Das Prinzip von Park and Ride (P+R) ist einfach: Man fährt mit dem Auto zu einem eigens eingerichteten Parkplatz in der Agglomeration und fährt dann mit Tram, Zug oder Bus weiter bis zu seinem Arbeitsplatz in der Stadt. Das sollen in Zukunft möglichst viele Pendler tun, sodass auf den Zufahrtsstrassen zur Stadt weniger Stau ist - das erhofft sich die Task-Force Anti-Stau, die deshalb den Bau von neuen P+R-Anlagen prüfen will.

«Dabei geht es um Fragen wie beispielsweise die optimalen Standorte der Parkmöglichkeiten, die richtige Anzahl Parkplätze oder die Kosten für die Nutzung», heisst es in der Medienmitteilung der Task Force.

Faule Autopendler

Ein Beispiel, wie man P+R nicht betreiben sollte, gibt es bereits. Seit zwanzig Jahren stehen beim Tramdepot Hüslimatt in Oberwil 275 Umsteigeparkplätze zur Verfügung. Gerade mal 30 bis 40 davon werden auch tatsächlich benutzt, heisst es bei den Baselland Transport AG (BLT), der das Parkhaus gehört. Direktor Andreas Büttiker macht dafür unter anderem die Lage der P+R-Anlage verantwortlich. «Sie ist nicht optimal gelegen. Sie müsste direkt in der Haltestelle des öffentlichen Verkehrs liegen.»

Dabei erklärt die BLT auf ihrer Webseite, die Parkplätze seien nur 100 Meter vom 10er-Tram entfernt. Offensichtlich ist das bereits zu weit für bisherige Autopendler. Büttiker weiss: «Wir müssen den Kunden vor der Haustüre abholen oder ihm eine Fahrgelegenheit bieten, sonst fährt er so nahe, wie es ihm möglich ist, an sein Ziel.»

Vorbild St-Louis

Ein gewichtige Rolle im Pendlerverhalten spielt die Parkraumbewirtschaftung in der Stadt Basel. «Ein wichtiges Kriterium für die Verkehrsmittelwahl ist das Vorhandensein von Parkplätzen im Zielgebiet», sagt Büttiker. «Solange es genug Parkplätze in der Stadt und den stadtnahen Gemeinden gibt, aber auch von den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, besteht wenig Motivation umzusteigen.»

Ungünstig ist wohl auch den Anschluss an das 10er-Tram. «Park-and-Ride-Parkplätze sollten an einem Bahnhof stehen, nicht an einer Tramlinie, mit der man nicht schnell genug in die Stadt kommt», sagt Robert Vogt, der Allschwiler Gemeinderat (FDP) und Vizepräsident der Verkehrs- und Planungskommission Leimental. Auch wenn er das P+R der BLT in Oberwil als gescheitert ansieht, hält er es für sinnvoll, nach geeigneten Standorten zu suchen, wie es die Task-Force Anti-Stau vor hat - auch im Leimental.

Ihm schwebt eine Art «Hub» vor, der direkte Verbindungen mit dem öffentlichen Verkehr in alle Richtungen bietet. Als gutes Beispiel nennt er das Parkhaus in St-Louis, das beim Bau des 3er-Trams beim Bahnhof erstellt worden ist. Dort könne man nicht nur nach Basel, sondern auch nach Mulhouse und Colmar umsteigen. «Wer hingegen vom Leimental zum Beispiel nach Rheinfelden will, nimmt für die ganze Strecke das Auto, anstatt mehrfach umzusteigen zu müssen», sagt er.

Nur: Den Margarethenstich, mit dem man rasch zum Bahnhof SBB gekommen wäre, hat das Stimmvolk abgelehnt. Und im Leimental gibt es keine S-Bahn, die rasche Verbindungen in die ganze Region ermöglichen würde – und auch keine Autobahn.

SBB schweigen

An letzterer sollen die Umsteigeparkplätze aber stehen, das schwebt zumindest Christoph Buser vor, dem FDP-Landrat, der der Task-Force Anti-Stau vorsteht. Die P+R-Anlagen müssten «entlang jenen Verkehrsachsen, die zum Nadelöhr Hagnau/Schänzli führen», stehen, also «nicht unbedingt bei der Tramhaltstelle Hüslimatt in Oberwil», erklärt er auf Anfrage. Konkrete Standorte seien zwar nicht im Gespräch. Jedoch müssten diese «vor dem Stau» liegen - also auf der A 2 zwischen Augst und Pratteln, auf der A 18 zwischen Aesch und Reinach.

Genau entlang dieser Achsen betreiben die SBB bereits einige P+R-Parkplätze, etwa in Muttenz, Pratteln, Münchenstein und Aesch, aber auch in Liestal und Gelterkinden.
Unklar ist, wie gut dieses «Park and Rail» benützt wird. Gesamtschweizerisch sei der Trend bei P+R stark steigend, heisst es bei den SBB. Diese hat das Angebot an Parkplätzen zwischen 2014 und 2016 von 27'135 auf 28'016 erhöht.

Ob der Boom allerdings auch in den Agglomerationen und insbesondere in der Region Basel stattfindet, das will das Bahnunternehmen auf Anfrage nicht verraten. Es teilt nur mit: «Wenn die Mobilitätskette bequem, schnell, preisgünstig und ökologisch ist, wird sie steigend nachgefragt.»