Der vergangene Sommer hat vieles in rauen Mengen gebracht: Hitze, Sonne, Trockenheit. Und Obst. Die Ernteerträge im Baselbiet waren so hoch, dass viele Private nicht mehr wussten, was sie mit den Früchten aus dem eigenen Garten noch machen sollten. «Nachdem man bereits kiloweise Konfitüre gemacht hat, das Gefrierfach voll ist und noch immer Obst übrig ist, was dann?», fragt Dora Meier von «Posamenter» an der gestrigen Pressekonferenz.

Ebendiese Frage will sie für künftige Ernten beantworten: In Gelterkinden hat sie die grösste Dörranlage der Region in Betrieb genommen. In die- ser trocknet sie mit ihren Mitarbei- tern Gemüse, Früchte und Kräuter für Landwirte oder Private.

Gegen Food Waste

Bereits seit Jahren arbeitet «Posamenter» in der Verarbeitung von Hochstammfrüchten. «Hochstammbäume sind für die Biodiversität und auch für das Landschaftsbild ein wichtiger Faktor», so Dora Meier. Ein Teil der Arbeit war schon immer, Hochstammfrüchte von Kunden zu trocknen. Der steigenden Nachfrage konnte Meier aber schon bald nicht mehr nachkommen, wie sie erzählt. Früchte mussten daher zum Trocknen oft in andere Kantone gebracht werden.

Deshalb wendete sich Meier 2015 an das Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung. Dieses hatte eben ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das Spezialkulturen unterstützen soll – dazu gehören auch Hochstammbäume. Doch für ein Gesuch für eine grössere Dörranlage musste «Posamenter» auch einen eigenen Beitrag einbringen. «Das Ziel ist, dass das Projekt auch mal selbsttragend wird», erklärt Urs Weingartner vom Ebenrain-Zentrum. In einer dreimonatigen Crowdfunding-Aktion sammelte Posamenter 16 000 Franken. Gemeinsam mit den Förderbeiträgen reichte dies für die neue Anlage.

Diese muss zwar dauernd am Strom angeschlossen sein, aber: «Danach kann die Ware dafür ungekühlt gelagert werden», so Andrea Buser von «Posamenter». Ausserdem werde durch die Anlage Food Waste verhindert. Die neue Anlage kann pro Monat drei Tonnen Äpfel, anderthalb Tonnen Zwetschgen oder eine Tonne Kirschen trocknen. Für 3 Franken pro Kilo Frischgewicht können Private ihre Früchte, Gemüse oder Kräuter trocknen lassen.

Mosterei rüstet auch auf

«Posamenter» ist nicht der einzige Landwirtschaftsbetrieb der Region, der diese Saison aufrüstet. Auch die Mosterei in Zunzgen investiert in eine neue Anlage: Noch diese Woche soll ein Rotationsentsteiner ankommen, wie Felix Schweizer von der Mosterei erzählt. «Die Ausbeute sollte mit der neuen Anlage deutlich steigen», erklärt Schweizer. Auch er verarbeitet Früchte wie Kirschen, Zwetschgen oder Äpfel auf Auftrag von Privaten.