Bretzwil

Obstbauer will sich durch Frostschäden nicht entmutigen lassen

Der Bretzwiler Obstbauer Bernhard Straumann hatte Ende April Geburtstag, konnte diesen jedoch nicht gebührend feiern. Zu gross war der erste Schock der Frostnächte. Er lässt sich davon aber nicht entmutigen.

Er hat sich erholt vom Schock. Sitzt am Küchentisch und redet über die Frostnächte im April und deren Folgen. Bernhard Straumann, der den Hof Oberfeld ob Bretzwil bewirtschaftet, hat an seinem 39. Geburtstag am 20. April nichts zu feiern gehabt.

«Just in der Nacht zuvor kam die grosse Kälte. Das war die schlimmste Nacht meines Lebens, himmeltraurig», erzählt er. Er tat kein Auge zu und musste zusehen, wie draussen der Schnee flimmerte und der Frost seine Plantage mit Kirschen- und Zwetschenbäumen arg in Mitleidenschaft zog. Es folgte gleich eine zweite kalte Nacht, selbst Frostkerzen nützten nichts mehr. Grosse Verzweiflung.

Klumpenrisiko

Der Bretzwiler Obstbauer, Vater von zwei Kindern, beziffert den Schaden an seinen Kulturen auf mehrere 10 000 Franken. 95 bis 100 Prozent der möglichen Ernte wurden vernichtet. Obstbau ist Straumanns Haupterwerbszweig und somit ein Klumpenrisiko. Für die vierköpfige Familie fällt das Einkommen heuer grösstenteils weg, nur dank Direktzahlungen fliesst noch Geld. Die Rindermast, die sie nebenbei betreibt, ist knapp kostendeckend.

«Nun müssen wir schauen», meint der 39-Jährige. Wenns schlimm komme, müssten sie den Nothilfekredit der Kreditkasse beanspruchen. Der laufende Investitionskredit ist bereits bis Herbst 2018 gestundet. Straumann steht in Kontakt mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach und dem Bauernverband beider Basel. Der Kanton plant, Geschädigten finanziell unter die Arme zu greifen. Auch Reben und Beerenkulturen sind verfroren.

Derart massive Frostschäden hat Bernhard Straumann, der den Hof seit 2002 in vierter Generation führt, noch nie erlebt. Aber sein Vater. Letztmals schlug die Kälte vor 40 Jahren ebenfalls schonungslos zu. Straumann kann wegen des Ausfalls der Ernte seinen polnischen Mitarbeiter dieses Jahr nur zwei statt fünf Monate beschäftigen. Auch seine Hilfskräfte aus dem Dorf wissen um die prekäre Situation und müssen auf ihre Entschädigung verzichten. «Glücklicherweise sind sie auf dieses Taschengeld nicht angewiesen», so Straumann erleichtert.

Dessen Obstbaumplantage umfasst drei Hektaren und zählt 2500 Niederstammbäume; 60 Prozent Zwetschgen, 40 Prozent Kirschen. Der Bretzwiler plant, seine Anlage um eine bis zwei Hektaren zu vergrössern. Diesen Sommer will Bernhard Straumann ein Vorhaben realisieren, das schon länger in seinem Kopf herumgeistert: eine Bewässerungsanlage für die Baumplantage – mit 100-prozentiger Eigenleistung.

«Jetzt erst recht!»

Nach dem Horrorerlebnis letzten Monat heisst Straumanns Devise: vorwärtsschauen. «Ich glaube nach wie vor an den Obstbau. Solche Naturereignisse gehören zu meinem Beruf, das muss ich akzeptieren.» Da müsse man durch. Das lerne einen Bescheidenheit. Und man merke, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Der Bretzwiler sagt sich: «Jetzt erst recht!»

Aus der Dorfbevölkerung spürt Familie Straumann grosse Solidarität. Sie fühle mit, Hilfe werde angeboten. «Das tut gut», betont der Landwirt. Aber sie dürften nicht jammern: «Oje, wir sind die Ärmsten. Denn anderen Bauern geht es wie uns.»

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