Homburgerbach

Paradox, aber wahr: So retten Zivilschützer Fische mit Elektroschocks

Der Unterlauf des Homburgerbachs musste wegen der anhaltenden Trockenheit ausgefischt werden.

Ein Generator knattert. Mitten im Homburgerbach stehen vier Zivilschützer: grüne Fischerhosen, schwarze Gummihandschuhe. Der Bachlauf ist ausgetrocknet, hier und da wächst Löwenzahn auf dem eigentlichen Grund des Bachs. Niggi Weissen wischt sich mit dem Arm Schweiss von der Stirn und taucht das Netz des Elektrofischgeräts in eine grössere Pfütze. Der Generator auf seinem Rücken verstummt kurz, ein Stromstoss durchzuckt das Wasser. Markus Buchs fährt mit einem Netz durch die Gumpe und tatsächlich: Zwei kleine Fischchen zieht er heraus und lässt sie in einen Eimer gleiten. Es sind zwei Groppen.

Hier am Unterlauf des Homburgerbachs sind nur noch einzelne Stellen nicht ausgetrocknet. Entsprechend wenig Fische sind noch in den Pfützen zu finden. Und diese wenigen müssen unbedingt raus und umgesiedelt werden. Die anhaltende Trockenheit macht den Gewässern zu schaffen. Der Homburgerbach sei einer der ersten Bäche, den man ausfischen müsse, sagt Daniel Zopfi vom Amt für Wald beider Basel.

Zu warm, zu trocken

Zwei Gruppen Zivilschützer schwärmen aus und retten, was noch zu retten ist. Je weiter sie den Homburgerbach von Sissach aus hinaufsteigen, desto mehr Fische zappeln in den Netzen. Die anhaltende Hitze hat den Bach auf 18-20 Grad aufgewärmt, normal sei im Jahresverlauf eine Temperatur zwischen 5 und 15 Grad. Bei 24 Grad werde es richtig heikel für die Fische, darum müssen sie raus, erklärt Holger Stockhaus vom Amt für Wald beider Basel. Und je weniger Wasser es im Bach hat, desto schneller werden die einzelnen Pfützen aufgeheizt.

Hier wird der Homburgbach ausgefischt

Hier wird der Homburgerbach ausgefischt

Fast wortlos schreiten Niggi Weissen und Markus Buchs den Homburgerbach hinauf. Hier und da halten sie an und setzen einzelne Wasserflecken kurzzeitig unter Strom. Die beiden sind speziell ausgebildet worden fürs Ausfischen. Über 20 solcher Spezialisten gibts im Kanton Baselland, vier sind am Homburgerbach im Einsatz. Weissen und Buchs sind selber Fischer. «Am besten sind die Forellen unter Steinen und Ufervorsprüngen zu finden», sagt Weissen und ergänzt: «Ich halte das Elektronetz einfach dorthin, wo ich sonst die Fischerrute hinhalten würde.»

Einige Minuten regungslos

Bis zur ersten Pause konnte er nur wenige finden. Das liegt einerseits dran, dass es kurz vor dem Sissach nur noch wenige Pfützen gibt, wohin sich die Fische retten können. Andererseits wurde der Bach bereits vor zwei Jahren ausgefischt, entsprechend klein ist die Population.
Die Fische sind durch den Elektroschock, mit maximal 600 Volt, zuerst einige Minuten regungslos. Nach und nach erholen sie sich aber und schwimmen munter in Wassertanks herum.

Dort werden sie gesammelt und später wieder ausgesetzt. In der Ergolz, unterhalb der ARA in Sissach, wird ihre neue Heimat sein. «Lieber ein wenig dreckiges Wasser als gar keins», sagt Holger Stockhaus. Der Vorteil einer Kläranlage sei, dass konstant Wasser in den Bach oder Fluss darunter gelangt. Deshalb beobachtet er und Daniel Zopfi die Zusammenlegung von Abwasserreinigungsanlagen kritisch, weil dadurch gesicherte Wasserquellen für gewisse Bäche versiegen.

Bäche trocknen aus: Fische werden gerettet

Bäche trocknen aus: Fische werden gerettet

Beim sogenannten "Abfischen" werden die Fische mit Strom betäubt, aus dem Wasser geholt und an einem Ort ausgesetzt, an dem sie überleben können.

Eibach bald auch ausgefischt?

Mittlerweile befinden sich gut vierzig Fische im Tank. Darunter recht grosse Forellen. «Einmal fanden wir beim Ausfischen eine Forelle, die gut 60 Zentimeter gross war. Da bin ich schon etwas erschrocken», sagt Daniel Zopfi. Die grössten Exemplare, die sich beim diesjährigen Ausfischen im Tank tummeln, sind um die 30 Zentimeter lang. Noch um die Jahrtausendwende herum, war das Ausfischen eines Bachs noch nicht häufig nötig. «Mittlerweile müssen wir alle zwei Jahre», so Zopfi. Er rechnet damit, dass es auch in anderen Bächen zu Ausfischaktionen kommen wird. Als Nächstes wohl im Eibach.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1