Für den Vierspurausbau samt Wendegleis für die S-Bahn investieren die SBB in Liestal 356 Millionen Franken. In diesen Kosten ist alles enthalten, was direkt mit der Erweiterung der Bahninfrastruktur zu tun hat. Was nicht nur der SBB, sondern auch Liestal einen Mehrnutzen bringt, daran muss sich die Stadt beteiligen. Das sind insbesondere die beiden breiteren und behindertengerechten Personenunterführungen ins Oristal und ins Sichtern-Quartier. Und all das, was die Stadt in einem Wisch mit dem Vierspurausbau realisieren will, für die SBB aber nicht notwendig ist, muss Liestal alleine berappen. Das sind das Veloparking auf der Nordseite des Bahnhofs und die ebenerdigen Velo- und Fussgängerverbindungen entlang der Bahnlinie auf der Südseite, die sogenannten Schwieri- und Sichternstege (siehe Grafik).

Das will Liestal im Rahmen des Vierspurausbaus auf eigene Rechnung bauen: Das Veloparking nördlich und den Geh- und Veloweg südlich der Gleise.

Das will Liestal im Rahmen des Vierspurausbaus auf eigene Rechnung bauen: Das Veloparking nördlich und den Geh- und Veloweg südlich der Gleise.

Am Mittwochabend diskutierte der Einwohnerrat nun über die zusätzlichen Vorhaben mit beachtlichem Preisetikett. Doch Thomas Eugster (FDP), Präsident der vorberatenden Bau- und Planungskommission (BPK), relativierte schon mal die Kosten für das teuerste Teilprojekt, das mit knapp fünf Millionen budgetierte, unterirdische Veloparking: «Das Agglo-Programm sollte einen 40-prozentigen Kostenanteil übernehmen. Wir können davon ausgehen, dass eine entsprechende Kostengutsprache erfolgt.» Für die BPK sei das Veloparking in der geplanten Form direkt beim Bahnhof und mit direkter Zufahrt von der Oristalunterführung her die optimale Variante.

«Packen wir die Chance»

Auch die beiden Stege auf der Bahnhofsüdseite wertete der BPK-Präsident positiv. Sie seien «eine gute Verbindung für den Langsamverkehr», die es bis anhin nicht gegeben habe. Nicht einstimmig, aber mehrheitlich stand die Kommission hinter dem Stadtrat bezüglich einer möglichen Verlängerung der Fussgängerunterführung ins Oristal unter der Oristalstrasse durch. Dies würde den Fussgängern, allen voran den vielen Schülern ins Sichternquartier die Traversierung der mit einem Lichtsignal versehenen Oristalstrasse ersparen.

Für den Stadtrat war diese Unterführungsverlängerung mit Kosten gegen zwei Millionen Franken zu teuer, weshalb er sie nicht in die Vorlage aufgenommen hat. Auch Eugster meinte nun am Mittwoch: «Wir haben Zweifel, ob die Unterführung auch wirklich benutzt würde. Das ist ein Nice-to-have-Projekt mit keinem guten Kosten-Nutzen-Effekt.»

Das sahen auch die Ratsmitglieder so und nahmen ansonsten den positiven Grundton der BPK unisono auf. So sagte etwa Patrick Mägli (SP): «Der Vierspurausbau der SBB bietet uns einmalige Möglichkeiten für Verbesserungen. Packen wir die Chance.» Von Sonja Niederhauser (Mitte-Fraktion) tönte es so: «Beim Veloparking gibt es eine gewisse Skepsis aus finanzieller Sicht. Aber der Standort ist einmalig, kein Autofahrer kann so zentral parkieren.»

Auch SVPler setzt aufs Velo

Und Peter Bürgin (FDP) meinte: «Es geht zwar um einen grossen Betrag, aber der ist vertretbar. Das Gesamtprojekt gefällt uns sehr.» Stadtrat Franz Kaufmann zeigte sich erleichtert über die gute Aufnahme und verriet ein Kommissionsgeheimnis aus der BPK, das bezeichnend ist für die geplante Aufwertung des Langsamverkehrs: «Das Highlight war für mich, als Markus Rudin von der SVP, der kein ideologischer Velofahrer ist, bei der Beratung sagte: ‹Wenn es mir pressiert im Raum Liestal, werde ich das E-Bike nehmen.»

Beschliessen über die brutto 6,63 Millionen Franken schwere Vorlage, von der noch die erwarteten Beiträge von Agglo- und Pendlerfonds in Abzug kommen, wird der Einwohnerrat in der zweiten Lesung im Mai. Die Prognose, dass er dann einstimmig Ja sagen wird, ist wenig riskant. Über das Veloparking muss angesichts der Kostenhöhe noch das Volk an der Urne abstimmen.