Wahlen 2019

«Parteiloser» FDP-Kandidat: Christoph Buser stösst mit seinem Wahlkampf die eigene Partei vor den Kopf

Christoph Busers Plakate sind überall – und verzichten auf das vorgeschriebene FDP-Layout und -Logo.

Der Direktor der Baselbieter Wirtschaftskammer führt den aufwendigsten Nationalrats-Wahlkampf im Kanton. Doch auf seinen Plakaten fehlt sowohl das FDP-Design als auch das Parteilogo – beides wäre vorgeschrieben. Das Vorgehen Busers irritiert viele Freisinnige.

Gross war die Schmach für Christoph Buser. Nachdem der Direktor der Wirtschaftskammer Baselland am 31. März überraschend die Wiederwahl in den Landrat verpasst hatte, hielt er am Parteitag der FDP Anfang April in Allschwil eine denkwürdige Rede. Fast demütig kündigte er an, sich in den Dienst der Partei zu stellen, ihr bei den Nationalratswahlen vom 20. Oktober helfen zu wollen. Denn, so hielt er fest: «Meine eigenen Wahlchancen sind alles andere als intakt.» Buser, der Parteisoldat.

Beste Chancen für Buser, Stückelberger und Schenker

Eine Woche vor dem Urnengang ist davon nichts mehr zu spüren. Der 48-jährige Füllinsdörfer führt seinen ganz eigenen Wahlkampf. Und das im grossen Stil. Kaum ein anderes Konterfei dürfte im Kanton öfter Autofahrer von Laternenpfosten anlachen. Wo Mit-Kandidaten wie Balz Stückelberger oder Marc Schinzel hängen, ist Buser auch mal doppelt vertreten.

Der Grund liegt auf der Hand: Selten war die Möglichkeit für die Baselbieter Freisinnigen besser, auch mit Platz zwei auf der eigenen Liste in den Nationalrat zu kommen. Dies weil die Bisherige Daniela Schneeberger reelle Chancen hat, in den Ständerat einzuziehen. Deshalb ist ein eigentliches parteiinternes Rennen entbrannt, mit den besten Aussichten für Buser, Stückelberger und Parteipräsidentin Saskia Schenker.

Die hohe Präsenz Busers allein ist noch kein Problem: «Die Parteileitung wollte explizit, dass die sieben Kandidaten sich selber stark engagieren. Das hilft der ganzen FDP-Liste», sagt Schenker. Die Itingerin stellt gegenüber der bz aber selbst die Frage: «Wo liegen die Grenzen eines persönlichen Wahlkampfes?»

Denn etwas sticht bei Busers Plakaten ins Auge: Vergeblich sucht man das FDP-Parteilogo. Einzig der Hinweis auf «Liste 1» verknüpft Buser noch mit den Freisinnigen, wobei es auch viele Plakate gibt, auf denen bloss noch «2x auf Ihre Liste» steht. Hierzu stellt Schenker fest: «Dass die Wähler die Parteiherkunft eines Kandidaten erkennen, ist gerade bei einer Proporzwahl besonders wichtig, bei der Listenstimmen der Partei am meisten nutzen.»

Auch sonst geht Buser nicht mit seiner Parteizugehörigkeit hausieren. In einem Unterstützungsschreiben, das in die Haushalte flatterte und der bz vorliegt, werben andere FDP-Landräte für Buser.

Und selbst sie lassen die Parteibezeichnung weg. Auffällig ist zudem, dass Buser der einzige FDP-Kandidat ist, dessen Plakate ein ganz eigenes Design haben. Das entspricht nicht den Abmachungen, wie Schenker bestätigt: «Grundsätzlich hat die FDP Schweiz das Design der Plakate vorgegeben.»

Finanziell spielt Busers Wahlkampf in eigener Liga

Schenker und Stückelberger halten sich daran, wobei letzterer mit dem Slogan «dr Balz schnallts» auch eine ziemlich eigenständige Kampagne fährt. Beide vermeiden es, Buser direkt zu kritisieren und betonen, dass alle sieben FDP-Kandidaten gemeinsam für die Liste 1 kämpfen.

Doch die bz weiss von mehreren gut informierten Quellen, dass Busers Alleingang intern gar nicht gut ankommt. Nach langem Nachdenken sagt Stückelberger zur bz: «Ich hoffe, dass seine persönliche Kampagne am Ende auch der Partei etwas bringt.»

Auch nicht aus dem Fenster lehnen möchten sich Schenker und Stückelberger bei der Frage, wer das Rennen um Listenplatz zwei gewinnen wird. «Balz Stückelberger und Christoph Buser sind sicher bekannter als ich. Ich bin aber nicht weniger motiviert und gespannt, was herauskommt», stapelt Schenker tief.

Vor allem seien die finanziellen Möglichkeiten der Kandidaten sehr unterschiedlich. «Christoph Buser hat das ganze Haus der Wirtschaft und mehrere Verbände hinter sich», merkt Schenker an. Das Budget offenlegen möchte allerdings keiner der Drei. Gerne hätte die bz auch mit Buser über seinen Wahlkampf gesprochen. Dieser liess am Freitagnachmittag aber ausrichten, dass er keine Zeit hätte.

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