Bauprojekt

Nur jeder zweite Haushalt soll ein Auto besitzen

0,5 bis 0,7 Parkplätze pro Wohnung sind von der Logis Suisse AG eingeplant.

0,5 bis 0,7 Parkplätze pro Wohnung sind von der Logis Suisse AG eingeplant.

Das geplante Genossenschaftsquartier Zentrale in Pratteln drückt die Anzahl Parkplätze auf ein Minimum.

Mindestens ein Parkplatz pro Wohnung und zusätzlich 0,3 Parkplätze für Besucher: Das verlangt das Baselbieter Gesetz beim Erstellen von neuem Wohnraum. Für die Zentrale, das geplante Genossenschaftsquartier unmittelbar beim Prattler Bahnhof (ehemaliges Coop-Verteilzentrum), würde das bedeuten: Die 500 vorgesehenen Wohnungen erfordern mindestens 650 Abstellplätze.

Im Quartierplan, der sich derzeit in der öffentlichen Mitwirkung befindet, ist aber ein Maximalwert von nur 0,5 bis 0,7 Parkplätzen pro Wohnung festgehalten. Die Bauherrin, Logis Suisse AG, nutzt nämlich eine Ausnahmeregelung, die es den Gemeinden unter gewissen Umständen erlaubt, in Quartierplänen tiefere Parkplatzquoten zuzulassen. Diese Umstände sieht Logis Suisse als gegeben an.

So sind der S-Bahnhof und zwei Bushaltestellen in unmittelbarer Nähe. Damit ist der Anschluss an den öffentlichen Verkehr sehr gut, mit dem geplanten Tram Richtung Salina Raurica würde er sogar noch besser. Ebenfalls ganz nahe führen Velorouten durch, das Areal ist zudem fast umgeben von Tempo-30-Zonen. Dank all dieser Bedingungen wird für die zukünftigen Bewohner der Anreiz, ein Auto zu besitzen, kleiner als anderswo.

Und mit baulichen Massnahmen will Logis Suisse die Quote noch tiefer halten. So soll es mehr Veloabstellplätze als gesetzlich vorgeschrieben geben. Besucher erhalten zwar eigene Autoparkplätze, diese sollen aber kostenpflichtig sein. Auto-, E-Bike- und Cargo-Sharing-Angebote auf dem Areal sollen den Besitz eines eigenen Autos für Bewohner und Gewerbetreibende unnötig machen. Und dank einer Velowerkstatt vor Ort werden ölverschmierte Hände der Vergangenheit angehören.

Alte Menschen sind seltener motorisiert

Eine Broschüre an alle Bewohner soll dazu anregen, neue Mobilitätsformen zu nutzen. Möglicherweise werden die Wohnbaugenossenschaften in einem Teil ihrer Wohnungen nur autolose Mieter zulassen, das Mietrecht lässt dies zu.

Angedacht hat Logis Suisse bereits weitere Mobilitätsangebote wie ein übertragbares U-Abo oder Generalabonnement und Mobilitätsgutscheine für autofreie Haushalte: etwa bei Sharing-Angeboten oder Transportunternehmen, zum Beispiel Reka-Checks. Für einen noch tieferen Autobesitz sollen Alterswohnungen sorgen, denn Senioren besitzen erfahrungsgemäss seltener ein Auto. Der Kanton sieht für solche Wohnungen nur 0,3 Parkplätze vor.

Wie tief Logis Suisse die Parkplatzzahl tatsächlich senken kann, wird sich erst in der Baugenehmigung zeigen.

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