Label

Oberwil geht in Sachen Energie einen eigenen Weg

Energiestadt Olten

Energiestadt Olten

Oberwil ist keine Energiestadt mehr. Dabei hätte der Kanton eigentlich gerne mehr als weniger Energiestädte.

Eigentlich wäre dieses Jahr in Oberwil die Erneuerung des Energiestadt-Labels angestanden. Die Leimentaler Gemeinde hat die Auszeichnung seit 2002 – aber nicht mehr lange. Denn der Gemeinderat hat entschieden, auf die Prüfung durch externe Experten zu verzichten und aus dem Label auszutreten, teilte sie im April mit. Die Begründung: Diskussionen in verschiedenen Gremien hätten gezeigt, dass «in Bezug auf denNutzen des Labels kritische Meinungen» bestünden. «Wir hatten in den vergangenen vier Jahren nicht nur positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung», sagt Gemeinderat Peter Thanei (SP). 

Mit dem Austritt steht Oberwil nicht alleine da. Bereits 2014 war Bottmingen ausgestiegen, Begründung auch hier: «kritische Meinungen». 2017 beschlossen unabhängig voneinander Itingen und Lausen, dass der Aufwand für die Auszeichnung zu hoch sei. Andere verzichtete bewusst darauf mitzumachen, etwa Allschwil. 

Dieser Exodus widerspricht aber den Zielen, die sich der Kanton in seiner Energiestrategie 2012  gesetzt hatte und im Klimastatusbericht neulich wiederholt hat: Bis 2030 sollen alle Baselbieter Gemeinden das Label besitzen.

«Energiestadt ist eine der Möglichkeit der Gemeinden, im eigenen Handlungsfeld eine aktive Rolle zu übernehmen und gleichzeitig die Bevölkerung zum Handeln zu motivieren», schreibt die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD). Sie unterstreicht die Vorbildfunktion, die die öffentliche Hand in Energiefragen übernehmen könne. 

Wer kontrolliert die Gemeinden?

«Wir können Energieeffizienz leben, ohne beim Label Mitglied zu sein», sagt  hingegen Thanei. So wie das Bottmingen bereits vor sechs Jahren tat, setzt Oberwil jetzt auf eine eigene, noch zu erarbeitende Energiestrategie.

Doch auch das stösst auf Kritik. So befürchtet die ehemalige Gemeindepräsidentin Lotti Stokar (Grüne) im «Birsigtaler Boten», Oberwil werde sich «ohne externe Begleitung und objektive Aussensicht» mit «selbstgefälliger Nabelschau» begnügen. Dem widerspricht Thanei: «Wir handeln ja nicht im luftleeren Raum. Von verschiedenen Seiten, unter anderem der Bevölkerung, wird uns auf die Finger geschaut. Das Ziel ist eine griffige Energiestrategie und keine Jagd nach Punkten.»

Reinach ist der Musterschüler des Kantons

Mit dem Label verzichtet Oberwil auch auf die externen Kontrollen, die die Zusammenarbeit mit dem Verein Energiestadt mit sich bringten. Genau diese Kontrollen sind einer der Hauptgründe, warum Reinach seit 21 Jahren Energiestadt ist.

«Wir nehmen uns mit dem Label selber in die Pflicht, indem wir kritische Experten untersuchen lassen, was wir tun», sagt Gemeinderätin Doris Vögeli (BDP). «Ohne Label könnten wir einfach sagen, wir würden uns um Energie kümmern, und trotzdem einfach nichts tun.» 

Reinach ist Baselbieter Musterschüler und erhielt letztes Jahr das Gold-Label, mit 75,8 Punkten. Oberwil hingegen war 2016 das Schlusslicht im Kanton, mit 53 von 50 nötigen Punkten.

«Das ist nicht der Grund, warum wir aussteigen wollen», betont Thanei. «Wir hätten das Label auch jetzt wieder knapp erreicht.» Aber der Aufwand wäre gross geworden. «Wir verwenden unsere finanziellen und personellen Ressourcen besser für die Umsetzung unserer Energiestrategie.» 

Kanton will keine fachliche Unterstützung anbieten

Zudem seien inzwischen viele Bereiche gesetzlich geregelt, sodass es gar kein Label mehr brauche. Und er ist überzeugt: Das Fachwissen, das die Experten der Energiestadt vermitteln können, liefern auch Bund und Kanton.

Das könnte die Baselbieter Verwaltung zwar tun – tut es aber bewusst nicht. Die Gemeinden sollen stattdessen die Dienstleistungen der Energiestadt in Anspruch nehmen, heisst es in der BUD: «Auch wenn der Kanton die entsprechenden Kompetenzen aufbauen könnte, macht es einfach keinen Sinn, eine Parallelorganisation zur Energiestadt aufzubauen.» 

Meistgesehen

Artboard 1