Strafgericht

Opa Knack wollte bloss die Polizei ärgern

Das Baselbieter Strafgericht hat den Rentner bereits zum dritten Mal verurteilt.

Das Baselbieter Strafgericht hat den Rentner bereits zum dritten Mal verurteilt.

Ein Rentner aus Deutschland muss wegen seiner Einbrüche in der Schweiz für sechs Jahre ins Gefängnis. Es ist schon seine sechste Verurteilung. «Er ist ein Berufsverbrecher mit einer ausserordentlichen Unverfrorenheit», sagte die Gerichtspräsidentin.

Der Mann war sowohl in Liestal wie auch im Leimen- und Laufental aktiv, bis er im März 2014 verhaftet wurde. Praktisch immer suchte er sich freistehende Einzel- oder Doppeleinfamilienhäuser aus, bohrte winzige Löcher in die Fensterrahmen und betätigte so den Öffnungsmechanismus.

Während die meisten Einbrecher peinlich genau darauf achten, beim Ausräumen der Häuser nicht gestört zu werden, schien er es teilweise gar darauf anzulegen: Trotz ausgelöstem Alarm nahm er sich etwa auch weitere Stockwerke vor, und brach auch dann noch in Häuser ein, nachdem er eindeutig gesehen hatte, dass jemand da ist. So brach er einmal trotz anwesender Bewohner im oberen Stock über die Balkontüre ein, schlenderte nach unten und verliess das Haus über die Kellertüre. «Er ist ein Berufsverbrecher mit einer ausserordentlichen Unverfrorenheit», stellte Gerichtspräsidentin Monika Roth gestern fest. Er sei ein «kaltschnäuziger und uneinsichtiger Delinquent».

Die fünf Richter verurteilten den Mann wegen gewerbsmässigen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Bei allen angeklagten 35 Fällen gab es einen Schuldspruch, teilweise blieb es bei einem versuchten Einbruch. Insgesamt erbeutete der Mann rund 70 000 Franken an Schmuck und Bargeld, sein Gebohre verursachte einen Sachschaden an Fenstern und Türen von 45 000 Franken. Hilfreich waren in vielen Fällen seine zurückgelassenen DNA-Spuren; auch Fussabdrücke halfen bei der Identifizierung. Etwa die Hälfte der Delikte gab der Mann schliesslich zu.

Dauergast vor Gericht

Ob der Mann überhaupt jemals legal Geld verdient hat, blieb vor Gericht unklar: Alleine in der Schweiz sass er insgesamt bereits fast sieben Jahre wegen Einbrüchen hinter Gitter. Seit den späten 1990er-Jahren dürfte er das Land auch gar nicht mehr betreten. Das Urteil am Mittwoch war seine dritte Verurteilung vor dem Baselbieter Strafgericht und seine insgesamt sechste Verurteilung in der Schweiz. Er kann das Urteil noch weiterziehen.

Der 67-Jährige hatte behauptet, er habe zwischendurch gearbeitet und dabei für süddeutsche Unternehmen kleine Reparaturen ausgeführt. Sein Deliktgut habe er teilweise an Randständige verschenkt, und als Motiv für seine Einbrüche gab er auch an, er habe die Polizei ein wenig ärgern wollen. «Das sind vielleicht nette Gutenachtgeschichten, aber das Gericht hat diesen Aussagen nicht die geringste Glaubhaftigkeit zugeordnet», sagte Monika Roth dazu kopfschüttelnd.

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