Interview

«Nussbaumers moderate Art zu politisieren ist mir sicher nahe»

Daniela Schneeberger: «Der Titel des Artikels 'Schneeberger weist SPler an, sie zu wählen', überraschte und widerspiegelt in keiner Weise meine Aussagen.»

Daniela Schneeberger: «Der Titel des Artikels 'Schneeberger weist SPler an, sie zu wählen', überraschte und widerspiegelt in keiner Weise meine Aussagen.»

Die FDP-Ständeratskandidatin Daniela Schneeberger reagiert auf die Empörung, die sie mit ihrem Wahl-Aufruf an SP-Wähler ausgelöst hat.

Die Baselbieter SP konnte nicht glauben, was FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger in der «Schweiz am Wochenende» sagte. Die Thürnerin, die am Sonntag gegen die Grüne Maya Graf zum zweiten Wahlgang für den Ständerat antritt, hielt fest: «Wollen die SP-Wähler ihrer inhaltlichen Linie treu bleiben, müssen sie mir ihre Stimme geben.» Nun verteidigt Schneeberger ihre Aussage.

Sie sorgten mit Ihrem Statement auf linker Seite für Fassungslosigkeit. Wie haben Sie die heftige Reaktion der Öffentlichkeit erlebt?

Daniela Schneeberger: Ich konnte ein Stück weit die Reaktion nachvollziehen, denn insbesondere der Titel des Artikels («Schneeberger weist SPler an, sie zu wählen», Anm.d.Red.) überraschte und widerspiegelt in keiner Weise meine Aussagen. Gemäss Voransage ging es im Artikel um die Beurteilung der Panaschierstimmen der Kandidaten, was noch zu tun ist, um die Mitte zu gewinnen und ob man den ersten mit dem zweiten Wahlgang vergleichen kann. Eric Nussbaumer hat viele Mitte-Stimmen geholt – um diese Stimmen ging es. Aber wir sind in der Endphase des Wahlkampfs, da ist die Nervosität etwas grösser.

Fühlen Sie sich missverstanden? Immerhin hatten Sie die Zitate schriftlich formuliert und abgesegnet.

Wenn natürlich meine ausgesprochenen Zitate in einen anderen Kontext gesetzt werden, dann kann durchaus ein Missverständnis entstehen. Aber das ist halb so schlimm. Fakt ist, Eric Nussbaumers moderate Art und Weise zu politisieren ist mir sicher nahe. Das war immer meine Aussage. Im zweiten Wahlgang werde ich daher einige Mitte-Wähler für mich gewinnen können, auch wenn Eric Nussbaumer und ich nicht immer der gleichen Meinung sind. Es geht um eine möglichst lösungsorientierte und breit abgestützte Politik für das Baselbiet.

Um Wählerstimmen zu buhlen, gehört dazu. Was Ihnen von der SP angelastet wird, ist, dass Sie Eric Nussbaumer und Claude Janiak mit Ihren Aussagen in Ihre Nähe gerückt haben. Dabei unterstützen beide vorbehaltlos Maya Graf. Was sagen Sie zu diesem Widerspruch?

Ich verzichte in meiner politischen Arbeit auf ideologische Extrempositionen. Als Ständerätin umso mehr. Viele Sozialdemokraten politisieren vom Stil her ähnlich wie ich, unter anderen auch Eric Nussbaumer und Claude Janiak. Daher pflege ich zu ihnen auch ein aufgeschlossenes Verhältnis zu sachpolitischen Themen. Das bereichert. Inhaltlich müssen wir nicht immer auf derselben Linie sein.

Halten Sie es für realistisch, dass SP-Wähler Ihnen ihre Stimme geben? Ist es nicht entscheidender, dass Sie die Mitte-Wähler abholen?

Ja, ich kenne einige Wählerinnen und Wähler, die im ersten Wahlgang Eric Nussbaumer gewählt haben und nun mich wählen werden. Und das freut mich. Es gibt auch bei den Wählerinnen und Wählern der Sozialdemokraten Menschen, die sich eine massvolle Politik aus der Mitte wünschen und einen Politstil, der sachlich und pragmatisch ist. Ich konnte auch auf Basis von öffentlich zugänglichen Auswertungen wie Smartvote aufzeigen, dass ich eine gemässigte bürgerliche Mitte-Politik mache.

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