Uhren

Oris setzt eine Uhr auf Diät

Das Kohlefaser-Gehäuse in verschiedenen Produktionsphasen und sogenanntes Prepregs-Gewebe.

Das Kohlefaser-Gehäuse in verschiedenen Produktionsphasen und sogenanntes Prepregs-Gewebe.

Die Tüftler der Uhrenwerkstatt Oris haben sich wieder mal etwas einfallen lassen: Ein Uhrengehäuse aus Karbonfaser. Das macht die neue Uhr aus Hölstein zum Leichtgewicht. Sie ist gerade mal 7,2 Gramm schwer.

Die Tüftler der Uhrenwerkstatt Oris haben sich wieder mal etwas einfallen lassen: Ein Uhrengehäuse aus Karbonfaser. Sie seien in der Branche vielleicht nicht die ersten, die Karbonfaser verwendeten, aber die ersten mit dieser Technologie, sagt Technik-Chef Beat Fischli von Oris. Das Gehäuse sei nicht einfach mit diesem Kohlefaser-Gewebe überzogen, sondern innerhalb der Gehäuse-Wände – Schicht für Schicht aufgebaut – ganz aus diesem schwarzen Material. Damit es seine Festigkeit erhält, wird es mit fünf Bar Druck bei 130 Grad «gebacken». Danach wird das 7,2 Gramm leichte Gehäuse von Hand bearbeitet. Das Uhrwerk der Firma ETA wird eingesetzt, die Lünette reingepresst, die Armbandbügel gebohrt.

Die Technologie wurde zusammen mit einer kleinen Firma im Berner Seeland entwickelt und dauerte anderthalb Jahre. Dieser Prozess gestaltete sich als sehr anspruchsvoll. «Es war Versuch und Irrtum. Immer wieder ausprobieren. Wir haben gelitten dafür, aber es war ein Vergnügen», sagt Fischli. Das Verfahren hat Oris natürlich patentieren lassen.

Das Resultat kann sich sehen lassen – und auch wägen: Die Uhr ist sehr leicht. «Karbonfaser ist fünfmal leichter als Stahl und doppelt so zäh», sagte Beat Fischli diese Woche an einer Präsentation am Oris-Hauptsitz in Hölstein.

Die schnellste Uhr der Welt

Zugegen war auch der finnische Formel-1-Pilot Valtteri Bottas (27) als Markenbotschafter. Der Grund: Es gibt jetzt eine auf 770 Stück limitierte Serie dieser neuen Uhr. Bottas ist Fahrer des Williams-Teams, mit dem Oris seit 2003 zusammenarbeitet. Er hält den Geschwindigkeitsrekord in der Formel 1 (378 km/h).

Was Rennsport und Uhren verbindet, wollten wir von ihm wissen. «Es sind mehrere Dinge. Die Präzision und die Tatsache, dass Rennsport auch immer mit Zeitmessung zu tun hat. Es werden Rundenzeiten gemessen, Boxenstopps. Und es geht überall um Details.» Ausserdem wird Kohlefaser immer mehr auch im Autobau eingesetzt, nachdem es sich auch in der Aviatik durchgesetzt hat. Flugzeuge wie Boeing 787 oder Airbus 350 sind zur Hälfte aus diesem Werkstoff.

Eine Uhr trage er durchaus auch aus praktischen Gründen. «Immer das Smartphone aus der Tasche zu ziehen – so praktisch ist das ja nicht», sagt Bottas. Und natürlich sei der Look super. Ohne Uhr fühle er sich nackt. Trotzdem: An Rennen trage er nie eine Uhr. Und wie steht es mit dem Zeitgefühl? Weiss er, wie schnell er ist, wie gut eine Runde gelaufen ist? «Ja, auf alle Fälle. Das Interessante ist, dass die Zeit so rasch vorbei geht bei einem Rennen. Eine Renndistanz ist beispielsweise 300 Kilometer. Aber das geht so rasch vorbei, wenn man fokussiert ist.» Am Sonntag sei es wieder so weit. Da geht es in Monza an den Start.

Die Uhr kommt in den nächsten Wochen auf den Markt und kostet 4350 Franken.

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