Die negativen Reaktionen zu den Fahrplänen auf den Buslinien 70 und 71 reissen nicht ab. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 wurden Abfahrtszeiten geändert. Dies wirkt sich bei vielen Busfahrgästen teils nachteilig auf die Anschlüsse der Schnellzüge von und nach Zürich und Luzern aus.

Autobus AG muss rechnen

Für Dominic Wyler, Verkehrsplaner bei der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), ist klar, «dass jede Änderung Gewinner und Verlierer hat. Aber vom Ausmass der negativen Reaktionen war ich schon überrascht». Zahlreiche Busbenützer, aber auch Gemeinden und Parteien, machten und machen ihrem Unmut Luft.

Nun reagiert der Kanton und prüft Taktverdichtungen auf den beiden Buslinien. Die BUD hat die Betreiberin der Buslinien, die Autobus AG Liestal, anhand eines Entwurfs damit beauftragt, dies im Detail zu prüfen und für drei verschiedene Ausbauvarianten die Kosten zu berechnen. Wyler erläutert die drei Möglichkeiten:

Variante 1: 20-Minuten-Takt während des ganzen Tages auf der Linie 70, damit die Bahnanschlüsse auch ausserhalb der Hauptverkehrszeiten gewährleistet sind. Mit einem dichteren Fahrplan wird der Grundtakt geändert. Die Verdichtungen am Morgen und am Abend bleiben ungefähr bestehen. Die Linie 71 wird ähnlich bedient wie heute. Es verkehren – je nach Tageszeit – stündlich insgesamt bis sechs Kurse.

Variante 2: Die Linien 70 und 71 werden zusammen angeschaut, der 20-Minuten-Takt gemeinsam eingeführt. Bis und mit Bubendorf fährt alle 20 Minuten ein Bus; zwei davon über Ziefen nach Reigoldswil, einer via Arboldswil und Titterten nach Reigoldswil. Davon profitierten die Berggemeinden am meisten, dies würde allerdings bedingen, dass Ziefen einen 20/40-Minuten-Takt hätte. Während der Hauptverkehrszeiten könnte das Angebot zu einem durchgehenden 10-Minuten-Takt verdichtet werden.

Variante 3: Sie baut mehr oder weniger auf dem Bestehenden auf. Zwar werden die Linien 70 und 71 gemeinsam betrachtet, aber nicht verknüpft betrieben. Sonst müssten Gelenkbusse durch Arboldswil und Titterten fahren, «was nicht unbedingt zielführend ist und einige detaillierte Abklärungen erforderte», sagt Dominic Wyler. Damit bräuchte man für die längere Linie 71 tagsüber zwei Fahrzeuge, zwischen Liestal und Bubendorf gäbe es stets vier Fahrten pro Stunde.

Zu groben Kostenschätzungen und ob je nach Variante Busse dazugekauft werden müssten, kann Simon Dürrenberger, Leiter Markt der Autobus AG Liestal, noch keine konkreten Angaben machen: «Wir arbeiten jetzt die Details aus.»

Über einen Angebotsausbau der Buslinien 70 und 71 wird am Schluss die Politik entscheiden. Denn das kostet Geld. Bis die Offerten vorliegen und die Regierung dem Landrat eine Vorlage unterbreiten kann, dauert es einige Monate. Ein Beschluss des Kantonsparlaments ist erst nach den Sommerferien zu erwarten. Eine allfällige Taktverdichtung könnte frühestens auf den Fahrplanwechsel vom kommenden Dezember realisiert werden.

Freude bei der SP

«Es ist erfreulich, dass die Regierung nun einsieht, dass zur Lösung dieses Problems nur ein Ausbau möglich ist», sagt Samira Marti, Vizepräsidentin der SP Baselland und Bald-Nationalrätin. Und fügt an: Jetzt müsste die Regierung die Motion «Die Buslinie 70 muss attraktiv bleiben: Schnellzuganschlüsse in Liestal gewährleisten» von SP-Landrat Jan Kirchmayr zur Annahme empfehlen. Die Regierung habe noch nicht kommuniziert, was sie wolle.