Der vor Jahresfrist angetretene FDP-Chef Paul Hofer steht unter Beschuss: Er finde im Wahlkampf kaum statt und habe leichtfertig selbst formulierte Wahlziele aufgegeben, analysierte die bz. Im Interview erklärt Hofer, der morgen am FDP-Parteitag erneut vor den Freisinnigen steht, wie er die Partei führt.

Am letzten Donnerstag hat CVP-Chefin Brigitte Müller-Kaderli Ihren Rücktritt angekündigt. Ist Ihr Rücktritt ebenfalls in Griffnähe?

Paul Hofer: Überhaupt nicht.

Die bz hat Ihre Tätigkeit kritisiert. Der Wahlkampf sei bisher an Ihnen vorbeigegangen. Ihr Kommentar?

Das ist eine falsche Beurteilung, die mir zu denken gegeben hat. Sie wissen offensichtlich nicht, wie ich als Parteipräsident arbeite. Wir sind für den Wahlkampf 2019 sehr gut vorbereitet. Ich führe die Partei nicht diktatorisch, sondern binde sämtliche Kräfte in der Partei ein: Sektionspräsidenten, Gemeindepräsidenten, Junge, Ehemalige. Ich habe mich mit ihnen und den Mandatsträgern in unzähligen Hearings über die Schwerpunktthemen und neue Wege der Mobilisierung fürs Wahljahr unterhalten. Ich bin überzeugt, dass ich spüre, wie es in der Partei zu und her geht.

Tatsache ist: Die ins Feld geführte Kritik wurde hinter vorgehaltener Hand von FDP-Mitgliedern bestätigt.

Einzelmeinungen höre ich, einzelne Kritik auch. Meine Wahrnehmung über das grosse Ganze ist aber eine andere: Ich fühle mich von der Partei getragen. Wenn sie eine Organisation weiterentwickeln, ist es normal, auch auf Widerstände zu stossen. Am Parteitag Ende August gab es zum Entscheid, gemeinsam mit SVP und CVP in den bürgerlichen Regierungswahlkampf zu steigen, bloss zwei Gegenstimmen. Vor gut zwei Wochen durften wir in Pratteln die DV der FDP Schweiz abhalten. 450 Freisinnige kamen, 80 davon aus dem Baselbiet. Die Stimmung war brillant. Ein Präsident, der von der eigenen Partei nicht getragen wird, hätte das nicht hingekriegt. Kein einziger Freisinniger ist zu mir gekommen und hat gesagt: «Paul, Du weisst nicht, was Du tust.»

Wie gehen Sie mit Kritik aus den eigenen Reihen um?

Ich höre auf Kritik und gehe in mich: «Liege ich mit einem Entscheid oder einer Meinung falsch?» Ich kann allen Parteimitgliedern in die Augen schauen. Es gibt viele, die nur behaupten, Junge zu fördern. Ich tue es tatsächlich: Ich habe mit Naomi Reichlin bewusst einer jungen Vertreterin der Partei die Verantwortung der Vizepräsidentin gegeben und ein junges Team für die Wahlen aufgebaut. Ich habe die Vision, die Partei zu verjüngen, lebendiger zu machen und den Baselbieter Freisinn möglichst breit abzubilden. Dass es an Parteitagen Meinungsverschiedenheiten gibt, ist urliberal. Ich führe die FDP eben nicht wie ein CEO, im Gegenteil. Ich versuche, alle Entscheide breit abzustützen.

Beim Amtsantritt im August 2017 verkündeten Sie selbstbewusst, die beiden FDP-Regierungssitze halten zu wollen. Im Ringen mit der SVP sind Sie dann eingeknickt.

Ich bin nicht eingeknickt. Es wäre verwerflich gewesen, wenn ich als Präsident einer Partei mit zwei Regierungssitzen bereits vor Jahresfrist gesagt hätte: «Wir verzichten freiwillig auf den zweiten Sitz». Auch bin ich überzeugt, dass die FDP jederzeit valable Regierungskandidierende portieren kann. Die SVP hat allerdings stark darauf gedrängt, selber zwei Kandidaten zu stellen. Darüber haben wir sieben Monate verhandelt. Die Quadratur des Kreises war nicht möglich. Im Einvernehmen mit der Parteileitung habe ich dann entschieden, dass letztlich eine bürgerliche Mehrheit in der Regierung wichtiger ist als der Anspruch der FDP auf zwei Kandidierende. Für mich war zugleich klar, dass die FDP dann den bürgerlichen Ständeratskandidierenden für die Wahlen im Oktober 2019 stellen darf.

Ihre Nationalrätin Daniela Schneeberger hat kürzlich ihre Ständeratsambitionen verraten. Sie haben darauf nicht eben begeistert reagiert.

Ich freue mich, dass sich Daniela Schneeberger zur Verfügung stellt. Sie hat perfekte Voraussetzungen, das Baselbiet im Ständerat zu vertreten. Aber noch einmal: Der Parteipräsident alleine nominiert nicht. Es ist der Parteitag. Es wäre verwegen, wenn der Parteipräsident dem Parteitag Vorschriften machen würde. Wir werden aber mit grosser Wahrscheinlichkeit Daniela als Ständeratskandidatin nominieren.

Haben Sie für die Ständeratswahlen denn noch andere Asse im Ärmel?

Ich werde keine internen Personaldiskussionen in den Medien führen.

In einem Jahr sind zudem Nationalratswahlen. Bereits haben sich einige Interessierte öffentlich in Stellung gebracht. Wie geht es weiter?

Wir werden nun eine Findungskommission einsetzen, die dem Parteitag Nominationen vorlegt. Ich bin der Meinung, dass die Kommission mehr Interessierte vorschlagen soll, als Listenplätze zur Verfügung stehen. Damit gibt es am Parteitag eine echte Auswahl.

Die Basler FDP nominiert bereits heute Dienstag. Wann folgen Sie?

Die Ausgangslage ist in der Stadt etwas anders als bei uns im Baselbiet, weil dort im selben Jahr nicht auch kantonale Wahlen stattfinden. Persönlich bin ich der Meinung, dass wir mit der Nomination bis nach den kantonalen Wahlen vom 31. März zuwarten sollten. Ansonsten drohen wir uns zu verzetteln.