Coronavirus

Oberstes Ziel in den Schulen beider Basel: Kein Fernunterricht

Homeschooling soll dieses Mal in beiden Basel verhindert werden – doch wie?

Homeschooling soll dieses Mal in beiden Basel verhindert werden – doch wie?

Die beiden Basel wollen den Präsenzunterricht an Volksschulen so lange wie möglich beibehalten. Doch ist das überhaupt möglich?

«Im Frühling hiess es, die Schulen würden auf keinen Fall geschlossen. Einen Tag später verordnete der Bundesrat den Fernunterricht.» Das Szenario will Jean-Michel Héritier, Präsident der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt, dieses Mal verhindern. Beide Basel kämpfen derzeit gegen den drohenden Schullockdown an.

Héritier nennt drei Gründe: Das Homeschooling sei für die Chancengleichheit der Schülerinnen und Schüler, das soziale Netzwerk und die Alltagsstrukturen sowie die Wirtschaft die falsche Lösung. «Besonders über Letztere wird nur wenig geredet. Aber für berufstätige Eltern ist der Fernunterricht eine Herausforderung. Da leisten wir Lehrpersonen auch für die Wirtschaft einen wichtigen Beitrag.»

Doch wie lange ist es bei den steigenden Fall- und Quarantänezahlen überhaupt noch möglich, Präsenzunterricht zu betreiben? «Das ist ein Blick in die Kristallkugel», sagt Héritier, «wenn plötzlich die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler oder Lehrpersonen in Quarantäne ist, geht das nicht mehr.» Doch mit den richtigen Massnahmen könne man den Fernunterricht verhindern, ist er überzeugt. Héritier nennt beispielsweise eine Erweiterung der Maskenpflicht, nicht nur an Schulen – oder den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die Symptome aufweisen.

Gesellschafts-, nicht Eigenverantwortung

Dass es mit den richtigen Massnahmen möglich ist, die Schulen offen zu halten, betont auch Marcel Tanner, Basler Epidemiologe und Mitglied der Covid-­19-Taskforce. Die Taskforce empfiehlt zwar, dass sekundäre und tertiäre Bildungseinrichtungen wenn möglich auf Onlineunterricht umsteigen. Primarschulen hingegen sollen offen bleiben können, da Kinder nicht die Treiber der Epidemie seien.

Besonders das Recht auf Bildung und damit die Chancengleichheit seien im Homeschooling nicht für alle Bevölkerungsschichten gewährleistet. «An Primarschulen auf Fernunterricht zu setzen, ist sozial unverantwortlich.» Möglich seien offene Primarschulen schon: «Die Leute müssen natürlich konsequent mitmachen, und zwar beim gesamten Massnahmenpaket – dann geht es.»

Tanner nutzt dabei bewusst nicht das Wort Eigenverantwortung, sondern Gemeinschaftsverantwortung: «Uns geht es zu gut, deshalb schauen wir hauptsächlich auf uns selber und machen, was wir wollen.» Seine Erfahrung in verschiedenen Kulturen zeige, dass in ärmeren Verhältnissen jeweils eine höhere Gesellschaftsverantwortung herrsche. Diese erhoffe er sich auch hierzulande – sodass zwar strikte Massnahmen auch «gesellschaftlich und wirtschaftlich erträglich sind und den Menschen Ausblicke geben».

Bereit, falls der Fernunterricht kommt

Im Baselbiet will man den Präsenzunterricht ebenfalls so lange wie möglich beibehalten. Der Austausch im Klassenzimmer sei «sowohl aus pädagogischer als auch sozialer Sicht durch nichts zu ersetzen», so Fabienne Romanens, Sprecherin der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. Auf die Empfehlung der Taskforce, an sekundären Stufe den Onlineunterricht einzuführen, geht der Kanton derzeit nicht ein: Massgebend für die Baselbieter Schulen seien die Vorgaben des Bundes sowie die Lagebeurteilung des Kantonalen Krisenstabs und des Kantonsärztlichen Dienstes.

Allfällige neue Massnahmen nennt Romanens nicht – diese würden erst kommuniziert, wenn sie beschlossen seien. Die bisher getroffenen sowie auch neue Massnahmen würden aber darauf abzielen, dass Präsenzunterricht, wenn immer möglich, stattfinden könne. Dennoch hält sie fest: Die Schulen seien vorbereitet, sollte der Fernunterricht vom Kantonsärztlichen Dienst oder vom Bund angeordnet werden.

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