Turn- und Konzerthalle Allschwil

Oberster Baselbieter Heimatschützer: «Es gab überhaupt keinen öffentlichen Diskurs über den Abriss der Halle»

Ist das Baukultur – oder kann das weg? Über den Wert der Allschwiler Turn- und Konzerthalle, der «TuK», herrscht kein Einigkeit.

Ist das Baukultur – oder kann das weg? Über den Wert der Allschwiler Turn- und Konzerthalle, der «TuK», herrscht kein Einigkeit.

Ruedi Riesen, der oberste Baselbieter Heimatschützer, beklagt das fehlende Grundverständnis für den Wert von Baukultur im Landkanton. Das zeige der Fall Turn- und Konzerthalle Allschwil: Politiker hätten ihren Abbruch bestimmt – wegen Renditedenken.

Ruedi Riesen, Kritiker des Baselbieter Heimatschutzes werfen diesem – meist hinter vorgehaltener Hand – Schutzwut vor. Es heisst, dass der Verein es am liebsten hätte, wenn man gar nichts mehr abreissen dürfte, was älter ist als vierzig, fünfzig Jahre.

Ruedi Riesen: Dieser Vorwurf trifft nicht zu. Gerne würde ich mich dieser Kritik stellen, leider war dies noch nie möglich. Wir wollen nicht einfach alles schützen. Wir fordern aber, dass man bei wertvollen Gebäuden zumindest prüft und diskutiert, ob man sie erhalten soll – das war bei der Konzert- und Turnhalle Gartenstrasse in Allschwil nicht der Fall, um nur das jüngste Beispiel zu nennen.

Wachen nicht schon genügend Stellen über die Baukultur? Es gibt den von Ihnen präsidierten Heimatschutz, die kantonale Denkmalpflege, die Ortsbildpflege und Fachkommissionen.

Die Fachstellen und Kommission haben immer weniger Kompetenzen. Und bei der Regierung fehlt ein Grundverständnis für den Wert von Baukultur. Das zeigt der Fall Allschwil exemplarisch. Heute wird allzu häufig politisch – nur politisch – entschieden, ob ein Gebäude wegkommt, von Fall zu Fall. Das ist Willkür.

Was ist das Problem, wenn die Politik entscheidet?

Dann spielen wirtschaftliche Interessen die Hauptrolle – sprich: Politiker denken bei ihrem Entscheid an die Rendite, oder zumindest haben sie diese im Hinterkopf. Die Rendite, das ist zum Beispiel die Aussicht auf einen Ertrag, der in die Gemeindekasse gespült wird, wenn ein frei werdendes Areal veräussert werden kann – so ist es ja auch in Allschwil beim Entscheid über den Abbruch der Halle. Es gab überhaupt keinen öffentlichen Diskurs.

In Allschwil hat der Einwohnerrat den Abriss der «TuK», der Turn- und Konzerthalle, abgenickt. Reicht es nicht, wenn das Ortsparlament debattiert?

Nein. Wenn nur die Politik und allenfalls Verbände über einen Abriss entscheiden, so ist das aus unserer Sicht ungenügend. Ein Fachgremium müsste erörtern, ob ein Gebäude schützenswert ist oder nicht. Eine derartige Expertise können Politiker und Laien nicht leisten. Die sind in den seltensten Fällen dafür ausgebildet.

Die Turn- und Konzerthalle Allschwil scheint kaum Freunde zu haben. Bei der Abstimmung über den Abrisskredit im Einwohnerrat gab es ausser einer Enthaltung nur Ja-Stimmen.

Für dieses Resultat dürften, wie gesagt, andere Gründe den Ausschlag gegeben haben. Fakt ist: Die kantonale Denkmalpflege kam bei ihrer Beurteilung der «TuK» zum Schluss: Das Gebäude soll kantonal geschützt werden. So steht es im kantonalen Bauinventar 2004. Allschwil ist dieser Empfehlung nicht nachgekommen. Auch das ist für mich unverständlich: Wenn eine kantonale Fachstelle ein Gebäude für erhaltenswert erachtet, kann doch nicht die Gemeinde diesen Willen einfach ignorieren. Wenn eine Fachstelle sagt, ein Bau sei erhaltenswert, dann müsste das doch Gewicht haben. Dass dann der Kanton die Gemeinde, entgegen seiner Fachkommission, stützt – solche Vorgänge sind meines Wissens nur im Kanton Baselland möglich.

Morgen Donnerstag ist im Landrat ein Vorstoss zum «TuK»-Abriss traktandiert. Der Regierungsrat hat jedoch bereits klar gemacht, dass er die Gemeinde nicht zu einer Unterschutzstellung der Halle zwingen wolle. Eine provisorische Verfügung, eine Rettung in letzter Sekunde sozusagen, ist für die Halle nicht zu erwarten.

Mit dem Denkmal- und Heimatschutzgesetz hätte der Kanton diese Möglichkeit. Die Regierung versteckt sich hinter dem Argument, man könne auch nichts machen, wenn die Eigentümer ein Gebäude nicht bewahren wollten. Das ist ein Armutszeugnis und zeigt einmal mehr, dass die Baukultur im Baselbiet politisch keine Lobby hat. Beim Umweltschutz ist das anders. Dort haben fast alle Parteien gemerkt, dass sie dieses Thema nicht einfach ausklammern können. Aber wie Tierarten, die aussterben, sind auch Gebäude unwiederbringlich weg, wenn man sie abgerissen hat. Das sind Zeitzeugen – ihre Lücken kann man nicht füllen.

Man könnte meinen, der Kanton Baselland gehe ganz schlecht mit seinen Baudenkmälern um.

Der Kanton sieht sich nicht verpflichtet, den Schutz von historisch bedeutsamen Bauten systematisch und aus einer Gesamtsicht für die Region zu definieren. Die Regierung nimmt sich aus der Verantwortung, die Geschichte unseres Kantons an der Baukultur ablesbar zu machen.

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