Pratteln

Oase im Niemandsland: Silvia und Walter sagen allen Gästen Du

Es fällt auf, das Häuslein zwischen Autobahn und Rhein. Seit bald elf Jahren wirten die Dolders in Prattelns Norden.

Es fällt auf, das Häuslein zwischen Autobahn und Rhein. Seit bald elf Jahren wirten die Dolders in Prattelns Norden.

Wo essen in der Agglomeration, wenn es schnell gehen muss? Die bz stellt die kultigsten, verstecktesten, speziellsten und natürlich besten Imbisse vor. Heute: Der Imbiss der zwei Exil-Emmentaler Silvia und Walter Dolder in Pratteln.

Das «Doso» von Silvia und Walter Dolder liegt mitten im Prattler Gewerbegebiet, irgendwo zwischen Autobahn und Rhein. Trotzdem ist ihr Imbiss leicht zu finden. Einfach beim Kampfflugzeug abbiegen, nach knapp 100 Metern plärrt das Navi: «Sie haben Ihr Ziel erreicht!»

Gemeint ist mit dem Flugzeug das Wrack einer MiG-21. Es steht auf dem Parkplatz des Military-Shop an der Rheinstrasse, dieser macht mit dem ausgemusterten Abfangjäger Reklame. In Sichtweite der MiG steht der Imbiss des Ehepaars Dolder. Er ist zwar nicht so spektakulär wie der Jet, aber hübsch dekoriert, und weil es in der Umgebung nur Brachen und Gewerbebauten hat, sticht das Häuslein umso stärker hervor mit seiner grünen Fassade und den Gardinen in Rot-Weiss.

Im Februar wird es elf Jahre her sein, seit das Ehepaar Dolder den Betrieb an der Ecke Lohag-/Netzibodenstrasse übernommen hat. «Am Anfang war es schon etwas seltsam, den Mann fast vierundzwanzig Stunden um sich herum zu haben», erzählt Silvia Dolder. Doch weil sie eine strikte Arbeitstrennung befolgten, kämen sie gut aneinander vorbei.

Seit Beginn ist die Küche ihr Reich, dann auch das Finanzielle. Er, der gelernte Elektromechaniker, kümmert sich um alles Technische und den Einkauf. Den Service erledigen sie gemeinsam.

Bei Töffrennen geschlossen

Von Montag bis Freitag zaubert Silvia Dolder ein Tagesmenü auf den Tisch. Dieses kostet 14 Franken, dazu gehört ein Salat. «Und nachfassen darf man auch», sagt Walter Dolder. «Gerade die Schichtarbeiter aus der Umgebung schätzen das, die haben einen Bärenhunger.»

Insgesamt 19 Positionen sind unter warme Küche aufgelistet, darunter Fischknusperli, Pouletflügeli, Frikadellen und Kartoffelsalat. Beim Besuch der bz lautet der Tagesteller Spaghetti carbonara, ebenso auf der Menükarte steht Siedfleisch mit Pommes frites. Die Spaghetti sind wunderbar, das Siedfleisch ebenso, die Pommes frites könnten für manchen Gaumen noch ganz ein wenig knackiger sein – doch insgesamt ist das Essen prima.

Das Siedfleisch mit Salat und Pommes schmeckt prima.

Das Siedfleisch mit Salat und Pommes schmeckt prima.

Was den Gesamteindruck zusätzlich hebt: Die Dolders wollen es ihrer Kundschaft so heimelig wie möglich machen, und das spürt man. Bei der Visite der bz scheinen sie die meisten Gäste zu kennen, viele werden mit dem Vornamen begrüsst. Doch auch die Kunden, die zum ersten Mal da sind, werden gleich geduzt. «Das machen wir bei allen so», sagt Silvia Dolder. «Auch bei Anwälten, Ärzten und sogar Polizisten.» Wem das nicht passe, sagt sie, der müsse ja nicht mehr wiederkommen.

Doch die Leute kommen wieder: Bei unserem Besuch ist die Hütte gut besetzt. Das sei der Normalzustand, versichert Walter Dolder. Normalerweise hat das «Doso» wochentags bis 22 Uhr geöffnet, freitags bis 24 Uhr. «Weil es so gut läuft», ergänzt er, «machen wir dieses Jahr auch über Weihnachten und an Silvester auf.» Ganz selten aber bleibt das Häuslein zu. Dann, wenn der Herr des Hauses auf einer Motorradpiste unterwegs ist. Der 62-Jährige fährt noch immer Rennen mit der 500 H1, seiner Oldtimer-Kawasaki.

Gekocht habe sie schon immer gerne, sagt Silvia Dolder, vor der «Doso»-Zeit jedoch nur privat. Bevor sich das Paar selbstständig machte, arbeitete sie bei der Messe Basel. Als die Firma, bei der ihr Mann angestellt war, Konkurs anmeldete, hätten sie sich gesagt: «Jetzt oder nie!»

Was bei den Dolders auffällt, ist ihr Dialekt. Beide sind im Emmental aufgewachsen, vor vierzig Jahren zogen sie ins Kleinbasel, wo sie noch heute wohnen. Aus dem Emmental bezieht das Paar immer wieder Fleisch, das es zu seinen Spezialitäten verarbeitet: Kutteln, Läberli, Gnagi, Schweinswurst, Speck.

Bleibt noch zu klären, was «Doso» bedeutet? «Es ist die Kombination der ersten beiden Buchstaben unserer Familiennamen», sagt Silvia. Ledig hiess sie Sommer.

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