Frenkendorf

Patti Basler: «Ich bin der Schweiz dankbar»

Patti Basler tritt am 1. August in Frenkendorf auf.

Patti Basler tritt am 1. August in Frenkendorf auf.

«Die etwas andere Grussbotschaft mit allerlei Satire, Slam, Sprach- und Wortwitz» – das verspricht die Gemeinde Frenkendorf in der Einladung zur Bundesfeier am 1. August auf dem Dorfplatz. Sie könnte Recht behalten, denn als Rednerin hat sie die Bühnenpoetin und Kabarettistin Patti Basler engagiert.

Frau Basler, wie viel Patriotin steckt in Ihnen?

Patti Basler: Ich bin natürlich meinem Namen verpflichtet: Patricia. Da steckt die Patriarchin drin, ein bisschen den Chef spielen. Da steckt aber auch die Patriotin drin. Ich finde die Schweiz ein schönes Land, aber ich habe wie die meisten Satiriker ein gespaltenes Verhältnis zu ihr. Ich bin dankbar, hier aufgewachsen zu sein, von unseren Errungenschaften profitieren zu dürfen. Ich denke da etwa an die Redefreiheit. Wenn ich so in die Türkei blicke, weiss ich das derzeit wieder besonders zu schätzen.

Was bedeutet Ihnen der 1. August?

Auch zu ihm habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Dieses Datum ist einfach irgendwann als Nationalfeiertag festgelegt worden. Es hat an sich keine Bedeutung. Und wenn man die Leute fragt, wissen sie gar nicht, was gefeiert wird. Der 1. August ist für mich vor allem eine Kindheitserinnerung. Ich bin auf einem Bauernhof auf einer Anhöhe im Fricktal aufgewachsen. Dort gab es jedes Jahr nur ein Ziel: das grösste Höhenfeuer der Region. Über Monate sammelten wir Holz und Gartenabfälle, um sie fürs Feuer zu stapeln.

Statt Höhenfeuer zu zünden, halten Sie dieses Jahr Festreden. Was erwartet da die Besucher genau?

Den genauen Inhalt kenne ich noch nicht. Aber formal kann ich schon einmal verraten: Es wird keine Rede sein, wie man sie etwa von Politikern kennt, sondern Slam-Poetry. Es wird Reime drin haben, Wortspiele und sehr dicht sein. Jede Silbe ist genau da, wo sie hingehört. Es geht vor allem auch um den Klang, nicht nur um den Inhalt.

Aber Inhalt hat es schon auch?

Nicht unbedingt. Es kann auch sehr dadaistisch sein. Manchmal ist die Klangidee so stark, dass der Inhalt in den Hintergrund gerät. Aber bei mir ist eigentlich immer eine gewisse politische Botschaft dabei. Ich mache mich gerne stark für Schweizer Werte, etwa Rede- und Pressefreiheit oder Achtsamkeit gegenüber der Umwelt. Ich trete ein für Gerechtigkeit und für Minderheiten – auch für kleine Halbkantone, die man ebenfalls ernstnehmen muss, oder für Minderheiten, die eigentlich Mehrheiten sind, wie Frauen.

Die Patti Basler, die man von der Bühne kennt, ist also auch die Patti Basler, die eine 1. August-Rede hält?

Ja. Wenn man Patti Basler engagiert, kriegt man Patti Basler. Aber an der Bundesfeier wird es vor allem um Unterhaltung gehen. Ich versuche, meinen pädagogischen Zeigefinger zu Hause zu lassen, was als ehemalige Lehrerin gar nicht so einfach ist. Ich habe ja bis 2013 an einer Sekundarschule unterrichtet.

Wie wurde aus Ihnen eigentlich eine Poetin und Kabarettistin?

Das wurde nicht aus mir, das war ich schon immer. Es gibt Kinder, die müssen immer den Clown spielen. Ich war eines davon. Gedichte habe ich schon verfasst, bevor ich überhaupt schreiben konnte. Ich habe sie meinem Vater diktiert, der sie mir dann vorlesen musste, bis ich sie auswendig konnte. Dann trug ich sie zum Beispiel im Kindergarten vor. Das habe ich von meinem Vater geerbt. Er trug an jedem Familienfest einen Schnitzelbank vor. Für unsere Familie ist es auch ganz selbstverständlich, dass man Geburtstags- und Postkarten in Reimform schreibt. Ich hätte aber nie gedacht, dass sich all das auch zu einem Beruf machen lässt. Als Kind habe ich mir immer den Fasnachtsquerschnitt angesehen und bei den Schnitzelbänken gedacht: Genau das will ich einmal werden.

Woran arbeiten Sie zurzeit, wenn Sie nicht gerade Festreden halten?

An vielem. Mein Hauptprojekt ist aber mein abendfüllendes Kabarettprogramm «Frontalunterricht», mit dem ich auf Tour bin. Im Herbst werde ich damit im Palazzo in Liestal und im Teufelhof in Basel auftreten. Das Programm dreht sich vor allem um die Schule, da kenne ich mich als Erziehungswissenschaftlerin und ehemalige Lehrerin ja gut aus. Ich erzähle vom Fräulein Scheidegger, das im unteren Fricktal an der Grenze zum Baselbiet als Lehrerin arbeitete. Dabei trage ich auch Slam-Poetry-Stücke vor. Das ist für Kabaretts eher ungewöhnlich, dass Gedichte rezitiert werden.

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Autor

Julia Gohl

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