Am Montag begann am Gymnasium Laufental-Thierstein in Laufen das neue Schuljahr. Christoph Keller musste nach den Sommerferien für einmal nicht wieder früh aus den Federn. Nach 37 Jahren als Lehrer an der bikantonalen Schule – die letzten zwölf auch als Konrektor – wurde der Röschenzer Ende Juli pensioniert. Im Gespräch redet er über Veränderungen seines Jobs und spart dabei nicht mit Kritik.

Christoph Keller, mit welchen Gefühlen sind Sie am Montag aufgestanden?

Christoph Keller: In den vergangenen Jahren war ich am Ende der Sommerferien immer nervös. Ich stellte mir jeweils die Frage, ob ich etwas vergessen habe. Durch meine Tätigkeit als Konrektor nahm dies noch ein wenig zu. Dieses Mal spürte ich diese Aufregung jedoch nicht. Es war ein Wochenende wie jedes andere, was ich als angenehm empfand.

Inwiefern änderte sich Ihre Tätigkeit am Gymnasium, als Sie vor zwölf Jahren Konrektor wurden?

Da ich Teil der Schulleitung wurde und viele organisatorische Funktionen übernahm, reduzierte sich die Anzahl meiner Lektionen als Lehrer. Aus 22 Schullektionen in den Fächern Biologie, Chemie und Geografie wurden sechs. Ich finde es sehr wichtig, dass Schulleitungsmitglieder noch unterrichten. So bleibt man auf dem Laufenden, wie sich das Unterrichten entwickelt.

Wo sehen Sie die grossen Veränderungen, wenn Sie den heutigen Unterricht mit dem Ihrer Anfangsjahre vergleichen?

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich technisch sehr viel getan. Die heutigen Möglichkeiten erlauben es einer Lehrperson viel einfacher, den Unterricht aktiver zu gestalten und zu überprüfen, ob die Schülerinnen und Schüler den Stoff wirklich verstanden haben. Gleichzeitig braucht es eine tief greifendere Auseinandersetzung mit dem Schulstoff. Hier sehe ich Verbesserungspotenzial. Ich plädiere für mehr exemplarisches Unterrichten.

Sie sprechen auf den immer wieder von Lehrerinnen und Lehrern kritisierten vollgestopften Lehrplan an.

Nachhaltigkeit hängt für mich mit Auseinandersetzung zusammen. Wenn eine Lehrperson engagiert ist und ein Projekt durchführen will, ist der Gewinn für die Schüler viel höher als er bei der gleichen Zahl Lektionen reinen Unterrichts wäre. Möglicherweise wird das eine oder andere Thema zwar nicht behandelt, aber dafür setzen sich die Schüler mit einem anderen intensiv auseinander. Ich denke, die jungen Lehrer sind diesbezüglich schlecht auf den Beruf vorbereitet.

Was meinen Sie genau?

Die Junglehrer eignen sich an der Pädagogischen Hochschule viel theoretisches Wissen an. Die praktische Seite kommt jedoch viel zu kurz. Die drei Praktika reichen bei weitem nicht aus. Es braucht Mentorate als Teil des Pensums von erfahrenen Lehrpersonen. Die gestrichenen Sabbaticals für ältere Lehrpersonen sollten unbedingt wieder eingeführt werden. Ich konnte vor rund zehn Jahren eine halbjährige Weiterbildung machen, die mir viel Schwung gab.

Kommen wir zu den Schülern: Sind Sie tatsächlich so schwer für etwas zu interessieren, wie behauptet wird?

Ich merke schon, dass die Belastbarkeit der Jugendlichen geringer geworden ist. Woran das liegt, ist schwierig zu sagen. Es könnte mit den allgegenwärtigen Handys und der teilweisen Überempfindsamkeit gewisser Eltern zusammenhängen. Die Freizeit spielt für die Schülerinnen und Schüler heute eine viel wichtigere Rolle als früher. Einen gemeinsamen Termin für Aktivitäten ausserhalb des Stundenplans zu finden, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit.

Welchen Ratschlag würden Sie einem jungen Lehrer mit auf den Weg geben?

Man sollte nur Lehrer werden, wenn man es als seine Berufung ansieht. Man muss mit jungen Menschen arbeiten wollen. Dazu gehört auch eine gewisse Leidensfähigkeit.