Muttenz

Oldtimer-Sonderausstellung im Pantheon: Der Stern leuchtet auch in der Krise

Modelle wie der silberne 300 SL und der orange 190 SL waren in den 1950er-Jahren die Lieblingsautos der Filmstars.

Modelle wie der silberne 300 SL und der orange 190 SL waren in den 1950er-Jahren die Lieblingsautos der Filmstars.

Nach langer Wartezeit feiert im Muttenzer Pantheon eine neue Oldtimer-Sonderausstellung Eröffnung.

Klar, das sei jetzt ein schwieriges Jahr. «Aber andere hat es noch viel schlimmer getroffen.» Stephan Musfeld ist es laut eigenen Angaben nie in den Sinn gekommen, Coronastaatshilfen zu beantragen. Noch immer ist er dankbar dafür, dass er im vergangenen Jahr eine Ausschüttung aus dem Lotteriefonds erhalten hat. Die jetzige Krise will der Pantheon-Besitzer aus eigener Kraft überstehen. «Monatelang hatten wir überhaupt keine Besucher. Immerhin läuft das Restaurant sehr gut.»

Am Montag hat Musfeld im Muttenzer Oldtimer-Museum seine jüngste Sonderausstellung eröffnet. Endlich wieder, müsste man hinzufügen. Covid-19 hat den sonst für neue Ausstellungen üblichen Halbjahresrhythmus über den Haufen geworfen. Die Jubiläumsschau zu den Spezialanfertigungen des Schweizer Carrossiers Hermann Graber lief daher ein volles Jahr, was ursprünglich nicht vorgesehen war.

«Auch dies ein Zeichen für die Coronakrise», findet der pensionierte Basler Bauunternehmer, «dass die Besitzer so lange auf ihre Fahrzeuge verzichtet und uns als Leihgaben zur Verfügung gestellt haben. Graber-Fahrer sind sonst sehr viel mit ihren Fahrzeugen unterwegs.» Viele organisierte Ausfahrten sind abgesagt worden. Ebenso läuft, wie andere spezialisierte Händler bestätigen, der Schweizer Oldtimer-Markt momentan äusserst verhalten.

Der Hingucker darf nicht fehlen

Diese permanente Unsicherheit schwebt auch über der inzwischen 26. Sonderausstellung seit der Pantheon-Gründung 2008. «Wir wissen ja nicht, welche Vorschrift als nächste kommt», rätselte Musfeld vor der gestrigen Ankündigung des Bundesrats. Die jetzt im Museumsrund geltende Maskenpflicht hätten die ersten Besucher indes problemlos akzeptiert. Für ihn ist es wichtig, mit der Eröffnung ein hoffnungsvolles Zeichen zu setzen. Bereits ist Musfeld daran, die Nachfolgeschau in sechs Monaten zusammenzustellen; zu welchem Thema, verrät er noch nicht.

Für die aktuelle Sonderausstellung über Mercedes sind 25 Fahrzeuge aus eigener Kollektion, von befreundeten Sammlern und Händlern zusammengekommen. Diese stellen die Geschichte der Stuttgarter Traditionsmarke zwischen 1886 und 1983 dar: vom Ur-Benz, dem Pantheon-eigenen Nachbau des dreirädrigen Patent Motorwagen mit 0,75 PS, bis zum sportlichen 280 SL, einem «Alltagsklassiker» der Neuzeit.

Natürlich darf als besonderer Hingucker der silberne Flügeltürler 300 SL von 1956 nicht fehlen

Das legendäre einstige Lieblingsspielzeug von Filmstars und Millionären wurde von einem anonymen Sammler zur Verfügung gestellt. Gleich daneben steht in leuchtendem Orange der eine winzige Spur weniger glamouröse, aber nicht minder elegante 190 SL von 1959. Den vielleicht überraschendsten Anblick bietet dagegen die mächtige, graue Zivilversion des 190er-Binz-Kastenwagens von 1957, den man sonst nur als Rettungs- oder Einsatzfahrzeug aus alten deutschen Schwarz-Weiss-Filmen kennt.

Lässt er den Blick über die geschwungene Pantheon-Rampe gleiten, staunt selbst Stephan Musfeld über Grösse und Ausstrahlung dieser Vehikel. «Das sind absolut fantastische Fahrzeuge.» Darüber hinaus auch gewissenhaft gepflegt und in perfektem Zustand; was wiederum für deren Besitzerschaft und die Mercedes-Liebhaber im Allgemeinen spreche. Hier schneidet der Experte auch ein Thema an, das für die Szene doch noch als Hoffnungsschimmer in trüben Coronazeiten dienen mag.

Viele Oldtimer stehen einfach herum

Freudig erstaunt stellt der Ostschweizer Oldtimerspezialist Markus Tanner fest, dass zwar An- und Verkauf stagniere, dafür aber die Nachfrage nach Instandsetzungs-, Reparatur- und Wartungsarbeiten regelrecht explodiert sei. «Ich habe zahlreiche Anfragen von Leuten, die jahrelang nichts an ihren alten Autos gemacht haben oder diese einfach herumstehen liessen. Jetzt aber wollen sie ihre Fahrzeuge wieder herrichten lassen.» Mit den entsprechenden Aufträgen komme der CEO und Gründer der Classic Car Connection AG im sankt-gallischen Lichtensteig fast nicht mehr nach.

Für Tanner ist der Grund klar: «Das Geld, das sonst für den Ferienflug in die Karibik gesteckt wurde, wird nun zur Wertsteigerung in den eigenen Oldtimer investiert. Das sorgt dafür, dass es für uns trotz Corona unter dem Strich aufgeht.»

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