Dominic Wyler, benutzen sie häufig den 70er-Bus?

Dominic Wyler: Nein, ich bin eher selten im 70er anzutreffen.

Wenn wir den Bus an unserer Redaktion in Liestal vorbei fahren sehen, denken wir an Verspätungen.

Verspätungen im strassengebunden öffentlichen Verkehr sind ein zunehmendes Problem. Stau führt zu Verspätungen und Anschlussbrüchen, zu einem Fahrgastrückgang und teilweise sogar zu Arbeitszeitverletzungen beim Chauffeurpersonal.

Jetzt wurde etwas gegen diese Verspätungen getan. Die Linie hat eine Minute mehr Zeit, um zwischen Liestal und Reigoldswil hin und her zu fahren, neu 24 statt wie zuvor 23 Minuten. Aber für viele Pendler haben sich die Anschlüsse stark verschlechtert: Sie verpassen in Liestal die stündlichen Schnellzüge nach Zürich und Luzern.

Auf der Linie 70 können wir mit dem neuen Fahrplan zwei Problemen entgegenwirken. Einerseits haben wir die Restwendezeit in Reigoldswil erhöht. Die auf der Strecke eingefahrene oder vom abgewarteten Zug mitgebrachte Verspätung wird so nicht mehr auf die Gegenrichtung übertragen. Mit der Erhöhung der Fahrzeit auf durchschnittlich 24 Minuten je Richtung kann zudem der Fahrkomfort erhöht werden.

Roman Stingelin, Geschäftsführer der Autobus AG Liestal, die den 70er betreibt, schiebt die Schuld für nicht mehr erreichbare Anschlüsse an den Kanton ab. Die AAGL habe vor der Umstellung und den Folgen gewarnt, sagte Stingelin im Interview mit der bz. Der Kanton jedoch habe auf den veränderten Fahrzeiten bestanden, und da er Besteller sei, könne man nichts machen – im Sinne von: Wer zahlt, befiehlt.

Die Fahrpläne werden jeweils in enger Zusammenarbeit erstellt. Schuldzuweisungen sind daher fehl am Platz.

Die AAGL sagt, die Änderungen wären erst auf die Fahrplan-Umstellung per 2019 notwendig geworden – dann also, wenn die SBB die Fahrzeiten der Schnellzüge ändere. Doch der Kanton habe auf den veränderten Abfahrtszeiten schon per 2018 bestanden. Warum hat man das durchgeboxt?

Die Autobus AG Liestal hat uns zwei Fahrplanvarianten offeriert. Wir sind auf die Offerte mit den neuen Abfahrtszeiten eingegangen. Diesen Entscheid haben wir nach einer Abwägung der jeweiligen Vor- und Nachteile gefällt.

Die Arbeit am neuen Fahrplan beginnt jeweils fast ein Jahr vor dem Fahrplanwechsel. Die Verschlechterungen hat man also kommen sehen.

Ich möchte festhalten, dass acht von zehn möglichen Zuganschlüssen mit dem neuen Fahrplan besser geworden sind. Deutlich längere Reisezeiten gibt es hauptsächlich ausserhalb der Hauptverkehrszeiten auf den Verbindungen nach Zürich und Luzern. In den Hauptverkehrszeiten werden auch diese Anschlüsse nach wie vor sichergestellt.

Betroffen von den veränderten Ankunftszeiten sind rund 100 Personen oder sieben Prozent der Fahrgäste, und auch sie «nur» zu Randzeiten. Für die Leidtragenden ist das aber ein schwacher Trost, wenn sie pro Tag insgesamt bis zu einer Stunde länger unterwegs sind, respektive: lange an einem Bahnhof auf ihre Anschlussverbindung warten müssen.

Ziel ist es, die Gesamtreisezeit zu minimieren. Wenn beispielsweise zehn Personen vier Minuten schneller in Basel sind und im Gegenzug eine Person 30 Minuten länger nach Zürich unterwegs ist, ist das insgesamt immer noch eine Verbesserung von zehn Minuten.

Roman Stingelin spricht im bz-Interview von «punktuellen Verbesserungsmassnahmen», man sei mit dem Kanton im Gespräch. Was dürfen sich die Betroffenen erhoffen?

Eine Rückkehr zum alten Fahrplan darf man nicht erwarten. Die meisten Kundenrückmeldungen betreffen den weggefallenen Anschluss um 19 Uhr von Zürich auf die Linie 70. Hier prüfen wir mit der Autobus AG, diesen Anschluss kurzfristig wieder anbieten zu können. Den «Grundfahrplan» als solches werden wir für die nächste Fahrplanperiode erneut prüfen und im Rahmen der Möglichkeiten Verbesserungen vornehmen.

Nicht wenige Passagiere fragen sich jetzt wohl: Warum lässt die AAGL respektive der Kanton nicht einfach einen zusätzlichen Bus pro Stunde fahren?

Mit einer Taktverdichtung könnten die Anschlüsse in Liestal zweifellos verbessert werden. Alles in allem kostet ein zusätzlicher Bus pro Stunde – also 18 Fahrten jeden Tag – über den Daumen gepeilt 600'000 bis 750'000 Franken pro Jahr. Der Mehraufwand für eine solche Angebotserweiterung passt jedoch nicht ins laufende Budget.

Warum kann der Kanton das Budget nicht etwas erhöhen?

Die Höhe der Beiträge für den öffentlichen Verkehr spricht der Landrat über den generellen Leistungsauftrag im Bereich des öffentlichen Verkehrs. Für den laufenden Leistungsauftrag hat uns der Landrat die Vorgabe gemacht, die Kosten im öffentlichen Verkehr jährlich um brutto 1,4 Millionen Franken zu senken. Ein Angebotsausbau stünde im Widerspruch zu diesen Sparzielen. Zusätzliche Gelder hierfür müssten vom Landrat gesprochen werden.