehr

In der Basler Regierung diskutierte man das Projekt kontrovers, hatten doch die CST-Vertreter um eine konkrete Beteiligung Basels in der Höhe einer mittleren sechsstelligen Summe angefragt. Die Stadt Zürich macht bei den innovativen Logistikern bereits mit. Schliesslich soll die erste Strecke zwischen Zürich und Härkingen 2030 in Betrieb gehen, und der Ast nach Basel käme erst später an die Reihe.

Da man zu keinem schlüssigen Resultat kam, habe die Basler Regierung beim Verband Spedlogswiss nachgefragt, berichtet Christoph Brutschin, Vorsteher des Basler Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt. «Spedlogswiss war eher zurückhaltend», erinnert sich Brutschin. «Also haben wir Cargo Sous Terrain abgesagt.»

«Das Projekt Cargo Sous Terrain hat keinen direkten Nutzen für unsere Mitglieder, da der internationale Güterverkehr davon nicht betroffen ist», bestätigt Spedlogswiss-Direktor Thomas Schwarzenbach. Der Verband vertrete die international grenzüberschreitend tätigen Speditionslogistiker. Die geplante Güter-Metro mit ihrem Verteilkonzept in den Städten hingegen betreffe ausschliesslich den Inland-Güterverkehr. «Insgesamt ist Cargo Sous Terrain aber eine interessante, wirklich visionäre Idee, die zudem privat finanziert wird.» Die Zurückhaltung seines Verbands beziehe sich also auf die fehlende Betroffenheit der Mitglieder, in der Sache lehne man das Projekt aber gar nicht ab und unterstütze die Position des Logistikclusters.

Auch Stadt arbeitet an City-Logistik

«Wir haben einen von Branchenvertretern gut besuchten Workshop organisiert», berichtet Martin Dätwyler, Geschäftsführer Logistikcluster und stellvertretender Direktor der Handelskammer beider Basel. Da sei zwar diskutiert worden, dass die Schnittstellen des CST mit den anderen Transportsystemen gut ausgebaut sein müssten. Auch seien Bedenken bezüglich der angedachten City-Logistik laut geworden. «Da ist Basel daran, sich derzeit eigene Gedanken zu machen.» Zudem sei City-Logistik ein noch junges Forschungsgebiet, das aber mit zunehmendem Paketverkehr durch Internet-Einkäufe an Bedeutung gewinne. «Da wird ja selbst der Einsatz von Drohnen diskutiert.»

Entsprechend seien bezüglich CST noch viele Fragen zu klären. «Aber es ist ein neuer Ansatz, und auch Basel soll darüber weiter nachdenken.» Zudem begrüsse man in der Branche, dass CST einen kooperativen Ansatz verfolge. Fazit im Positionspapier: «Für die wichtigste Logistikregion des Landes empfiehlt der Logistikcluster Region Basel sowohl den hier ansässigen Unternehmen als auch den Kantonen Basel-Stadt und Baselland, die Initiative weiterhin positiv und aktiv zu begleiten.»

Mitfinanzierung nicht unmöglich

Das Positionspapier des Logistikclusters, das auch von Spedlogswiss mitgetragen wird, hat in Basel-Stadt Konsequenzen: «Wir haben zwar CST mitgeteilt, wir würden von einem Engagement absehen, werden das aber nun nochmals anschauen – wobei für uns auch eine Unterstützung ohne finanzielle Verpflichtung denkbar ist», erklärt Regierungsrat Brutschin.

Damit befassen will man sich auch im Landkanton. Das Konzept CST heisst zwar, dass die Güter die Stadt unterirdisch erreichen. Doch ein wesentlicher Teil der funktionalen Stadt liegt im Baselbiet, das zudem wesentliche Logistikflächen beherbergt. Hinzu kommt, dass ein Tunnel von Härkingen nach Basel zwingend Baselbieter Territorium unterqueren wird. «Dafür müsste voraussichtlich der kantonale Richtplan angepasst werden», erklärt Dieter Leutwyler, Sprecher der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), bei der die Federführung liegt. «Es ist jedoch noch nicht zweckmässig, bereits jetzt Areale für allfällige CST-Hubs zu sichern, da weder Anzahl noch Standorte abschliessend definiert sind.»

Auch sei die Haltung des Regierungsrats noch nicht festgelegt. «Das System CST soll in einem nächsten Schritt gemeinsam mit dem Kanton Basel-Stadt genauer überprüft werden», teilt Leutwyler mit. Und «nach einer genaueren Prüfung des Systems CST für den Ast Basel–Härkingen ist bei positivem Resultat eine Mitfinanzierung sicher prüfenswert.» Dies würde nach allfälliger Überweisung eines entsprechenden Postulates der Grünen – «bei positivem Nutzen von CST für Baselland» – entschieden.