Einbürgerung

Pfarrer Monsch: «Offenbar will man die Halilis schlicht nicht haben!»

Die Familie Halili blickte 2006 in eine unsichere Zukunft. Das Aufenthaltsrecht hat sie inzwischen, nicht aber den Schweizer Pass. (Archiv)

Die Familie Halili blickte 2006 in eine unsichere Zukunft. Das Aufenthaltsrecht hat sie inzwischen, nicht aber den Schweizer Pass. (Archiv)

20 Jahre lang war Christoph Monsch Pfarrer von Bubendorf. Unter seiner Obhut gewährte die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde 2005 den von der Ausweisung bedrohten Halilis das Kirchenasyl. Er kann die Ablehnung des Einbürgerungsgesuchs der Familie nicht nachvollziehen.

Die Gemeinde Bubendorf solidarisierte sich damals mit der kosovarischen Familie. So unterzeichneten rund tausend Personen eine Petition für den Verbleib der Halilis. Christoph Monsch ist seit 2009 Pfarrer im aargauischen Fislisbach.

Christoph Monsch ist ehemaliger Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche Bubendorf-Ramlinsburg.

Christoph Monsch ist ehemaliger Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche Bubendorf-Ramlinsburg.

Herr Monsch, Sie sind seit Jahren nicht mehr in Bubendorf tätig und wohnhaft. Wie haben Sie vom Entscheid der Bürgergemeinde erfahren, das Einbürgerungsgesuch der Halilis abzulehnen?

Christoph Monsch: Jemand aus Bubendorf schickte mir eine SMS. Darin stand, dass die Halilis Schweizer werden wollen und dass dies dann mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt worden ist. Da waren ja diese merkwürdigen Vorwürfe, die Halilis seien im Trainingsanzug rumgelaufen, die Autohupe sei losgegangen und Ähnliches.

Wie reagierten Sie auf diese Nachricht aus Bubendorf?

Ich schrieb Folgendes zurück: Ich bin sehr peinlich berührt. Ich kann es nicht verstehen, dass die Bubendörfer so reagieren.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Nein, offenbar will man die Halilis schlicht nicht haben! Ich kann mir keinen Reim drauf machen.

Vor elf Jahren war die Stimmung in Bubendorf offenbar ein ganz andere?

Es gab eine grosse Solidaritätswelle mit den Halilis. Man sah wirklich, dass die Familie mit ihren beiden Söhnen gefährdet war. Wir setzten uns ein, weil es unsere Christenpflicht ist, denjenigen in Not zu helfen. Wir machten also das, was uns möglich war, dies immer transparent und in engem Kontakt mit den Behörden. Da gab es sehr viele, die sich engagierten und die auch einsahen, dass wir den Halilis helfen müssen.

Die Kirchgemeinde stand da voll dahinter?

Es gab eine Kirchgemeindeversammlung, die über das Kirchenasyl abstimmte. Ich war gar nicht sicher, wie es ausgehen würde und wurde dann positiv überrascht: Die überwiegende Mehrheit der Anwesenden stimmte für die Gewährung des Kirchenasyls.

Das Kirchenasyl wurde mit 171 gegen 5 Stimmen gewährt. Bubendorf wurde so zum Präzedenzfall, der zum Beispiel diesen März bei der Kontroverse um das Kirchenasyl in der Matthäuskirche wieder erwähnt worden ist. War Ihnen die Bedeutung des Falls bewusst?

Wir wussten, dass das Kirchenasyl eine kritische Angelegenheit ist. Auch die damalige Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro sagte uns, dass es nicht gehe und rechtlich nicht haltbar sei. Aber wir dachten nicht an Präzedenzfälle. Wir sahen, was man machen konnte und haben es dann einfach gemacht. Gemäss dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter im Lukasevangelium ist es unsere Aufgabe, unseren Nächsten zu helfen.

Diese Solidarität war vor 11 Jahren anscheinend fast selbstverständlich, heute offenbar nicht mehr. Was hat sich verändert?

Das kann ich für Bubendorf nicht beurteilen. Hier im Aargau, wo ich jetzt bin, werden wir als Kirche ermutigt, Asylsuchenden und Flüchtlingen zu helfen und solidarisch zu sein.

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