Strassenbau

Oberwil überzeugte den Kanton: Langmattstrassen-Verlängerung klar versenkt

Die Verlängerung der Langmattstrasse, heute eine Sackgasse, sollte Verkehrsprobleme im Leimental lösen. Doch das Baselbiet hat Nein gesagt.

Die Verlängerung der Langmattstrasse, heute eine Sackgasse, sollte Verkehrsprobleme im Leimental lösen. Doch das Baselbiet hat Nein gesagt.

Nach dem Nein zur Langmattstrasse sehen die Autokritiker in der Verkehrspolitik eine neue Ära angebrochen. Für Regierungsrat Isaac Reber hingegen ist das Nein «eine verpasste Chance».

Das Leimental erhält keine neue Querung, die die beiden Talstrassen miteinander verbindet. Das Baselbieter Stimmvolk sagte mit 32'550 Stimmen (54,4 Prozent) Nein zum entsprechenden Eintrag in den kantonalen Richtplan. 27'319 (45,6 Prozent) stimmten dafür. Keine Chance hatte die Vorlage in der meistbetroffenen Gemeinde Oberwil, die für die Strasse eine grüne Wiese hätte opfern müssen. Dort legten fast zwei Drittel ein Nein ein. Eher überraschend kam auch aus Therwil ein Nein – wenn auch ein knappes – obwohl die Gemeinde mit der Strasse wohl weniger Verkehr gehabt hätte.

Ein eher knappes Ja gab es in Reinach, Aesch, Bottmingen und vereinzelten kleinen Gemeinden in den anderen Kantonsteilen. Ausserhalb des Bezirks Arlesheim fand das Anliegen kaum Anklang. Liestal zum Beispiel war fast so deutlich gegen die Strasse wie Oberwil.

Weitere Strassenprojekte werden schwierig

Für das mehrheitliche Nein der Stimmbürger ausserhalb des Leimentals hatte der Biel-Benkemer Landrat und ACS-Präsident Andreas Dürr (FDP) gestern eine Erklärung: «Wer nicht mal weiss, wo die Langmattstrasse ist, dachte sich: Wenn schon die Standortgemeinde die Strasse nicht will, zahlen wir sicher nicht auch noch dafür.» Das habe den Ausschlag gegeben.
Von den Oberbaselbietern ist er enttäuscht. «Wir unterstützen sie bei ihren Projekten, sei es das Läufelfingerli oder die Umfahrung Sissach. Jetzt hatten wir im Leimental ein Anliegen und erhielten keine Unterstützung.»

Zudem sei es heute sehr einfach, eine Strasse zu verhindern. «Man zeigt eine grüne Wiese und sagt, dass sie verschwinden soll – und schon hat man gewonnen.» Deshalb werde es auch beim nächsten Strassenprojekt schwer, es beim Volk durchzubringen. Gleichzeitig ist Dürr überzeugt: «Der Trend wird kehren. Der Leidensdruck auf den Strassen wird steigen, und dann wird man wieder welche bauen.»

Für Strassengegner «richtungsweisend»

Das sehen die Strassengegner naturgemäss anders. Für sie ist das gestrigen Nein ein weiteres richtungsweisendes Zeichen dafür, dass die Baselbieter eine andere Verkehrspolitik wünschen – nachdem sie 2015 bereits Elba bachab schickten, die Südumfahrung Basels von Allschwil ins Birseck. «Es wird in Zukunft schwierig sein, ein reines Strassenprojekt über die Köpfe der direkt Betroffenen durchzusetzen», ist der Binninger SP-alt-Landrat Marc Joset überzeugt. «Die Betonrezepte der 60er-Jahre gehören endlich archiviert», forderte gestern der VCS beider Basel.

Dessen Co-Präsident Dominik Beeler analysierte das Ergebnis so: «Die Leute wollten nicht über die Köpfe von Oberwil hinweg entscheiden. Sie hatten Elba im Kopf und zeigen, dass sie Lösungen wollen, die wirklich weiter bringen. Sie wollen eine andere Verkehrspolitik, dieser Wandel hat in den Köpfen stattgefunden.»

Regierungsrat Reber will keine Verkehrsrevolution

Bei diesem «Richtungsentscheid», so Beeler, setzen er und seine rot-grünen Mitstreiter ihre Hoffnungen auf Isaac Reber, seit Sommer Vorsteher der kantonalen Bau- und Umweltschutzdirektion. Denn der ist ein Grüner. «Die Voraussetzung für einen Wandel in der Baselbieter Verkehrspolitik ist derzeit so gut wie noch nie», sagt Beeler. Rebers Vorgängerin Sabine Pegoraro (FDP) habe immer nur neue Strassen auf grüne Wiesen bauen wollen, «das geht jetzt nicht mehr».

Da könnten sich die Autokritiker aber täuschen. Reber war im Abstimmungskampf zwar nicht in Erscheinung getreten. Doch gestern bezeichnete er das Nein zur Langmattstrasse als «eine verpasste Chance». Er schaue Verkehrsfragen pragmatisch an, erklärte er. «Jedes Verkehrsmittel am richtigen Ort», laute seine Devise. «Ich halte nicht viel von Schwarz-Weiss-Denken in der Politik.»

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