Vor wenigen Tagen hat eine Gruppe von Anwohnern in Gelterkinden beim Gemeinderat eine Petition eingereicht. Mit 368 Unterschriften fordern sie eine «Redimensionierung» des Cherusgälti. Der Cherusgälti schliesst die Fasnacht ab und ist während dieser Zeit einer der grössten Anlässe der Region. Von der Petition hat Stephan Béhé, OK-Präsident des Fests, über Bekannte erfahren, die wegen Unterschriften angesprochen wurden. «Wir waren schon überrascht», meint Béhé. Denn: Bereits vor der Petition waren Verhandlungen zwischen den Anwohnern und den Organisatoren im Gang.

«Nach dem letzten Cherus haben wir vom Gemeinderat den Auftrag erhalten, bis Ende Juni ein Verbesserungskonzept zu erstellen», erklärt Béhé. Fristgerecht habe man dieses eingereicht. Die Organisatoren haben beispielsweise ein Mehrweg- und Depotsystem als Lösung gegen die Abfallberge vorgeschlagen. Ein Glasverbot gilt schon jetzt. Es sei eine Möglichkeit, Zutrittskontrollen einzuführen, damit niemand Glas an das Fest bringt.

Bewilligung für nächstes Jahr noch ausstehend

Eines der Hauptprobleme, die in der Petition genannt werden, ist das Urinieren und Erbrechen in Hauseingängen und an Fassaden. Beim letzten Fest seien 50 WCs zur Verfügung gestellt worden, gleich viele wie in den Vorjahren. Die Besucheranzahl habe sich aber stark gesteigert – wegen des warmen Wetters, ist Béhé sicher. «Es war schwierig, auf die Schnelle auf die vielen Gäste zu reagieren», sagt er. Ein neues WC-Konzept sei nun auch erarbeitet worden. Dunkle Ecken, die oft zum Urinieren und Erbrechen genutzt wurden, habe man beim letzten Cherus beleuchtet. «Dort, wo wir Scheinwerfer eingesetzt haben, hatten wir eine hundertprozentige Erfolgsquote», so Béhé. Das werde man nächstes Jahr ausweiten. Vorausgesetzt, das Fest erhält eine Bewilligung.

Denn diese ist momentan noch ausstehend. Im August steht eine Sitzung mit dem Gemeinderat an. Sollte dieser die Forderungen der Petitionäre umsetzen, sehe es schlecht aus. «Dann müssen wir überlegen, ob wir den Cherus überhaupt noch durchführen», sagt Béhé. Finanziell wäre der Anlass kaum tragbar, wenn der Betrieb um 1 Uhr eingestellt würde.
Erst im Mai musste die Gugge «Los Ventilos» einen ähnlichen Entscheid treffen: Aus finanziellen Gründen geben sie das traditionelle Guggenkonzert in Waldenburg auf.

Gemeinderat vermittelt zwischen Parteien

Der zuständige Gelterkinder Gemeinderat Stefan Degen möchte nicht, dass es so weit kommt: «Ich fände es schade, wenn es den Cherus nicht mehr gäbe.» Er versteht aber die Gegenseite. Auch er habe schon unschöne Erfahrungen gemacht: Der Innenhof der Gemeindeverwaltung sei als WC zweckentfremdet worden.

Es gelte nun, Kompromisse zu finden, mit denen beide Parteien zufrieden sind, sagt Degen. «Ich finde die Forderungen der Anwohner etwas zu hart, aber auch nicht alles, was beim Cherus geschieht, gut.» Er hofft, dass die Parteien aufeinander zugehen. Man müsse abwägen, welche Elemente für den Charakter des Fests wichtig sind und wo man auf die Bewohner eingehen könnte. Degen betont aber: «Das OK hat die Forderungen bisher immer erfüllt.»

Auf der Cherus-Seite appelliert er eher an die Besucher, die sich momentan auf Facebook für den Anlass stark machen. «Es ist wichtig, dass die Fans Selbstkritik üben. Sie sollten zum Anlass Sorge tragen und andere Festgänger darauf aufmerksam machen», sagt Degen. «Und sich künftig etwas zusammenreissen.»