Euro-Airport

Nur der Zoll vertritt die Schweiz am Euro-Airport

Weltweit einzigartig: eine zweistaatliche Gepäckausgabe. Juri Junkov

Weltweit einzigartig: eine zweistaatliche Gepäckausgabe. Juri Junkov

Der Euro-Airport ist klar unterteilt in Schweizer, französisches und internationales Gebiet. Der Zoll ist die einzige offizielle Behörde der Schweiz am Euro-Airport. Das hat nicht nur Vorteile.

Der binationale Euro-Airport ist ein weltweit einzigartiges Konstrukt: Er ist klar unterteilt in Schweizer, französisches und internationales Gebiet. Weil er zudem auf französischem Boden liegt, gibt es keine Schweizer Behörden vor Ort. Ausser: die Schweizer Grenzwache und der Schweizer Zoll. «Wir sind die einzigen Vertreter des Schweizer Staats, die konstant hier stationiert sind», sagt Hanspeter Weingart, der Leiter der Zollstelle am Euro-Airport, «Es gibt ja auch keine Basler Polizisten.» Dass die Zöllner die Schweiz sozusagen vertreten, ist nicht nur von Vorteil: «Immer wenn irgendein Amt etwas am Flughafen braucht, kommen sie zu uns.» Dadurch nimmt die Arbeitsbelastung zu, das Kerngeschäft – Waren zu kontrollieren – leidet.

Zöllner für Passagiere unsichtbar

Rund 80 Leute arbeiten für den Zoll am Euro-Airport. Die meisten sind für die grosse Masse an Reistouristen unsichtbar: Nur rund ein Sechstel kontrolliert die Reisenden, während der Grossteil für den Frachtverkehr zuständig ist. Das heisst, dass die Zöllner die Waren der ankommenden Cargo-Flugzeuge kontrollieren und die Abgaben für den Bundeshaushalt eintreiben. Gleichzeitig werden die Sendungen auf illegale Waren durchforstet. Doch nicht nur Flugzeuge gehören zum Aufgabengebiet: «Wenn eine Fracht am Flughafen in München ankommt und mit dem Lastwagen in die Schweiz gebracht wird, kontrollieren wir das auch.» Dafür stehen Weingarts Leuten extra Röntgengeräte für Lastwagen zur Verfügung. Hauptansprechpartner für die Zöllner, die den Frachtverkehr kontrollieren, sind Versandfirmen wie UPS oder DHL. Sie übernehmen für ihre Kunden in der Regel die Zollformalitäten. Neben dem Frachtverkehr müssen die Zöllner aber auch die Waren der Reisenden kontrollieren. Jeder kennt die zwei Ausgänge beim Flughafen: Grün bedeutet «Nichts zu deklarieren», den roten muss man gehen, wenn man Waren beim Zoll deklarieren muss. «Im Zweifel ist der Rote immer der richtige», lacht Weingart.

Detaillierte Risikoanalysen

Die Zöllner bereiten sich detailliert auf die ankommenden Flüge vor. Sie wissen, von welchen Reisedestinationen welche Schmugglerware heimkommen könnte und machen vorgängig Risikoanalysen. Wählen die Passagiere den grünen «Nichts zu deklarieren»-Ausgang, können Zöllner deren Gepäck trotzdem kontrollieren. Diese Woche hat der Zoll über eine Häufung von Kokain-Schmuggel am Euro-Airport informiert. Unter anderem wurden bei einer Dominikanerin 650 Gramm in über 50 Fingerlingen im Körper gefunden. Sie gehörte zu denen, die den grünen Ausgang gewählt hat, und von den Zöllnern angehalten wurde. Nach welchen Kriterien die Zöllner Passagiere aussuchen, wollen sie nicht sagen. Zoll-Chef Weingart meint nur: «Dass wir diese Funde gemacht haben, ist auf unsere Mitarbeitenden zurückzuführen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1